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Der Norden „Tippen tötet“
Nachrichten Der Norden „Tippen tötet“
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20:31 21.05.2014
Von Tobias Morchner
Mit einem Comic willl das niedersächsische Verkehrsministerium auf das Unfallrisiko von Handynutzung am Steuer aufmerksam machen. Quelle: Nigel Treblin
Hannover

Die junge Frau auf dem Verkehrsübungsplatz scheint sich ihrer Sache sicher. Sie traue sich durchaus zu, mit ihrem Auto fehlerfrei einen Hindernisparcours zu meistern und dabei eine SMS zu verfassen, sagt sie in die Kamera. Doch der Test geht gründlich daneben. Kaum eines der orange-weißen Absperrhütchen, die sie mit ihrem Wagen umfahren soll, bleibt unberührt auf der Strecke stehen. Die Ablenkung durch das Schreiben der Handynachricht war einfach zu groß.

Das Beispiel stammt aus einem Kurzfilm, den die Landesverkehrswacht Niedersachsen am Mittwoch veröffentlicht hat. Er ist Teil der neuen, bundesweit einmaligen Kampagne „Tippen tötet“, die den ganzen Sommer hindurch die Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer auf sich ziehen soll. Jeder zweite Autofahrer in Niedersachsen, das haben Umfragen ergeben, schreibt inzwischen während der Fahrt gelegentlich eine SMS-Kurznachricht oder surft im Internet.

Jeder fünfte Pkw-Fahrer erliegt der Versuchung sogar regelmäßig. „Diese Art der Ablenkung ist eine zunehmende Gefahr im Straßenverkehr“, sagt Heiner Bartling, Präsident der Landesverkehrswacht Niedersachsen.

Gemeinsam mit dem Verkehrsministerium und der Polizei hat die Organisation die neue Kampagne gegen das Simsen an den Start gebracht. Landesweit werden in den kommenden Wochen an insgesamt 22 Brücken über den Autobahnen 1, 2, 7 und 39 große Plakate angebracht, die auf die Gefahren der Handynutzung während der Fahrt aufmerksam machen sollen. Die Banner sind auch für ausländische Besucher klar verständlich.

Sie zeigen eine Gleichung: ein Auto, ein Handy mit einer SMS und ein trauriges Gesicht. Im Juni sollen diese Piktogramm zusätzlich auf 250 Plakatwänden in den großen Städten Niedersachsen zu sehen sein. Darüberhinaus haben die Organisatoren, die finanziell durch den Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung unterstützt werden, 50 000 Postkarten mit dem Motiv drucken lassen. Sie sollen in Kneipen verteilt werden.

60 Euro Bußgeld und ein Punkt

Autofahrer, die während der Fahrt mit dem Handy in der Hand erwischt werden, begehen eine Ordnungswidrigkeit. Sie müssen 60 Euro bezahlen und bekommen einen Punkt in Flensburg. Erwischt die Polizei einen Autofahrer mehrfach beim Tippen am Steuer, droht sogar ein Fahrverbot. Im Fall eines Unfalls kann dem auf dem Handy oder Smartphone tippenden Autofahrer auch grobe Fahrlässigkeit unterstellt werden. Dieser Umstand hätte möglicherweise Konsequenzen bei der Schadensregulierung – was den SMS-Tipper teuer zu stehen kommen könnte. Landespolizeipräsident Uwe Binias rät den Autofahrern deshalb: „Nehmen Sie sich Zeit und halten kurz an, wenn die Neugier auf die gerade eingegangene SMS zu groß ist! So verhalten Sie sich regelkonform und können sich und anderen viel Leid ersparen.“

Bislang gibt es keine konkreten Zahlen darüber, wie viele Unfälle tatsächlich wegen des Tippens während der Fahrt verursacht werden. Zwar denkt die Polizei inzwischen darüber nach, derartige Verstöße gesondert in die Verkehrsstatistik aufzunehmen. Allerdings ist es im Einzelfall schwer, den Autofahrern einen solchen Verstoß tatsächlich auch nachzuweisen. „Wir dürfen ein Handy nicht generell nach jedem Unfall sicherstellen und auswerten, sondern nur dann, wenn wir einen konkreten Verdacht haben“, sagt Landespolizeipräsident Uwe Binias. Er selbst sei während der Autofahrt ab und an auch versucht, auf sein Handy zu schauen. „Aber meine Frau passt auf, dass das nicht passiert“, sagt der oberste Polizeibeamte des Landes.

Auch im Verkehrsministerium weiß man um die Gefahren, die von während der Fahrt abgelenkten Autofahrern ausgehen. „Wer bei Tempo 50 nur fünf Sekunden auf sein Handy schaut, legt in dieser Zeit eine Strecke von 70 Metern zurück“, sagt Daniela Behrens vom Verkehrsministerium. Mit so einem „Blindflug“ gefährde man insbesondere in der Stadt sich und andere Verkehrsteilnehmer, so die Staatssekretärin. Die neue Kampagne appelliere an das Bewusstsein der Autofahrer. „Das Leben geht auch weiter, wenn man mal eine Stunde lang nicht auf sein Handy geschaut hat“, sagt Behrens.

Kampagne auch in den USA

Auch in den Vereinigten Staaten ist die Handynutzung am Steuer ein großes Problem. Mit Kampagnen und saftigen Strafen versuchen einige Bundesstaaten, die Autofahrer zu sensibilisieren und aufzuklären. Sogar die Kulturwelt hat sich des Themas angenommen: Niemand geringeres als Regie-Ikone Werner Herzog hat eigens zu dem Thema einen rund halbstündigen Film gedreht. "From One Second to the Next" heißt der Film, den Herzog für die amerikanische Kampagne "Texting and Driving - It can wait" gedreht hat. Angesprochen werden sollen vor allem Jugendliche, denn in dieser Gruppe sei das Problem am gravierendsten, meint Herzog. In seinem Film dokumentiert der Regisseur in erster Linie Erzählungen und Berichte von Hinterbliebenen von Verkehrsunfallopfern.

 

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