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Der Norden Entflohene Häftlinge sind gefasst
Nachrichten Der Norden Entflohene Häftlinge sind gefasst
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00:16 30.10.2015
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Rotenburg

Die fünf aus dem Maßregelvollzug in Brauel bei Zeven ausgebrochenen Straftäter sollen nach Auffassung von Sozialministerin Cornelia Rundt ihre Strafe nun in normalen Gefängnissen absitzen. Das sagte die SPD-Politikerin am Dienstag, nachdem die Männer nach nur 24 Stunden auf der Flucht im ostfriesischen Leer festgenommen wurden. Über die Verlegung aus dem psychiatrischen Krankenhaus in eine Justizvollzugsanstalt müssen allerdings Richter entscheiden. Die Männer waren zur Therapie statt in ein Gefängnis in den Maßregelvollzug eingewiesen worden, wo sie von ihrer Drogen- und Alkoholsucht geheilt werden sollten. Rundt hält die 22 bis 28 Jahre alten Männer allerdings für nicht therapierbar, wie sie gestern sagte.

Ihre Flucht währte nur kurz. Die wegen Gewalttaten wie Raub, räuberische Erpressung, Körperverletzung sowie Drogendelikten verurteilten Männer hatten in der Nacht zu Montag drei Mitarbeiter der Klinik in Brauel überwältigt, zum Teil verletzt und gefesselt und ihnen die Schlüssel abgenommen. So konnten sie die mit hohen und alarmgesicherten Zäunen versehene Anstalt durch einen Hinterausgang verlassen und waren zunächst untergetaucht. In der Nacht zu Dienstag überraschte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei die fünf in einer Leeraner Wohnung. Nach Angaben des Rotenburger Polizeisprechers Heiner van der Werp ließen sich die Ausbrecher widerstandslos festnehmen. Sie wurden noch in der Nacht in die Justizvollzugsanstalt nach Oldenburg gebracht.

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Ebenfalls in der Wohnung in Leer festgenommen wurde eine mutmaßliche Fluchthelferin der Männer. Sie stammt offenbar aus dem näheren Umfeld eines der Ausbrecher – aus der Stadt in Ostfriesland. Die Männer wurden anscheinend von einer Frau und einem Mann mit einem Auto mit Leeraner Kennzeichen in Brauel aufgelesen und nach Ostfriesland gefahren.
Das Auto brachte den Ermittlern letztendlich den schnellen Fahndungserfolg. Einem Beamten war es in der Nähe der Klinik aufgefallen. Als die Polizei später Familie und Freunde der Ausbrecher überprüfte, entdeckten die Beamten den Wagen in der Nähe der Wohnung in Leer. Der Halter habe dann schnell eingestanden, bei der Flucht geholfen zu haben, sagte Polizeisprecher van der Werp.

Die CDU erneuerte gestern ihren Vorwurf, der Maßregelvollzug in Niedersachsen sei nicht sicher. „SPD und Grünen ist die eigene Ideologie wichtiger als der Schutz der Bevölkerung“, bemängelte der Landtagsabgeordnete Volker Meyer mit Blick auf einen Gesetzentwurf, den Rot-Grün ablehnt. Darin fordert die CDU unter anderem, dass die Insassen im Maßregelvollzug mit Fotos, Fingerabdrücken und Stimmproben erkennungsdienstlich behandelt werden sollen. Sie sollen auch wie normale Strafgefangene bewacht werden, also von bewaffneten Justizvollzugsbeamten. Der Gesetzentwurf wird am Donnerstag im Sozialausschuss beraten.

Doch damit steht die CDU selbst in der Opposition alleine da. Die FDP lehnt die Vorschläge ab und will insbesondere auch keine bewaffneten Pfleger in einer psychiatrischen Klinik sehen. „Sicherlich könnten fünf Insassen auch einen bewaffneten Pfleger überwältigen“, erklärte die Sozialpolitikerin Sylvia Bruns. „Der Unterschied ist nur, dass dann fünf Straftäter bewaffnet unterwegs wären.“

Rundt erklärte gestern: „Wir haben relativ wenige Entweichungen in Niedersachsen.“ Es seien mit 14 weniger als im Vorjahr (16) und auch weniger als in anderen Bundesländern.     

Von Karl Doeleke 
und Heiko Randermann

26.10.2015
26.10.2015