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Der Norden Aronia wird in Niedersachsen immer öfter angebaut
Nachrichten Der Norden Aronia wird in Niedersachsen immer öfter angebaut
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00:21 05.05.2019
Lars Grossmann auf seiner Aronia-Plantage in Nienhagen (Heidekreis) Quelle: Gabriele Schulte
Eydelstedt/Schwarmstedt

,,Haben Sie schon mal probiert?“ Lukas Reeßing lacht. Nein, der säuerlich-herbe Geschmack der Strauchbeere und des aus ihr gewonnenen Safts sei nicht jedermanns Sache, räumt der junge Landwirt ein. „Aber es hat ja den Beigeschmack, dass es gesund ist. “ Reeßing blickt stolz auf seine weiß blühende Aronia-Plantage. 10000 Sträucher auf 2,3 Hektar hat er in den vergangenen dreieinhalb Jahren auf dem Hof in Eydelstedt (Kreis Diepholz) gepflanzt, der ansonsten auf Heidelbeeren setzt. Die schwarze Aronia, auch Apfelbeere genannt, mag nicht die lieblichste Frucht sein. Ihr hoher Gehalt an Vitamin C, zellschützenden Antioxidantien und weiteren Vitalstoffen ist jedoch unbestritten – und Aronia deshalb so gefragt, dass die Pflanze auch in Niedersachsen immer beliebter wird.

Aronia

Die Aronia, auch Apfelbeere genannt, stammt ursprünglich aus den Wäldern Kanadas. Der Name Apfelbeere wird auf die Blüten –weiß mit etwas rosa – zurückgeführt, die Apfelblüten sehr ähneln. Die robuste Pflanze verträgt tiefe Minusgrade wie auch heiße Sommer. Klimaänderungen können ihr somit wenig anhaben, Trockenzeiten können allerdings zu kleineren Beeren und geringeren Ernten führen. Die Sträucher werden auf eingezäunten Plantagen angepflanzt; als Hecke, einzelner Strauch oder Baum eignet sich die genügsame Aronia auch für den heimischen Garten.

Die dunklen Beeren haben mit ihrem recht hohen Anteil an Gerbstoffen einen mehr oder weniger bitteren Nachgeschmack. Sie enthalten eine Vielzahl an Vitaminen wie etwa C und E, Mineralstoffen wie Kalium und Eisen sowie weitere gesundheitsfördernde Stoffe. Aronia-Produkte werden in Reformhäusern, Bio- und Hofläden und vielen Supermärkten verkauft. Konsumiert wird die Frucht in der Regel nicht frisch, sondern meist als Saft, manchmal auch als getrocknete Beere. Den Saft trinken Verbraucher gern mit Wasser verdünnt, beliebt sind auch Aronia-Apfelsaft-Mischungen. Ansonsten kann Aronia zu den gleichen Produkten wie Heidelbeeren verarbeitet werden, beispielsweise in Kuchen.

Dienten 2015 nur gut 18 Hektar dem Aroniaanbau, waren es im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Landesamtes fast 70 Hektar. Die Fläche hat sich in dieser Zeit nahezu vervierfacht. Vor allem junge Bauern, unter anderem in der Region Nienburg, im Wendland und zuletzt bei Wolfenbüttel, haben die durchweg in Bioqualität angebotene dunkle Beere ins Programm genommen. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Kanada und kam über den Umweg Russland nach Deutschland. „Sie ist sehr genügsam“, sagt Landwirtschaftskammer-Fachmann Frank Hippauf, auf überschaubaren Flächen seien weder Probleme mit Krankheiten noch mit Schädlingen zu befürchten. Auch warme, trockene Sommer überstehen die Pflanzen gut.

Erste Aronia-Plantage

Den Siegeszug der Aronia in Niedersachsen hat Lars Grossmann eingeleitet. Der gelernte Koch aus Schwarmstedt (Heidekreis) entdeckte vor gut zehn Jahren im Zuge seiner Gartengestaltung die russische Apfelbeere in einem Katalog für seltene Pflanzen. Der Strauch war noch in der DDR –und anderem als Grundlage für Farbstoff –in größerem Stil angebaut worden, dann aber weitgehend vergessen worden. „Ich habe Aronia hierher geholt“, sagt der 48-Jährige. Was ihm fünf Jahre zuvor schon mit der damals ebenfalls kaum bekannten Goji-Beere gelungen war, setzte er mit der Apfelbeere fort: einen schwunghaften Handel zunächst über das Internet – zuhause, nach der Arbeit in einem Seniorenheim. Vom Potenzial der Aronia war der Koch schnell so überzeugt, dass er im Nachbarort Nienhagen einen kleinen Acker kaufte und im April 2009 eine erste Plantage anlegte.

