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Der Norden Ein Pirat will umsonst ans Meer
Nachrichten Der Norden Ein Pirat will umsonst ans Meer
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06:15 26.05.2012
Von Manuel Becker
Foto: Teurer Strand: Wer nur einen Tag auf der Insel Langeoog ist, zahlt dafür in der Hauptsaison stolze 3,50 Euro.
Teurer Strand: Wer nur einen Tag auf der Insel Langeoog ist, zahlt dafür in der Hauptsaison stolze 3,50 Euro. Quelle: dpa
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Hannover

Wenn Janto Just an den Strand will, steht er vor einem Maschendrahtzaun. An dessen oberem Rand befindet sich Stacheldraht. Just wohnt in der 20000-Einwohner-Gemeinde Schortens zwischen Wilhelmshaven und Jever im Landkreis Friesland. 15 Kilometer sind es bis zum Badeort Hooksiel an der Nordsee. Früher stand dort kein Zaun, der den Weg zum Strand versperrt. „Das ist lange her“, sagt Just, der Kreistagsabgeordneter der Piraten im Landkreis Friesland ist. Wer heute an den Strand will, muss zahlen. Drei Euro sind es in Hooksiel. Dagegen wehrt sich Just.

Seit rund 30 Jahren stelle die Verwaltung diese Zäune zur Saison auf. „Im Mai waren früher schon ein paar Löcher im Zaun, und dann haben ihn die Einheimischen nach und nach niedergerissen“, sagt Just. „Wir haben uns unser Strandrecht zurück erkämpft.“ Mit dem stabilen Maschendrahtzaun mit Stacheldraht ist das nicht mehr so einfach. Der Protest vieler Bürger hat zwar dazu geführt, dass rund 10000 Wangerländer kostenfrei an den Strand können, die anderen 90000 Friesländer, zu denen auch Just gehört, bleiben dagegen ausgesperrt. „Am Strand am Meer spazieren oder durchs Watt, das ist nicht mehr möglich“, erzählt der Politiker verärgert. Statt dessen schaue man von außen auf den hässlichsten Zaun an der Nordseeküste.

Just setzt sich daher für ein ausgeglichenes Verhältnis von gebührenpflichtigen und freien Stränden ein. Dass es nicht möglich ist, alle Strände kostenfrei zugänglich zu machen, ist dem Politiker klar. Aber wenn an bewirtschafteten Stränden Kurbeitrag oder Eintritt erhoben werde, müssten andere Strände eben abgabenfrei sein. „Jeder zweite Strand muss frei bleiben“, fordert Just. Den Bürgern stehe ein freier Zugang zu Natur und Landschaft und damit auch der freie Zugang zu Strand und Wasser zu, sagt der 62-Jährige. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hätten die Länder ein ausgeglichenes Verhältnis von gebührenpflichtigen und freien Stränden sogar gesetzlich geregelt. „Dort sind viele Strände frei begehbar. Und Zäune gibt es da nicht“, sagt Just, der für Niedersachsen eine ähnliche Gesetzesregelung wie in den beiden Nachbarbundesländern fordert.

In Niedersachsen sind 26 von 35 Stränden gebührenpflichtig. Von den rund 134 Strandkilometern seien es gerade einmal fünf, die frei sind, sagt Just.

Besonders pikant ist die Situation für die Bewohner im Landkreis Cuxhaven. An den fünf Sand- und Grünstränden ist nahezu jeder der rund zwölf Kilometer Strand nur kostenpflichtig begehbar. Bei der Stadt verweist man auf die hohen Kosten, die für Säuberung und Sandaufschüttung nach Sturmfluten entstehen. „Und Bewohner der Stadt Cuxhaven dürfen ja umsonst an den Strand“, sagt Sprecher Karl Leschke. Aber auch hier sind die Menschen ausgesperrt, die im Landkreis wohnen.

Aus dem Wirtschaftsministerium in Hannover heißt es, dass die Städte und Gemeinden neben der Höhe der zweckgebundenen Kurtaxe auch regeln würden, ob Strände gebührenpflichtig sind oder nicht. „Da müssen am Ende die Städte und Gemeinden abwägen, ob sie die Leute zahlen lassen und damit in Kauf nehmen, dass sie die Standbesucher damit eventuell verschrecken“, sagt ein Sprecher. Mit dem Slogan „Natur ist für alle da“ mache man es sich zu einfach. „An nicht gewerblich genutzte Naturstrände will kaum einer, die Menschen wollen an die schönen Strände. Aber die sind von Hand gemacht und haben entsprechende Kosten.“

Janto Just klingt das zu einfach. Er will weiterkämpfen für mehr freie Strände. Am Pfingstmontag, seinem 63. Geburtstag, wird er in Hooksiel demonstrieren. Gegen den Zaun und für mehr freie Strände. „Mit Meer verbindet man Freiheit. Bei uns in Niedersachsen stehen am Meer Zäune und Kassenhäuschen.“

Saskia Döhner 23.05.2012
Karl Doeleke 22.05.2012