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Der Norden Die Ernte fällt in diesem Jahr durchwachsen aus
Nachrichten Der Norden

Hannover: Trockenheit und Corona - Landwirte ziehen durchwachsene Erntebilanz

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16:00 28.09.2020
Ein Landwirt erntet Bio-Möhren auf einem Feld im Landkreis Hildesheim. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Der Regen hat sich rar gemacht in Niedersachsen – und viele Landwirte saßen buchstäblich auf dem Trockenen: Besonders im Frühjahr hatten sie in vielen Regionen schon im dritten Jahr in Folge mit ausgeprägter Trockenheit zu kämpfen. „Entsprechend durchwachsen fällt die Erntebilanz aus“, sagt Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer. Je nach Standort fehlten zwischen 120 und 450 Liter Regen pro Quadratmeter – darunter hätten insbesondere Ackerbaubetriebe zu leiden.

Die Getreideernte fiel demnach in Niedersachsen mit gut 5,3 Millionen Tonnen um etwa 11 Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Da wegen der Pandemie zahlreiche Großveranstaltungen abgesagt wurden, ging der Verkauf von Bier zurück – und dadurch sanken die Preise, die Landwirte für Braugerste erzielen konnten. „Corona brachte auch den Kartoffelmarkt deutlich aus dem Gleichgewicht“, sagt Schwetje. Der Pommes-Frites-Verbrauch sei wegen der Schließung von Restaurants und Kantinen eingebrochen. Teils wanderten daher Kartoffeln, die ursprünglich für den Verzehr gedacht waren, in Biogasanlagen oder Futtertröge.

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Auch Positives an Corona

Ein Obstbauer erntet Äpfel der Sorte „Jonagored“. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa

Kein Bereich sei jedoch von Corona so sehr betroffen gewesen wie der Obst- und Gemüsebau. Zeitweise konnten Erntehelfer aus Osteuropa nicht einreisen. Später mussten Betriebe teils viel Geld in Hygienemaßnahmen investieren, um die Arbeitskräfte unterbringen zu können. Andere Landwirte konnten ihre Felder nicht im vollen Umfang abernten.

Schwetje verzeichnet jedoch auch positive Effekte der Corona-Krise. So setzten viele Betriebe verstärkt einheimische Erntehelfer ein. Diese seien zwar nicht so effizient und erfahren wie die Stammbelegschaft gewesen. „Doch viele Menschen haben durch diese Erfahrung gesehen, wie viel Qualität und wie viel Arbeit in unseren heimischen Produkten steckt.“ Die Resonanz sei enorm gewesen: „Betriebe, die ein Stellenangebot aufgegeben hatten, wurden von Nachfragen geradezu überrannt.“

Trend zum Ökolandbau

Naturschutz gewinne für Landwirte zunehmend an Bedeutung: „Viele Betriebe beschäftigen sich immer intensiver mit der Frage, wie sie ihre Arbeitsweise mit Natur-, Arten und Wasserschutz am besten in Einklang bringen können.“

In Niedersachsen ist der Ökolandbau kontinuierlich auf dem Vormarsch: Die ökologisch bewirtschaftete Fläche nahm binnen vier Jahren um 60 Prozent auf rund 121.000 Hektar zu. Von den rund 36.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen betreiben etwa 5,5 Prozent Ökolandbau. „Auch die Nachfrage nach vegetarischer und veganer Nahrung in Deutschland steigt“, sagt Schmetje.

Von Simon Benne