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Der Norden Landwirte schießen erste Nandus in Norddeutschland ab
Nachrichten Der Norden Landwirte schießen erste Nandus in Norddeutschland ab
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00:21 18.04.2019
„Nachhaltige Lösungen“: Seit einige Nandus vor knapp 20 Jahren bei Lübeck entkommen sind, vermehren sie sich stetig. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Schlagsdorf

Die vermehrungsfreudigen Nandus sind Bauern und Naturschützern im Norden Deutschlands schon lange ein Dorn im Auge. Nun geht es den wilden Laufvögeln an den Kragen – das Land Mecklenburg-Vorpommern hat eine Abschussgenehmigung erteilt.

Die Nandus breiten sich seit Jahren im Grenzgebiet zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein aus. 17 Tiere, vor allem Hähne, seien von Januar bis März getötet worden, sagte der Schweriner Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Montag in Schlagsdorf (Nordwestmecklenburg). Weitere 40 bis 50 Tiere der einzigen wildlebenden Nandu-Population Europas sollen bis Jahresende erlegt werden.

Die Nandus haben sich am Ratzeburger See fest etabliert und vermehren kräftig – auch weil natürliche Feinde fehlen. Sie stammen von einer Handvoll Tieren ab, die um die Jahrtausendwende aus einem privaten Gehege bei Lübeck ausgebrochen waren.

Eier der Nandus anbohren? Hilft nicht

Die bisherigen Versuche, das Wachstum der Population einzudämmen sind weitgehend erfolglos geblieben. Versucht wurde etwa, die Eier der Tiere anzubohren und damit unfruchtbar zu machen. Von Frühjahr bis Herbst 2018 wuchs die Zahl der Nandus sprunghaft von 205 auf 566 – obwohl 190 gefundene Eier unfruchtbar gemacht worden waren, wie Backhaus sagte. In diesem Jahr soll die Methode dennoch erneut angewandt werden.

Bei der jüngsten Zählung im März 2019 sichteten Ranger und Landwirte 362 Tiere. Das ist zwar gut ein Drittel weniger als im Herbst, allerdings sterben im Winter stets viele Jungtiere. Im Vergleich zu vor einem Jahr gibt es jetzt 76,6 Prozent mehr Nandus. Auch die von ihnen besiedelte Fläche ist gewachsen, wie der Minister sagte. Grundsätzlich lasse das Nandu-Monitoring den Schluss zu, dass die Population allein durch klimatische Faktoren nicht verschwinden werde, so der Minister. „Deshalb müssen wir dringend zu nachhaltigen Lösungen kommen.“

Die eigentlich in Südamerika heimischen Nandus finden in der norddeutschen Tiefebene hervorragende Bedingungen. Sie lieben eiweißreiche Pflanzen und bedienen sich mit Vorliebe auf Rapsfeldern. Aber auch Weizenfelder seien betroffen, sagte Backhaus. Ernteeinbußen seien die Folge. In diesem Jahr soll es erstmals eine Entschädigung für betroffene Bauern geben. Bisher liege ein Antrag vor.

Backhaus will jetzt klären lassen, ob der Nandu als invasive Art einzustufen ist, die Schäden an der heimischen Flora und Fauna anrichtet. Darauf weisen Naturschützer schon seit Längerem hin. Um das herauszufinden, sollen voraussichtlich im Mai drei Tiere mit einem GPS-Sender versehen werden. Außerdem werden die abgeschossenen Vögel untersucht, ob sie neben Pflanzen auch kleine Tiere fressen. Bisher fallen Nandus unter das Washingtoner Artenschutzabkommen.

Die 17 bislang geschossenen Nandus sind den Angaben zufolge von ansässigen Bauern mit Jagdschein erlegt worden. Den Landwirten sei freigestellt worden, ob sie die toten Tiere entsorgen oder ob sie das Fleisch essen wollen, sagte Bettina Gebhard vom Biosphärenreservat Schaalsee. „Ob es schmeckt, kann ich nicht sagen.“ 

Von Iris Leithold