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Der Norden Schlechte Chancen für junge Lehrer?
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08:59 04.07.2013
Von Juliane Kaune
Sie sollen eine Stunde mehr unterrichten: Gymnasiallehrer werden bald 24,5 Stunden in der Woche vor ihrer Klasse stehen.
Sie sollen eine Stunde mehr unterrichten: Gymnasiallehrer werden bald 24,5 Stunden in der Woche vor ihrer Klasse stehen. Quelle: dpa
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Hannover

Eine Stunde, das klingt ja nicht so viel. Darum fand Anna-Kathrin Rybandt es zunächst auch nicht so schlimm, als sie vor einigen Tagen in der Zeitung gelesen hat, dass Gymnasiallehrer statt 23,5 Stunden künftig 24,5 Stunden pro Woche arbeiten sollen. Doch dann stieß die Studentin der Leibniz-Uni auf eine Zahl, die sie stutzig machte. Mehr als 500 Lehrerstellen an den Gymnasien, stand da zu lesen, würden entbehrlich, wenn die rot-grüne Landesregierung ihre Pläne für die Mehrarbeit umsetzt. Anna-Kathrin Rybandt will Gymnasiallehrerin für Englisch und katholische Theologie werden. Darum war das für sie keine gute Nachricht.

Am Mittwoch hat das Kabinett seine Pläne beschlossen. Wenn nun alle niedersächsischen Gymnasiallehrer künftig eine Stunde mehr unterrichten, entspricht das nach aktuellen Berechnungen sogar 750 Vollzeitstellen. Nach Darstellung des Kultusministeriums bedeutet das aber nicht, dass in gleicher Anzahl Stellen an den Gymnasien wegfallen. Grundsätzlich sollten mit durch die Mehrarbeit hinzugewonnenen Stellen Ganztagsschulen ausgebaut werden, erklärt eine Sprecherin. Diese Stellen würden „nach Bedarf“ besetzt. Das gelte für Gymnasien ebenso wie für andere Schulformen.

Der Pädagogennachwuchs aber ist beunruhigt. Auf dem Conti-Campus, wo die angehenden Gymnasiallehrer studieren, waren die Berufsperspektiven am Mittwoch Gesprächsthema. „Man macht sich schon seine Gedanken, was nach dem Studium kommt“, sagt Marie Scheibe, die im vierten Semester ist. Sie sei froh, dass sie neben dem Fach Deutsch auch Biologie belegt hat. „Ohne eine Naturwissenschaft hätte ich total schlechte Karten“, meint die 21-Jährige. Schon jetzt überlegt sie, im Masterstudium als drittes Fach Mathematik hinzuzunehmen, um ihre Chancen auf einen Job zu verbessern.

Zu Beginn seines Studiums seien ihm die Aussichten auf eine Lehrerstelle noch deutlich besser erschienen, sagt auch Niklas Schneeweiß, der als Gymnasiallehrer Bio und Chemie unterrichten will und ins fünfte Semester kommt. Schon jetzt studiert der 21-Jährige Infomaterial und vergleicht den Lehrerbedarf in verschiedenen Bundesländern. „Die meisten unserer Referendare sind schon froh, wenn sie irgendwo in Niedersachsen einen Job bekommen“, weiß Viertsemester Dominik Pollmann aus Gesprächen. An der jeweiligen „Wunschschule“ zu landen sei sehr schwierig.

Äußerst pessimistisch bewertet der Philologenverband, die Interessenvertretung der Gymnasiallehrer und Studienreferendare, die Zukunftsperspektiven des Lehrernachwuchses.
Bereits jetzt bekäme in Niedersachsen ein Drittel der Referendare im Gymnasiallehramt nach an ihrer Ausbildung keine Stelle, erklärt Landesgeschäftsführer Roland Neßler. Selbst in Fächern wie Latein, in denen lange Zeit ein Lehrermangel herrschte, sei eine Anstellung nicht mehr gesichert. Neßler ist überzeugt: „Die Situation wird sich verschärfen.“ Die nun beschlossene Mehrarbeit für die Pädagogen führe unweigerlich dazu, dass Lehrerstellen an den Gymnasien abgebaut würden – was nicht akzeptabel sei. Auch bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) heißt es, die Einstellungschancen an den Gymnasien werden sich verschlechtern.

So bildet die Uni Pädagogen aus

An der Leibniz-Uni werden Gymnasiallehrer und Sonderpädagogen ausgebildet. Für alle zuständig ist das Zentrum für Lehrerbildung (ZfL), das die Studiengänge koordiniert, Studenten berät und sich als Schnittstelle zwischen Hochschule und Schulen versteht. 595 Studenten waren im Wintersemester 2011/12 im Masterstudium für das Lehramt an Gymnasien eingeschrieben; 205 schlossen ihr Studium im Jahr 2011 ab. Wie viele Absolventen ihr Referendariat antreten, zählt die Uni nicht. Offiziell will sich die Hochschule nicht zur Diskussion um die Perspektiven der Gymnasiallehrer äußern. Unter Dozenten heißt es aber, die Ansprüche an Studium und Referendariat seien stetig gestiegen. Nötig sei mehr Wertschätzung für die künftigen Pädagogen. Mehrarbeit und möglicher Stellenabbau seien das falsche Signal.

Laut Ministerium haben Ende Juni landesweit 609 Gymnasiallehrer ihre Ausbildung beendet, zum Stichtag Ende Januar waren es weitere 435. Eine vergleichbare Zahl Referendare werde auch im kommenden Jahr zu den Prüfungen antreten. Wie viele der Junglehrer gleich im Anschluss einen Job in einer Schule gefunden haben, kann die Behörde nicht sagen.

Entmutigen lassen wollen sich Anna-Kathrin Rybandt und ihre Kommilitonen aber nicht. „Ich will Lehrerin werden, weil es ein toller Beruf ist“, sagt die Studentin.

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