Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Der Norden Diese Röhre kann Echtzeitfilme im Körper erstellen
Nachrichten Der Norden Diese Röhre kann Echtzeitfilme im Körper erstellen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:53 23.05.2017
Douglas Yeo (o. liegend) wird mit der Sonderanfertigung einer Posaune ins MRT geschoben. Studienleiter Peter Iltis (o. M. und u. re.) kann auf Live-Videos verfolgen, was beim Spiel im Kopf passiert. Sönke Hellwig (o. li.) und Arun Joseph assistieren. Quelle: Niemann
Göttingen

„Pianissimo, please!“ Der US-amerikanische Wissenschaftler Peter Iltis sitzt im Kontrollraum eines Göttinger Forschungsinstituts und gibt einem Probanden auf der anderen Seite der großen Glasscheibe eine kurze Anweisung über die Mikrofonanlage. Wenig später ertönen laute Posaunenklänge. „That was great“, sagt Iltis. „And now mezzoforte, please.” Douglas Yeo spielt die Tonfolge noch einmal, diesmal etwas lauter. Der Bassposaunist der Bostoner Symphoniker befindet sich dabei in einer ungewöhnlichen Position: Er liegt in einem Magnetresonanztomografen (MRT). Yeo gehört einer Gruppe Musiker an, die eigens aus den USA angereist sind, um an einer Studie teilzunehmen, die nur dank einer Erfindung aus Göttingen möglich ist.

Sie sind weltweit Vorreiter

Der Leiter der Biomedizinischen NMR Forschungs GmbH, Professor Jens Frahm, hat mit seinem Team eine Technologie entwickelt, mit der sich erstmals Echtzeitfilme aus dem Inneren des Körpers mit höchster zeitlicher Auflösung aufnehmen lassen. Frahm gilt als einer der Pioniere der MRT-Technologie. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern entwickelte er vor vier Jahrzehnten die sogenannte Flash-Technik, durch die sich die ursprünglich sehr lange Messzeit einer MRT-Aufnahme stark verkürzte. Diese Innovation brachte damals den Durchbruch für die breite Anwendung der Kernspintomografie in der medizinischen Diagnostik. Heute trägt die Technik „made in Göttingen“ zu 100 Millionen Untersuchungen im Jahr bei.

Jetzt haben die Göttinger Forscher erneut eine weltweite Vorreiterrolle übernommen: Mit der Echtzeit-MRT kann man live verfolgen, was im Körper passiert. Mediziner können damit zum Beispiel Gelenk- oder Sprechbewegungen, Schluckvorgänge oder das schlagende Herz beobachten. Die neue Technologie wird derzeit an einigen Top-Standorten der klinischen Forschung erprobt.

Peter Iltis, Professor für Kinesiologie am Gordon College in Massachusetts, freut sich, dass er die Echtzeit-MRT an ihrem „Geburtsort“ nutzen kann. Den Kontakt nach Göttingen vermittelte Professor Eckart Altenmüller, Leiter des Instituts für Musikphysiologie und Musikermedizin der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Iltis erforscht eine berufsspezifische Krankheit, die schon viele Musiker die Karriere gekostet hat. Die sogenannte fokale Dystonie tritt vor allem bei professionellen Blechbläsern auf und führt dazu, dass sie aufgrund von Zungenverkrampfungen ihr Instrument nicht mehr richtig spielen können. Der US-Forscher Iltis kennt die Krankheit aus eigener Erfahrung. Der Hornspieler musste mit dem Musizieren aufhören, weil 2002 bei ihm eine Dystonie diagnostiziert wurde.

Live-Bilder aus dem Kopf

Die Wissenschaftler untersuchen in der Vergleichsstudie sowohl Musiker, die von dieser Krankheit betroffen sind, als auch Mitglieder von Top-Orchestern. Weil sich in den MRT-Scanner kein normales Instrument mit Ventilen einbringen lässt, spielen sie auf einer Sonderanfertigung. Mit einem Plastikmundstück blasen sie durch einen Schlauch, der die Ventile ersetzt und mit dem tonbildenden Metalltrichter des Instruments verbunden ist. Dieses befindet sich dann im MRT-Magnet bei den Füßen.

Im vergangenen Jahr legten sich mehrere Blechbläser der Berliner Philharmoniker in das Göttinger Echtzeit-MRT-Gerät, unter ihnen die Hornistin Sarah Willis. An den neuen Untersuchungen nahmen jetzt hauptsächlich Musiker aus den USA teil. „Die Echtzeit-MRT bietet die Möglichkeit, in die Köpfe der Blechbläser hineinzuschauen und ihre Zungenbewegungen zu verfolgen“, sagt US-Forscher Peter Iltis.

Offenbar liegt genau dort das Problem. „Im hinteren Bereich der Zunge haben wir keine Sensoren, deshalb können Bläser nicht deren genaue Stellung kontrollieren“, erklärt Jens Frahm, der die Untersuchungen begleitet. Die Forscher können auf den Live-Videos sehen, dass es deutliche Unterschiede gibt, wie die Bläser ihre Zunge beim Spielen positionieren. Diese Erkenntnis könnte nicht nur für die Prävention und Therapie der Dystonie, sondern auch für die künftige Musikerausbildung von großer Bedeutung sein.

Douglas Yeo ist begeistert über die bewegten Bilder aus dem Kehlkopf und der Mundhöhle: „Hier kann man erstmalig genau sehen, dass die Zungenbewegungen einen erheblichen Einfluss auf die Gestaltung der Töne haben. Das war uns vorher überhaupt nicht klar“, staunt er.

Von Heidi Niemann

Bilder aus dem Inneren
– ohne Strahlung

Die Magnetresonanztomografie ist eines der wichtigsten Diagnoseverfahren in der Medizin. Anders als beim Röntgen ist der Körper dabei keinen belastenden Strahlen ausgesetzt. Das Verfahren macht sich die magnetischen Eigenschaften der Wasserstoffatome im Gewebe zunutze. Mithilfe der chemischen Information der MRT-Signale lassen sich seit den Siebzigerjahren genaue Einblicke in Gewebe, Muskeln, Organe und Stoffwechselvorgänge gewinnen, zunächst in zweidimensionalen Bildern. Eine breite Anwendung fand die MRT erst durch die sogenannte Flash-Technik, die der Göttinger Forscher Jens Frahm in den Achtzigerjahren mit seinem Team entwickelte. Es ist mit 160 Millionen Euro Lizenzeinnahmen das bislang erfolgreichste Patent der Max-Planck-Gesellschaft.

Lehrmaterial, ein Film und eine App - das Land Niedersachsen hat für Lehrer ein ganzes Unterrichtspaket zusammengestellt, damit sie ihre Schüler besser auf den Umgang mit Fake News vorbereiten können. "Falschmeldungen können die Demokratie zersetzen", warnt Kultusministerin Frauke Heiligenstadt.

Saskia Döhner 26.05.2017

Nach einer „Pastorenschwemme“ in den Neunzigerjahren sucht Hannovers Landeskirche dringend Nachwuchs. Schon bald, so die Prognosen der Personalplaner im Landeskirchenamt, werden längst nicht mehr alle Pfarrstellen besetzt werden können - allen Besucherrekorden auf Kirchentagen zum Trotz.

Michael B. Berger 26.05.2017

Mit einer geworfenen Glasflasche ist ein 25-Jähriger in der Nacht zum Dienstag in Bremen schwer verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, ging der Mann am Wohnhaus seiner Ex-Freundin vorbei, als ihn die Flasche traf.

23.05.2017