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Der Norden Demo für Gleichstellung dänischer Schüler
Nachrichten Der Norden Demo für Gleichstellung dänischer Schüler
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21:33 21.04.2012
Foto: Mehrere tausend Menschen haben in Flensburg an einer Demonstration für die Gleichstellung der dänischen Schüler teilgenommen.
Mehrere tausend Menschen haben in Flensburg an einer Demonstration für die Gleichstellung der dänischen Schüler teilgenommen. Quelle: dpa
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Flensburg

Tausende Menschen haben am Sonnabend in Flensburg für eine Gleichstellung der dänischen Schüler demonstriert. Der Protest richtet sich laut Südschleswigschen Wählerverband (SSW) gegen eine Kürzung der Zuschüsse für die dänischen Schulkinder, die als diskriminierend betrachtet wird.

Die Demonstranten zogen zunächst mit bunten Bannern und Spruchbändern wie „Wir sind auch Schleswig-Holstein“ oder „Unsere Kinder sind 100 Prozent wert“ durch die Stadt. An der Abschlusskundgebung an der Hafenspitze mit SSW-Chef Flemming Meyer nahmen dann nach Angaben der Polizei etwa 10.000 Demonstranten teil. Der Dänische Schulverein sprach sogar von 12 000 Teilnehmern. Laut Polizei gab es nur leichte Verkehrsbeeinträchtigungen. Die Organisation sei „sehr gut“ gewesen.

„Wir sind glücklich und zufrieden, dass so viele Menschen zeigen, dass wir uns nicht mit der Diskriminierung durch die jetzige Landesregierung abfinden. Heute haben wir Rückgrat bewiesen“, sagte der Vorsitzende des Dänischen Schulverein, Per Gildberg, laut Mitteilung.

Gegen Mittag löste sich die Versammlung auf. Rund um den Hafen, in der Innenstadt und selbst in Wohngebieten waren danach noch viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Plakaten und Fähnchen unterwegs. Auf einer Videoleinwand an der Hafenspitze verkündete noch lange ein Smiley in dänischen Farben „Så ruller det“, was in etwa „dann läuft das“ bedeutet.

„Das ist einfach nicht korrekt“, machte die Mutter eines 13-Jährigen aus Harrislee bei Flensburg ihrem Unmut Luft. „Die deutsche Minderheit in Dänemark bekommt doch auch ihr Geld. Wir wollen auch Gleichberechtigung.“ Von der Wirkung des Aktionstags ist die Frau überzeugt: „Ich glaube, das bringt was.“

Siine Hoop ist SSW-Mitglied, Mutter und Großmutter – also gleich doppelt und dreifach betroffen. Von der großen Zahl der Teilnehmer war sie nicht überrascht: „Das haben wir uns schon gedacht.“ „Einfach ungerecht“ findet auch sie die Behandlung der dänischen Schüler. Wenn eine Mädchenschule weniger Gelder erhielte als eine Jungenschule, „da würde man doch auch protestieren“, erklärte sie ihre Auffassung.

Dänische Schulen sind teurer

Und dänische Schulen seien nun einmal teurer, die Kinder hätten mehr Stunden, da auch noch Dänisch verpflichtend unterrichtet werde. Ausweichen könne ein dänisches Kind ja nicht: „Für uns ist das die Regelschule.“ Hoop freut sich auch über den Zuspruch der Deutschen. Zwar seien viele zunächst uninformiert, aber wenn man mit den Menschen spreche, „dann sehen das alle so“.

Die Flensburger CDU-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzenden, Susanne Herold, hatte im Vorfeld wenig Verständnis für die Proteste geäußert. „Die Forderung nach einer Gleichstellung der Förderung deutscher und dänischer Kinder ist erfüllt“, erklärte sie.
Der minderheitenpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Carsten-Peter Brodersen hatte erklärt, die Reduzierung der Landeszuschüsse für die Ersatzschulen der dänischen Minderheit mit dem Doppelhaushalt 2011/12 sei sowohl bildungs- als auch finanzpolitisch vertretbar und der dramatischen Haushaltssituation des Landes geschuldet. Es stelle keine Diskriminierung der dänischen Minderheit dar.

Die minderheitenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Birte Pauls warf Herold dagegen vor, nichts begriffen zu haben. „Die Landesverfassung sieht die Gleichstellung der dänischen Minderheit vor. Daraus ergibt sich, dass die Schulen der Minderheit den deutschen staatlichen Schulen gleichgestellt werden müssen.“

Der minderheitenpolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Rasmus Andresen, unterstützte ebenfalls die Demonstration des Dänischen Schulvereins für eine Gleichstellung von dänischen und deutschen Schülern.

dpa