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Der Norden Mammutzähne auf Bauernhof gefunden
Nachrichten Der Norden Mammutzähne auf Bauernhof gefunden
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11:57 05.04.2012
Foto: Justus Hasse ist stolz auf seinen Fund.
Justus Hasse ist stolz auf seinen Fund. Quelle: Möhle
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Heeßen

Gerd Hasse lässt gerade eine Fuhrwerkswaage bauen. Dafür muss ein Bagger in drei bis vier Meter Tiefe graben. Ein Baggerführer stieß jetzt am Rande der Baugrube auf einen großen Gegenstand, den er zunächst für einen dicken Holzstamm hielt. Bei genauem Hinsehen bemerkte die Familie, dass es sich aber um Elfenbein handelte. Es war ein Teil eines Stoßzahns, der etwa 85 Zentimeter lang ist und mehr als sechs Kilogramm wiegt.

Vorsichtig suchte die Familie weiter und förderte einen kompletten Backenzahn zutage. Bestens erhalten sind auch die sogenannten Lamellen auf dem Zahn, mit dem die Mammuts als Pflanzenfresser ihre Nahrung zerkleinerten.

Sie vertilgten immerhin pro Tag etwa 200 Kilogramm an Gras, Sträuchern, Zweigen, Baumrinde und Früchten – und das mit nur 14 Zähnen. Mammuts konnten immerhin ein Lebendgewicht von bis zu acht Tonnen erreichen.

Gerd Hasse informierte umgehend die Abteilung Archäologie in der „Schaumburger Landschaft“, die sich auch sofort um die Relikte aus der Vorzeit kümmerte. Allerdings steht bis jetzt noch nicht fest, was aus Stoßzahn und Backenzahn des Urtiers werden soll. Noch ist der Sensationsfund auf dem Hof und wird derzeit in einer Wanne mit Wasser verwahrt. Denn das Elfenbein soll nicht austrocknen und zu Staub zerfallen. Hasses zehnjähriger Sohn Justus wacht mit Argusaugen über die wertvollen Mammutzähne.

Erste archäologische Untersuchungen ergaben, dass das Horn und der Zahn des Mammuts in einem Bereich des Bauernhofs gefunden wurden, in dem irgendwann einmal ein stehendes Gewässer gewesen sein muss. Gerd Hasse sagt, dass man bereits vor Jahren, als auf dem Grundstück eine Halle gebaut werden sollte, auf Fließsand gestoßen sei. Der Stoßzahn des Mammuts weist zwei Bruchstellen auf, eine alte und eine neuere. Vermutet wird, dass der Bagger bei seiner Arbeit das Horn abgerissen hat und noch ein weiteres Teilstück im Boden vorhanden sein müsste. Für die Archäologen ist es nicht ganz abwegig, dass in Heeßen Wollhaarmammuts gelebt haben. Erstmals waren diese Tiere vor etwa 300.000 Jahren in Sibirien aufgetaucht.

Behalten darf Familie Hasse die Mammutzähne auf keinen Fall. Was in einer bestimmten Tiefe gefunden werde, gehöre dem Land Niedersachsen, sagt Hasse. Vater und Sohn sind gespannt, wo der historische Fund letztlich landen wird.

Eigentlich sei es schade, dass sie die Zähne abgeben müssten, sagt Sohn Justus. Der zehnjährige Junge kümmert sich gewissenhaft ums tägliche Wässern, und sein Vater zeigt neugierigen Gästen in Heeßen gern die Überreste aus der Urzeit.

Cord Möhle

Michael B. Berger 08.04.2012
Margit Kautenburger 08.04.2012