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Der Norden Lokführerschule für Quereinsteiger
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15:37 16.01.2019
Timur Nastenko (links) und Dieter Kreiter haben in Hildesheim eine Lokführerschul gegründet. Quelle: Tomma Petersen
Hildesheim

Bei Dieter Kreiter und Timur Nastenko in Hildesheim wird man Lokführer. Und das im Schnelldurchlauf. Die beiden Männer haben die Eisenbahnbildende Schule Hilesheim (EBS) gegründet. In zehn Monaten sollen Kursteilnehmer ab Ende Februar hier ihren Lokführerschein machen. „Man wird alle wichtigen Module bekommen, lernt bei Dozenten, die wir in die Schule einladen und geht nach acht Monaten Theorieunterricht und Fahrsimulationen in mit uns kooperierende Eisenbahnverkehrsunternehmen, wo man die Fahrpraxis lernt“, erklärt Kreiter (35), der wie sein langjähriger Freund Nastenko (36) selbst Lokführer ist und lange bei privaten Bahnunternehmen gearbeitet hat. Insgesamt müssen die Schüler 1056 Stunden Theorie und 480 Stunden Fachpraxis ableisten. Bisher hätten sich etwa 60 Menschen bei der EBS beworben. „Wir prüfen jetzt, wer die Vorraussetzungen erfüllt, 20 Schüler werden wir dann nehmen können“, sagt Kreiter.

Ausbildung im Simulator

Im eigens angemieteten Simulator sollen die Fahrschüler in der Schule in Hildesheim lernen, auf die Streckenzeichen und Hinweise zu reagieren und die Steuerung der Lok zu üben. „Die Theorieprüfung findet dann in unserer Schule statt“, erklärt Kreiter. Vom Eisenbahn-Bundesamt zertifizierte Prüfer würden zum Ende der Ausbildung nach Hildesheim kommen und die Schüler testen. „Auch die Eisenbahnverkehrsunternehmen, mit denen wir kooperieren, haben eigene Prüfer, die die Schüler nach ihrer fachpraktischen Ausbildung in den Unternehmen begutachten“, erklärt Kreiter.

„Lokführer händeringend gesucht“

Warum sie damals selbst beide Triebfahrzeugführer geworden sind, wissen Kreiter und Nastenko gar nicht mehr wirklich. Einer der beiden Freunde machte es vor, der andere zog nach. Dass es ein guter Job ist, den sie gelernt haben, steht für sie aber fest. Doch immer weniger Menschen werden Lokführer. „Das ist einfach verrückt, sie werden nämlich händeringend gesucht“, erklärt Kreiter.

Vor zwei Jahren entschieden sich die beiden Freunde dazu, die Schule zu gründen. „Seitdem haben wir alle nötigen Verordnungen, Zertifikate, Zulassungen und Akkreditierungen besorgt und sind mittlerweile eine vom Eisenbahn-Bundesamt anerkannte Stelle für Prüfungen“, sagt Kreiter. Unattraktiv sei die Arbeit als Lokführer keinesfalls. „Die Bezahlung ist gut, im Führerstand der Bahn ist man sein eigener Chef und man kommt viel rum“, sagt Nastenko. Allerdings müsse man die Bereitschaft mitbringen, im Schichtdienst zu arbeiten.

Angebot für Quereinsteiger

Der Schichtdienst ist tatsächlich einer der Gründe, warum in ganz Deutschland gerade Lokführer gesucht werden. „Die wenigsten Menschen möchten so arbeiten“, erklärt Stefan Mousiol, Sprecher der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. Dass es aber genügend Menschen gibt, die umsatteln möchten oder nach Arbeitslosigkeit wieder in einen Job möchten, glauben Kreiter und Nastenko. Sie setzen auf die Quereinsteiger. „Das Angebot unserer Schule gilt für alle. Auch für die, die über 50 Jahre als sind – Hauptsache, man ist gesund“, sagt Nastenko.

In Niedersachsen zuletzt 50 offene Stellen

Getragen wird der kostspielige Führerschein, der etwa zwischen 15.000 und 20.000 Euro kostet von Eisenbahnunternehmen, die ihre Auszubildenden an die privaten Schulen schicken, weil sie selbst nicht ausbilden. Auch die Rentenversicherung und die Bundeswehr würden die Kosten in bestimmten Fällen übernehmen. Ist eine Lokführerschule ein zertifizierter Bildungsträger, kann sie auch mit der Bundesagentur für Arbeit kooperieren. Mit Bildungsgutscheinen kann die Arbeitsagentur die Umschulungen fördern. „Im Jahresschnitt gab es in Niedersachsen zuletzt 50 offene Stellen und 17 arbeitslose Lokführer“, erklärt Anja Schmiedeke, Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit. Wenn ein Arbeitnehmer die Förderungsvoraussetzungen der Agentur erfülle, würden die Arbeitsagenturen oder Jobcenter die Kosten der Bildungsmaßnahme zum Lokführer bei einem zertifizierten Träger übernehmen.

Auch wenn sie sich ihrer Sache sicher sind, aufgeregt sind Kreiter und Nastenko trotzdem. „Es ist ein großes Risiko, was wir hier eingehen. Das traut sich wahrscheinlich nicht jeder“, sagt Nastenko und lacht. Mutig und ein bisschen verrückt müsse man wohl dafür sein, eine Schule für Lokführer zu gründen – und ein kleines Faible für Eisenbahnen haben.

Der Lokführermangel

Immer weniger Menschen werdenLokführer. Bahnunternehmen sind mittlerweile auf Quereinsteiger angewiesen. „Die Deutsche Bahn stellte im letzten Jahr rund 1600 Lokführer ein“, erklärt Bahnsprecher Matthias Waha. Normalerweise daure die klassische Ausbildung drei Jahre, immer mehr Lokführer kämen jedoch über die zehnmonatige Funktionsausbildung und Umschulung zur Bahn. Nur 500 der 1600 neuen Lokführer sind Auszubildende. Der Großteil seien Quereinsteiger und Wechsler von anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen.

Bei der Bahn verdiene ein Lokführer, je nach Berufserfahrung, zwischen 38 000 und 50 000 Euro im Jahr – inklusive Weihnachtsgeld und Zulagen.

Laut einer Schätzungder Lokführergewerkschaft GDL fehlen allein bei der DB momentan etwa 1200 Lokführer. Das sei ein hausgemachtes Problem: „Ein Grund für die Situation ist, dass Ex-Bahnchef Rüdiger Grube den Beruf vor zwei Jahren zum Auslaufmodell erklärt hat“, sagt Stefan Mousiol, Sprecher der GDL. Die Bahn kündigte damals an, Teile ihres Netzes von automatischen Zügen befahren lassen. „Es macht doch keiner mehr eine Ausbildung, wenn einem gesagt wird, dass der Beruf keine Zukunft hat“, sagt Mousiol.

Von Tomma Petersen

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