Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Der Norden Fünf Straftäter brechen aus Maßregelvollzug aus
Nachrichten Der Norden Fünf Straftäter brechen aus Maßregelvollzug aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 29.10.2015
Von Karl Doeleke
Landeskrankenhaus Brauel bei Zeven. Quelle: dpa
Anzeige
Zeven

Sie hatten nach Angaben einer Sprecherin von Sozialministerin Cornelia Rundt zwei Pfleger und einen Wachmann überwältigt, gefesselt und ihnen die Schlüssel abgenommen. So konnten die 22 bis 28 Jahre alten Männer die Klinik für psychisch kranke und drogenabhängige Straftäter durch einen Hinterausgang verlassen. Bis Dienstagabend hatte die Polizei keine Spur von ihnen.

In Niedersachsen sitzen 1300 Straftäter in zehn Maßregelvollzugskliniken. Dass Insassen ausbrechen, kommt immer wieder vor – allein in Brauel sind in diesem Jahr schon 14 Straftäter entwichen. Erst im vergangenen Jahr wurden dort die Zäune erhöht und mit Alarm gesichert – was sich als nutzlos erweist, wenn sich die Insassen mit Gewalt die Schlüssel besorgen. Sozialministerin Rundt sprach von einer „neuen Situation“. Nach Angaben des Chefarztes Harald Schmidt hat es in Brauel einen solchen Angriff auf das Personal zuletzt vor 18 Jahren gegeben. Das Ministerium prüft jetzt, wie sich das in Zukunft verhindern lässt.

Anzeige

Die Polizei in Rotenburg stuft die Ausbrecher als gefährlich ein. Sie sind allesamt wegen Gewalt- und Drogendelikten vorbestraft. Aufgrund ihrer Sucht haben Gerichte die Männer als schuldunfähig eingestuft, daher sitzen sie auch nicht im Gefängnis. Unmittelbar vor dem Ausbruch muss es einen Rückschlag in ihrer Therapie gegeben haben. Die fünf Männer durften nach Angaben des Sozialministeriums die Klinik bereits zeitweise verlassen. In der vergangenen Woche wurden alle Lockerungen wieder gestrichen und die Männer in eine geschlossene Abteilung verlegt. Sie hatten während eines Ausgangs Drogen genommen.

Seit Jahren mahnen ehrenamtliche Kontrolleure, die der Landtag in die Kliniken schickt, mehr Personal im Maßregelvollzug an. Im jüngsten Jahresbericht des Psychiatrieausschusses für 2014 heißt es, die Personalausstattung sei „unzureichend“. Allerdings hat das Land in diesem Jahr neun neue Stellen in Brauel geschaffen. Nach Angaben einer Ministeriumssprecherin war die Station mit den angegriffenen Pflegern und dem Wachmann „ausreichend besetzt“.

Auch im Jahr 2014 waren mehrmals Insassen der Landesklinik Brauel ausgebrochen. Damals hatte das niedersächsische Sozialministerium gegenüber der HAZ eingeräumt, dass nicht immer genügend Personal zur Betreuung von Straftätern vorhanden sei.

Ausbrüche aus dem Maßregelvollzug Brauel

Juli 2015: Ein 29 Jahre alter Mann hatte einen Behandlungstermin im Klinikum Bremervörde (Landkreis Rotenburg/Wümme) zur Flucht genutzt. Der Mann aus dem Maßregelvollzug in Zeven-Brauel ist albanischer Staatsbürger und gelte als gewalttätig, teilte die Polizei mit.

November 2014: Ein Straftäter hatte eigenhändig seinen Ausgang aus dem niedersächsischen Maßregelvollzug verlängert. Der 37-Jährige kehrte am Morgen darauf aber wieder in die Anlage in Brauel zurück, wie ein Sprecher des zuständigen Sozialministeriums in Hannover sagte. Einem Taxifahrer war der drogenabhängige Mann aufgefallen – die Polizei holte ihn wenig später ab.

September 2014: Ein 21-Jähriger entkam aus der Einrichtung in Brauel entkommen. In den folgenden Wochen soll er mehrere Raubüberfälle begangen haben, am 1. November wurde er wieder gefasst.

 

25.10.2015
Der Norden Inoffizielle Breakdance-WM - Japaner tanzen am besten
25.10.2015
24.10.2015