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Der Norden Helau aus der Mini-Welt: Braunschweiger verlegen Karneval ins Netz
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Corona: Braunschweiger Karneval nur digital

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07:02 02.02.2021
Ein Karnevalszug fährt durch eine Mini-Version der Braunschweiger Innenstadt, die der Künstler Torsten Koch für den Karneval entworfen und umgesetzt hat.
Ein Karnevalszug fährt durch eine Mini-Version der Braunschweiger Innenstadt, die der Künstler Torsten Koch für den Karneval entworfen und umgesetzt hat. Quelle: Ole Spata/dpa
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Braunschweig

Aufgeben ist keine Option: Die Braunschweiger Karnevalisten wollen ihren Saisonhöhepunkt partout nicht komplett absagen. Da die Corona-Krise aber auch den bisherigen Plan B mit einer abgespeckten Version nicht zulässt, laufen nun die Vorbereitungen auf Variante C des Umzugs „Schoduvel“. In den sozialen Netzwerken soll es heißen: „Der Zug findet statt - ohne Aktive und ohne Zuschauer.“ Zentrales Ziel ist es, die Vorfreude auf 2022 zu wecken.

In normalen Jahren zieht der „Schoduvel“ - niederdeutsch für „Scheuch den Teufel!“ - oft mehr als 200 000 Zuschauer auf die Straßen und gilt daher als größter Straßenkarneval Norddeutschlands. In diesem Pandemie-Jahr mit all seinen Einschränkungen bleibt den Machern nur eine Mini-Version. Elf kleine Motivwagen hat der Künstler Torsten Koch aus Styropor gebaut. Angetrieben von einem kleinen Motor werden sie mit Magneten durch eine Braunschweig-Kulisse gezogen. Ein gleichwertiger Ersatz sei es nicht. „Aber ich hoffe, dass es eine Version ist, die den Leuten Freude macht“, sagt Koch.

Kreativ trotz Absage

Diese Online-Variante nennt der Wagenbau-Künstler mit Blick auf Corona und den Infektionsschutz „narrensicher“. Ein etwa 15-minütiger Film soll ab dem 14. Februar im Netz zu sehen sein. „Wir möchten zeigen, dass wir trotz Absage kreativ sind“, berichtet der 54-Jährige während der letzten Arbeiten in der Werkstatt. Durch die Position der Kamera könne der Zuschauer in die Situation hineingezogen werden. „Mit karnevalistischer Musik unterlegt, wirkt es fast wie echt.“

Beim Besuch im Schoduvel-Zentrum im Stadtteil Kralenriede lässt sich die Karnevalsdimension in Braunschweig erahnen. In einer riesigen Halle stehen unzählige Wagen aufgereiht. 2020 - kurz vor dem ersten Lockdown - bestand der etwa sechs Kilometer lange Zug aus rund 145 Motivwagen, oft mit sehr aufwendigen Schnitzereien aus Styropor. 25 Musik- und Spielmannszüge animierten zum Tanzen und Schunkeln. In diesem Jahr sollen die kleinen Modellwagen groß wirken und schon Vorfreude vermitteln auf 2022, wie es Zugmarschall Gerhard Baller umschreibt.

Eigentlich geplante Ausstellungsbeiträge und Live-Aktionen sollen für die Homepage aufbereitet werden und zeigen, wie der Karneval in Braunschweig funktioniert. In der Stadt gebe es sehr viel Unterstützung, sagt der 70-jährige Baller und das Komitee wolle zeigen, welche Bedeutung der Karneval als Element der Alltagskultur habe. Auch aktuelle Gesellschaftskritik soll nicht einfach ausbleiben. So thematisiert einer der Wagen die Debatte um eine Bordell-Eröffnung in Braunschweig.

Hoffnungen für 2022

Dass eine Komplettabsage für die Narren in der zweitgrößten Stadt Niedersachsens nicht in Frage kommt, bewiesen sie zum Auftakt am 11. November. Im kleinen Kreis eröffneten sie ihre Saison unter Corona-Bedingungen und übertrugen die Prinzen-Proklamation über Youtube und mehrere Facebook-Seiten. „Wir wollen trotz aller Widrigkeiten den Brauch pflegen“, sagte dabei die Sprecherin des Karneval-Komitees, Linda Radke.

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Dabei können die Braunschweiger sogar auf eine Negativerfahrung aus der jüngsten Vergangenheit zurückgreifen. 2015 musste der Schoduvel wegen einer Terror-Warnung kurzfristig abgesagt werden. Das trotzige Motto im folgenden Jahr hieß: „Jetzt erst recht!“ 2022 soll es bei dann hoffentlich überstandener Corona-Krise heißen: „Karneval - ein Licht in dunkler Zeit“.

Von RND/lni