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Der Norden Streit um neuen Uni-Präsidenten landet vor Gericht
Nachrichten Der Norden Streit um neuen Uni-Präsidenten landet vor Gericht
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Im Juni vom Senat der Uni Göttingen mit großer Mehrheit zum neuen Hochschulpräsidentin gewählt: Sascha Spoun, bislang Präsident der Leuphana Universität Lüneburg. Quelle: Philipp Schulze/dpa
Göttingen

Auch knapp zwei Monate nach der Wahl von Sascha Spoun zum neuen Präsidenten kommt die Georg-August-Universität Göttingen nicht zur Ruhe. Kritiker monieren, dass der spätere Wahlsieger die Findungskommission selbst beraten hatte. Der Streit beschäftigt nun auch die Justiz: Ein unterlegener Mitbewerber will Spouns Ernennung zum Leiter der renommierten Universität verhindern. Beim Verwaltungsgericht Göttingen ist seit vergangener Woche ein entsprechender Eilantrag anhängig.

Uni soll vor Ernennung Gerichtsentscheidung abwarten

Nach Angaben eines Gerichtssprechers hat der Mitbewerber den Erlass einer einstweiligen Anordnung beantragt, um der Hochschule zu verwehren, den derzeitigen Präsidenten der Universität Lüneburg zum Präsidenten der Georg-August-Universität zu ernennen. Der Antragsteller bestreite, dass die Wahl rechtmäßig gewesen sei. Das Gericht habe die Universität darum gebeten, bis zu einer Entscheidung in diesem Verfahren die Ernennung nicht vorzunehmen.

Seit 2006 an der Leuphana-Universität Lüneburg

Sascha Spoun steht seit 2006 an der Spitze der Leuphana-Universität Lüneburg. Nachdem er erst Anfang des Jahres für eine dritte Amtszeit von 2020 bis 2028 bestätigt worden war, wählte ihn im Juni der Senat der Universität Göttingen mit großer Mehrheit zum Nachfolger der vorzeitig ausscheidenden Hochschulpräsidentin Ulrike Beisiegel. Der Stiftungsausschuss bestätigte die Wahl.

Dass der 50-jährige Wirtschaftswissenschaftler in Göttingen das Rennen machte, war vor allem deshalb überraschend, weil dieser sich zunächst gar nicht um den Posten beworben hatte. Nach Angaben eines Uni-Sprechers hatte es elf Bewerber gegeben. Spoun gehörte nicht dazu.

Spoun wurde vom Berater zum Bewerber für Uni-Leitung

Spoun habe die Findungskommission des Senats und des Stiftungsausschusses Universität bei der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für Ulrike Beisiegel „strategisch beraten“, so der Uni-Sprecher. Dabei habe sich gezeigt, dass er „für das Amt bestens qualifiziert“ sei. Deshalb habe man ihn im Laufe des Beratungsprozesses gebeten, selbst für eine Nachfolge zur Verfügung zu stehen. Am Ende sei er aus der Gruppe der ausgewählten möglichen Kandidaten der einzige gewesen, den die Findungskommission dem Senat empfohlen habe.

49 Professoren protestieren gegen Spoun und Krull

Dieses Prozedere stieß innerhalb der Professorenschaft zum Teil auf heftige Kritik: Ein Aufruf für eine Verschiebung der Abstimmung wurde von mehr als 90 Unterstützern getragen. Nachdem der Senat der Uni Spoun dennoch mit großer Mehrheit gewählt hatte, veröffentlichten 49 Professorinnen und Professoren eine Protestnote. Darin kritisierten die Hochschullehrer das Auswahlverfahren und zweifelten auch Spouns Qualifikation an: Anders, als in der Ausschreibung gefordert, sei der neue Präsident kein international ausgewiesener Wissenschaftler. Die Stiftungsuniversität, so die Unterzeichner, müsse ihre Strukturen überprüfen, der Stiftungsvorsitzende Dr. Wilhelm Krull, zugleich Vorsitzender der Findungskommission, zurücktreten.

Krull entgegnete laut „Göttinger Tageblatt“, dass Spoun die klarsten Vorstellungen für den bevorstehen Umbruchprozess an der Uni präsentiert habe, um sich im Wettbewerb um den Titel Exzellenzuniversität wieder durchzusetzen. Dabei gehe es nicht nur um das damit verbundene Geld, sondern um die große Reputation, die der Universität nach dem Scheitern der Bewerbung fehle.

Uni Göttingen hält Wahl für rechtmäßig

Die Universität sieht der Klage gelassen entgegen: Das Bewerbungsverfahren sei einwandfrei und gemäß den rechtlichen Vorgaben durchgeführt worden, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme. Professor Spoun sei – wie andere Personen auch – seitens der Findungskommission aktiv angesprochen worden. Anschließend sei er neben anderen dafür ausgewählten Bewerberinnen und Bewerbern zu einem zweiten Gespräch eingeladen worden. Dabei seien seitens der Findungskommission erneut allen Bewerbern die gleichen Aufgaben gestellt worden. „Am Ende wurde Herr Spoun von der Findungskommission als der mit großem Abstand beste Kandidat dem Senat und dem Stiftungsausschuss zur gemeinsamen Erörterung und damit zur Wahl durch den Senat empfohlen.“

Das Gericht muss nun prüfen, ob im Zuge des Wahlverfahrens alles rechtsfehlerfrei zugegangen ist. Die Bitte an die Universität, bis zu einer Entscheidung noch keine Ernennung vorzunehmen, habe keine rechtliche Bindung, sagte Gerichtssprecher Dieter Wenderoth. Ein solches Vorgehen sei aber in Eilverfahren üblich, um den begehrten Rechtsschutz nicht zu gefährden. Das Gericht habe zu dem Verfahren Professor Spoun beigeladen.

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