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Der Norden Kritik an Behörden im Mordfall Lena
Nachrichten Der Norden Kritik an Behörden im Mordfall Lena
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15:57 31.03.2012
Tor der Polizeiwache in Emden: Starke Kritik an den Ermittlern. Quelle: dpa
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Emden

Nach der Freilassung eines zunächst Tatverdächtigen im Mordfall Lena wird die Kritik an den Behörden in Emden immer lauter. Die Staatsanwaltschaft sei mit den Sachverhalten zu offensiv an die Öffentlichkeit gegangen, sagte der Berliner Strafrechtsprofessor Martin Heger der „Welt“. Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, kritisierte im „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass Polizei und Staatsanwaltschaft ein Interesse an einem raschen Fahndungserfolg gehabt hätten. Ein 17-Jähriger wurde am Freitag aus der Untersuchungshaft freigelassen, weil es nach Angaben der Ermittler keine Anhaltspunkte für seine Schuld gab.

Die Suche nach dem Mörder der elfjährigen Lena beginnt nun fast von vorn. Die Polizei geht inzwischen mehr als 300 Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Nach der Veröffentlichung einer überarbeiteten Videosequenz im Internet hätten sich viele Bürger gemeldet, sagte Polizeisprecherin Sabine Kahmann am Samstag. „Wir sind sicher, den Täter zu fassen.“ Eine heiße Spur gebe es bislang aber nicht. Lena war am Samstag vor einer Woche in einem Parkhaus in Emden getötet worden.

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Strafrechtsprofessor Heger forderte die Behörden auf, zur Rehabilitierung des zu Unrecht inhaftierten Berufsschülers ebenso massiv an die Öffentlichkeit zu gehen. „Die Staatsanwaltschaft hat nun eine Pflicht zur Offenlegung der Entlastungsgründe - auch unter Inkaufnahme der Gefährdung des Untersuchungszwecks.“

Zu der Kritik an der Polizei wollte Polizeisprecherin Kahmann nichts sagen und verwies auf die Aussagen von Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck. Dieser hatte am Freitag die Arbeit der Polizei verteidigt. Die Beamten hätten keine andere Wahl gehabt, als den 17-Jährigen festzunehmen. Auch der Haftbefehl habe beantragt werden müssen, weil zu diesem Zeitpunkt dringender Tatverdacht bestanden habe. Für eine Stellungnahme war Südbeck am Samstag nicht zu erreichen. Auch Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sollte sich nach Angaben eines Sprechers mit Hinweis auf eine laufendes Verfahren nicht äußern.

frx/dpa