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Der Norden Ein Oberhirte, der die Menschen mag
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18:41 04.09.2012
Ein „Mann der Mitte“: Der Hildesheimer ­Bischof Norbert Trelle. Quelle: Udo Heuer
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Hannover

„Der Spaßfaktor für einen Bischof ist schon stark zurückgegangen“, sagt Norbert Trelle und schmunzelt. Denn auch bei katholischen Christen hört der Spaß auf, wenn eine geliebte Einrichtung geschlossen werden muss, weil die finanziellen Mittel einfach nicht mehr reichen. 33 Kirchen hat Norbert Trelle in den letzten Jahren profanieren, für einen anderen, weltlichen Zweck freigeben müssen. 33 von einstmals 430. Und wenn sich die Gemeinde in einem Gottesdienst dann von ihrer Kirche verabschiedet, leidet auch der Bischof mit. Denn Trelle ist ein Oberhirte, der die Menschen mag.

Heute feiert der 70. Bischof von Hildesheim seinen 70. Geburtstag, gemeinsam mit seiner Zwillingsschwester Gisela, einer pensionierten Bankkauffrau, die mit ihm im Bischofshaus lebt. Das hat sie auch schon getan, als Norbert Trelle noch Weihbischof in Köln war - bis ihn der Ruf nach Hildesheim vor sechseinhalb Jahren ereilte. Als Menschen ohne Berührungsängste und „Mann der Mitte“ hatte Weihbischof Hans-Georg Koitz, der gemeinsam mit dem Domkapitel nach einem Nachfolger für den profilierten Josef Homeyer suchte, den neuen Bischof angekündigt. Er sollte recht behalten. Auch die angekündigte „rheinische Fröhlichkeit“ hat Trelle in Hildesheim nicht verlassen. Trotz mancher Kirchenschließung, trotz mancher Proteste. Nur die Liebe zum 1. FC Köln darf der Wahl-Rheinländer aus Kassel hier nicht so ausleben. Und seine Entscheidung, Bauarbeitern während der aufwendigen Sanierung des Hildesheimer Domes ein „Kölsch“ zu spendieren, wird er sich künftig zweimal überlegen müssen. Damit er nicht wieder gefragt wird, warum denn kein niedersächsisches Bier den Handwerksleuten gereicht wurde.

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Aber die Freude am Bischofsamt ist einem wie Norbert Trelle nicht so leicht zu nehmen. Am größten ist sie, wenn er Gemeinden besucht und den Gläubigen Mut macht. „Wir sind nicht dazu da, die Asche zu bewahren, sondern die Glut zu entfachen“, sagt er jenen, die angesichts der notwendigen Umbrüche resignieren wollen. Trelle sieht in dem Umbruch auch eine Chance, sich mit „Prozessen lokaler Kirchenentwicklung“ neu zu profilieren. Das kann ein katholischer Kindergarten sein. Oder eine ökumenische Gebetsgruppe.

Norbert Trelle, den Menschen zugewandt, liebt das persönliche Gespräch. Die Fähigkeit zuzuhören und ausgleichen zu können war vielleicht auch der Grund, warum ihn seine Mitbrüder im vergangenen Jahr zum stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gemacht haben. Als Fürsprecher für Flüchtlinge hat Trelle sich auch bundesweit einen Namen gemacht - in der Sache klar, im Ton verbindlich.

Am Sonnabend wird das Bistum seinen Oberhirten ehren, natürlich mit einem Gottesdienst.