Heute ist Grossmann mit „Heide-AroniaNorddeutschlands größter Aronia-Vermarkter und – nach einem Betrieb in Sachsen – bundesweit Nummer zwei. Gern würde er noch mehr regionale Anbauer unter Vertrag nehmen. „Dann könnten wir eine ganz auf Niedersachsen bezogene Marke entwickeln“, sagt der 48-Jährige, der das Marketing als seine besondere Stärke bezeichnet. Das Aronia-Geschäft wuchs so rasant, dass Grossmann in Schwarmstedt zunächst ein Ladenlokal mietete und dann ins Gewerbegebiet umzog. In seinem „Hofladen“ dort finden Kunden nicht etwa Spargel oder Kartoffeln, sondern Aroniasaft, Aroniaessig und getrocknete Beeren. Nebenan im „Hofcafé“ stehen Aroniatorte und Aroniaeis auf der Speisekarte. „Die Nachfrage ist riesig“, sagt der Betreiber, der sieben Mitarbeiter beschäftigt. In Schwarmstedt und über das Internet bietet er Schulungen an und trägt so zur Verbreitung der Beere bei. Seminarteilnehmer reisen dafür nicht selten sogar aus dem Ausland in den Heidekreis.

Bienen fliegen auf Aronia

Auf der Plantage dagegen sei nicht viel zu tun, erzählt Grossmann: „Das ist ein großer Vorteil der Aronia, dass sie so wenig Arbeit macht.“ Ein Gärtner mähe und mulche gelegentlich zwischen den bis zu zwei Meter hohen, dicht wachsenden Sträuchern, die bis zu 30 Jahre alt werden. Ansonsten könne er die Aronia bis zur Ernte weitgehend sich selbst –und den Bienen eines Imkers aus der Wedemark - überlassen. „Sie fliegen die Blüten gern an, um Pollen und Nektar zu sammeln“, erläutert Jürgen Frühling, Vorsitzender des Landesverbandes Hannoverscher Imker. Er habe selbst, wie etliche Kollegen, einen solchen Strauch im eigenen Garten gepflanzt. Aronia ergänze, wie andere Obstblüten, Raps und Weißdorn, aktuell das Angebot für die Bienen: „Nach dem massiven Frühlingsblühen füllt Aronia eine Lücke, bevor die Linde blüht.“

Beim Erntefest im September übernehmen in Nienhagen dann die Besucher das Pflücken der Beeren. Andernorts erledigen das Pflückmaschinen. Es gibt spezielle für Aronia, aber auch Johannisbeer-Pflückmaschinen kommen zum Einsatz; die Ernte ist an einem Tag zu erledigen. Später im Herbst färben sich die Blätter leuchtend rot.

Nach Experteneinschätzung ist Aronia nicht nur eine Modeerscheinung, sondern könnte sich auf Dauer am Markt halten. „Ich glaube nicht, dass sie wieder verschwinden wird“, sagt Frank Hippauf von der Landwirtschaftschaftskammer, der auf einem Fläche für Sonderkulturen bei Schwerin Aroniapflanzen betreut. Wirtschaftlich sei der Anbau allerdings nur, wenn Kunden nicht auf Billigangebote aus Polen umstiegen. Ein neues Konkurrenzprodukt sei auch schon in Sicht. „Gerade geht es mit Haskap los“, berichtet der Biologe. Das auch als Maibeere bezeichnete Obst, das ebenfalls als „Superfood“ beworben wird, ist erst im Dezember von der EU als Lebensmittel zugelassen worden. Lars Grossmann in Schwarmstedt hat die neue Frucht bereits im Blick. Neben seinen Aronia-Sträuchern wachsen schon Maibeeren.

Lukas Reeßing in Eydelstedt hat sich mit dem Geschmack seiner Aronia mittlerweile längst angefreundet. Denn ihr herber Geschmack lässt sich auf vielerlei Weise versüßen, zum Beispiel mit Apfelsaft. Der 23-jährige Landwirt schätzt besonders eine Marmelade aus Aronia und Heidelbeeren. Die kocht seine Mutter Bianca Reeßing und verkauft sie ab Hof.

Von Gabriele Schulte

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