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Der Norden Erste Oberliga-Trainerin im Männerfußball kämpft gegen Vorurteile an
Nachrichten Der Norden Erste Oberliga-Trainerin im Männerfußball kämpft gegen Vorurteile an
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00:15 31.01.2019
Will jetzt in Ruhe ihre Jungs trainieren: Imke Wübbenhorst Quelle: imago sportfotodienst
Cloppenburg

Um einen Spruch ist Imke Wübbenhorst selten verlegen. Ob sie es schwer habe als Frau in einer Männerdomäne? „Wenn es leicht wäre, könnte es auch ein Mann“, scherzt sie und plaudert gleich munter weiter über den Umgang mit „ihren Jungs“. Ohne Schlagfertigkeit und Selbstbewusstsein hätte sich die Gymnasiallehrerin diesen Platz kaum erkämpft: Seit gut einer Woche Tagen sagt die 30-Jährige an vier Abenden pro Woche den Herren des BV Cloppenburg, wo es langgeht – als erste Trainerin einer Männerfußballmannschaft der Oberliga. Bisher haben die Jungs sich nur dreimal die Woche auf die Spiele vorbereitet, was der Neuen zu wenig erschien.

Berichte über die Herren des BV Cloppenburg handelten zuletzt vor allem vom Abstiegskampf und den Geldsorgen des Vereins. Seit Kurzem spielt die neue Trainerin darin die größte Rolle. Wübbenhorst hat um den BV Cloppenburg bundesweit einen Wirbel erzeugt, der dort nicht nur auf Begeisterung stößt. „Wir haben nur nach Qualifikation entschieden, nicht nach Geschlecht“, beteuert Vereinsvorsitzender Herbert Schröder. Auch finanzielle Gründe hätten allerdings eine Rolle gespielt. Als der bisherige Trainer sich ein Betätigungsfeld anderswo suchte, konnte sich der Verein einen neuen Mann von außerhalb schlichtweg nicht leisten. Einen internen männlichen Bewerber habe es nicht gegeben.

Für Regionalliga beworben

Da kam die Bewerbung von Imke Wübbenhorst zur rechten Zeit. „Ich hatte immer schon Bock auf Männerfußball“, sagt die Lehrerin für Sport und Biologie. Bisher hat sie die Frauenmannschaft des BV Cloppenburg trainiert, die in der 2. Bundesliga spielt. Sie selbst hat auch schon in der 1. Bundesliga im Mittelfeld gespielt, unter anderem beim Hamburger SV. Im Frauenfußball habe sie schon alles gesehen und habe sich deshalb eine neue Herausforderung gesucht. Doch bei mehreren Bewerbungen für Herrenmannschaften bis zur Regionalliga habe sie nie eine Chance bekommen: „Die haben mir nicht mal zugehört.“ Die Mannschaft in Cloppenburg, darunter junge Männer mit Migrationshintergrund, sei ihr dagegen freundlich und mit offenen Ohren gegenübergetreten,. „Ich dulde keine unnötigen gelben oder roten Karten“, hat sie zum Beispiel sofort klar gestellt. Den drohenden Abstieg will sie unter anderem mit Videoanalysen verhindern, auch wenn das Ruder nur noch schwer herumzureißen sein wird.

Dabei wird Wübbenhorst ohne den bisherigen Co-Trainer auskommen müssen. Der hat sich, wie der Zufall will, nach der Entscheidung des Vereins für eine Frau „aus familiären Gründen“ zurückgezogen. Und sie wird mit einem ihrer Sprüche wohl noch eine Weile zu tun haben. Als Antwort auf eine blöde Männerfrage, ob sie vor dem Besuch in der Mannschaftskabine eine warnende Sirene zu tragen gedenke, konterte sie wieder mal schlagfertig. Ihre prompte Antwort, natürlich nicht, sie stelle nach Schwanzlänge auf, erzeugte weiteren Wirbel um den BV Cloppenburg. Über die sozialen Medien erreichte er sogar eine englische Zeitung. Jetzt wolle sie vor allem eins, sagt Wübbenhorst: „Meine Jungs in Ruhe trainieren.“

Nachgefragt: Fußballtrainerin rät zu klaren Ansagen

Krisztina Erkenrath ist Fotografin in Nörvenich im Rheinland. Die 53-Jährige war lange Trainerin von Herrenmannschaften in der Kreisliga.

Frau Erkenrath, Sie haben schon ab 1990 Herrenmannschaften trainiert, allerdings in der Kreisliga. Wie kann es sein, dass Frauen, wie Imke Wübbenhorst beim BV Cloppenburg, in dem Bereich immer noch als Exoten gelten?

Imke Wübbenhorst ist in einer so hohen Liga wie der Oberliga tatsächlich als Trainerin einer Herrenmannschaft fast dreißig Jahre später die Erste. Das hat damit zu tun, dass es noch gar nicht so viele Frauen mit der Qualifikation dafür gibt. Als ich ich meine A-Trainerlizenz erworben habe, waren wir in der Fußballschule nur zwei Frauen. Die Frauenbundesliga ist ja erst 1990 gegründet worden. Inzwischen entscheiden sich immer mehr ehemalige Bundesligaspielerinnen für eine Trainerlaufbahn. Das wird viel in Bewegung bringen.

Tun sich Fußballer besonders schwer damit, sich von Frauen führen zu lassen?

Die Erfahrung habe ich so nicht gemacht. Sobald sich zeigt, dass eine Frau im Fußball kompetent ist, lassen sich die Spieler auf ihre Anweisungen ein. Wie bei jedem Trainer heißt es auch für die Frauen: Sie müssen Erfolg haben, sonst sind sie weg. Gleichzeitig wird überall so sein, dass mal über bestimmte Trainingsmethoden gemurrt wird. Dem einen ist es zu viel Krafttraining, dem anderen zu viel Technik. Als Trainerin fand ich den Umgang mit Männern sogar einfacher als mit Spielerinnen. Mit fundierten klaren Ansagen kommt man bei ihnen gut weiter. Da wurde nicht so viel diskutiert, ob es zum Beispiel bei schlechtem Wetter nach draußen geht.

Unflätige Sprüche fallen aber offenbar doch. Haben Sie die auch zu hören bekommen?

Die habe ich nie als schlimm empfunden. Man muss damit umgehen können und mit Witz reagieren. Imke Wübbenhorst ist da offenbar auch nicht auf den Mund gefallen. Die Frage, ob ich die Spieler nackt in der Kabine überrasche, wurde mir immer mal wieder aus den Reihen anderer Mannschaften gestellt. Meine Spieler haben sich daraus einen Spaß gemacht und einmal gesagt: Wenn wir gewinnen, besucht uns der Trainer beim Duschen. Plötzlich hatte ich die gegnerische Mannschaft in unserer Dusche.

Von Gabriele Schulte

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