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Der Norden Acht Tote bei Badeunfällen in Norddeutschland
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Badeunfälle in Norddeutschland: Acht Tote

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16:52 19.06.2021
Rettungswagen stehen nach einem Badeunfall an einem See in Niedersachsen in Hösseringen.
Rettungswagen stehen nach einem Badeunfall an einem See in Niedersachsen in Hösseringen. Quelle: Philipp Schulze
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Hannover

In Norddeutschland ist es in der vergangenen Woche zu zahlreichen Badeunfällen in Seen, Flüssen und in der Ostsee gekommen. Binnen einer Woche starben acht Menschen, darunter auch unter 18-Jährige. Zudem wird ein Teenager nach seinem Verschwinden in der Elbe bei Hamburg vermisst.

In Bremen starben im Achterdieksee binnen zwei Tagen gleich zwei Menschen. Am Freitag wurde ein etwa 20 Jahre alter Mann von einem Rettungsschwimmer rund 30 Meter vom Ufer entfernt in einer Tiefe von vier bis fünf Metern geborgen. Badegäste hatten die Rettungskräfte alarmiert. Der Wiederbelebungsversuch durch einen Notarzt scheiterte.

Drei Badetote in Mecklenburg-Vorpommern an einem Tag

Am Montag zuvor war ein 15 Jahre alter Junge in dem See ertrunken. Der Fall sorgte auch deshalb für Aufsehen, weil rund 200 Gaffer den Einsatz massiv behindert hatten, wie die Polizei meldete. Die Beamten mussten Sichtschutz anbringen, um Handyaufnahmen der Wiederbelebungsversuche zu verhindern. Andere Anwesende hingegen eilten zur Hilfe und suchten nach dem ertrinkenden Jungen, bis die Rettungskräfte eintrafen.

In Mecklenburg-Vorpommern sind an einem Tag gleich drei Menschen ertrunken, zwei davon in der Ostsee. Vor Rügen zogen Rettungskräfte am Donnerstag einen 43-Jährigen nahe Göhren leblos aus dem Wasser, wie die Polizei in der Nacht zum Freitag mitteilte. Ihre Versuche, ihn wiederzubeleben, blieben erfolglos. Sein Bruder hatte den Mann als vermisst gemeldet. Nach Polizeiangaben war es das erste derartige Badeunglück auf Rügen in dieser Saison.

Klicken Sie hier, um die wichtigsten Baderegeln zu sehen, die die DLRG empfiehlt – und die Bedeutung der Flaggen zu erfahren, mit denen die Retter an den Stränden signalisieren, ob das Baden gefahrlos möglich ist.

Ostsee und Schweriner See: Wiederbelebungsversuche ohne Erfolg

In der Nähe von Greifswald starb zudem eine 71-jährige Frau nach dem Baden in der Ostsee. Vom Strand in Lubmin aus hatte ihr Mann bemerkt, dass sie leblos im Wasser trieb. Er zog sie mit der Hilfe von anderen Strandbesuchern aus dem Wasser. Doch auch in diesem Fall blieben Reanimationsversuche ohne Erfolg. Die Frau starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Im Schweriner See ertrank ein junger Mann. Die Feuerwehr konnte ihn zwar vom Boden des Sees wieder an Land bringen, aber nicht mehr wiederbeleben, wie die Polizei am Donnerstagabend mitteilte. Das Alter des Mannes war auch am Freitag zunächst nicht bekannt. Angehörige und Freunde seien in einer „psychischen Ausnahmesituation“ gewesen. Drei von ihnen wurden vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht.

Hamburg: 15-Jähriger nach Sprung in Elbe vermisst

In Hamburg hat sich ein ähnliches Unglück ereignet. Dort sprang ein 15-Jähriger am Freitagabend in die Elbe und wurde von der Strömung mitgerissen, sagte ein Sprecher der Polizei. Zwei junge Männer, die ihn retten wollten, hatten keinen Erfolg. Nach dem Vermissten wurde am Freitagabend mit Hilfe von Tauchern und Drohnen gesucht. Am Samstag waren nach Angaben der Leitstelle keine weiteren Suchaktionen geplant.

Ebenfalls bereits am vergangenen Samstag starb ein zehnjähriges Mädchen beim Baden in der Ostsee. Das Mädchen war zusammen mit anderen Kindern in der Nähe der Nordermole bei Travemünde ins Wasser gegangen. Wiederbelebungsversuche scheiterten. Warum das Kind unterging, ist noch unklar, laut „Lübecker Nachrichten“ herrschte am Samstagnachmittag in Travemünde allerdings Windstärke fünf bis sechs.

DLRG: So erkennen Sie Ertrinkende

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) weist daraufhin, dass aufmerksame Beobachtungen Leben retten können. Oft seien Ertrinkende gar nicht mehr in der Lage, Hilfeschreie abzugeben. „Geraten Kinder in Not, kippen sie in der Regel nach vorne unter Wasser. Dann sieht man höchstens noch den Hinterkopf“, erklärt Experte Achim Wiese. „Erwachsene kippen eher nach hinten, hier ragt eher die Nase aus dem Wasser.“

Wer eine Person in Notlage entdeckt, sollte sofort den Notruf 112 verständigen. Selber einen Rettungsversuch zu starten, ist eine heikle Angelegenheit. Wiese empfiehlt das nur, wenn derjenige fachliches Wissen besitzt. Also sowohl das Gewässer als auch das Gewicht der Person in Not einschätzen kann und mit Rettungsvorgängen vertraut ist.

Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Ertrinkende sich an den Retter klammert und beide in Not geraten, weil dieser sich nicht aus dem Klammergriff befreien kann. Lieber sollten sich Ersthelfer nach einem Rettungsring oder großen Stück Holz umsehen, an dem sich der Ertrinkende festhalten kann.

DLRG: Rettungsversuche nur bei ruhigen Gewässern wagen

Anders ist das bei kleinen Kindern. „Hier können auch ungeübte Retter einen Einsatz riskieren“, so Wiese. Vorausgesetzt es handelt sich um ein ruhiges Gewässer, also zum Beispiel einen Badesee oder ein Schwimmbecken. Das Gewässer ist überhaupt ein wichtiges Kriterium – neben dem Wissen um fachgerechte Rettung. „Ich würde niemandem, auch nicht dem geübtesten Retter, empfehlen, spontan in den Rhein zu springen“, mahnt Wiese.

Bei Gewässern mit starker Strömung sei es aber ratsam, am Ufer mitzulaufen, sodass die herbeigerufenen Einsatzkräfte sofort wissen, wo sich der Ertrinkende aufhält. Auch wenn ein Beobachter sich dazu entscheidet, selbst einzugreifen, sollte vorab unbedingt der Notruf abgesetzt werden. Denn in jedem Fall ist anschließend ein Notarzt erforderlich.

Von RND/msk/ak/dpa