Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Der Norden Moderne Fälschung statt antiker Mumie
Nachrichten Der Norden Moderne Fälschung statt antiker Mumie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:52 25.09.2013
Nicht echt: Die vermeintliche Mumie aus Diepholz ist ein präpariertes Plastikskelett. Quelle: Lutz Wolfgang Kettler/dpa
Anzeige
Verden/Hannover

Als echter Menschenschädel mit einem Plastik-Skelett hat sich eine vermeintliche Mumie in Niedersachsen entpuppt. Der Fund von einem Dachboden in Diepholz hatte im August viele Schlagzeilen gemacht - und die Ermittler rätseln immer noch über den Inhalt des Sarkophags. Die Staatsanwaltschaft hat bisher keine Ahnung, wer falsches Skelett und echten Schädel verbunden und dann in der Art einer 2000 Jahre alten Mumie eingewickelt hat. "Es ist bewusst so manipuliert worden, dass es ohne ein Lösen und Beschädigen der Bandagen zu einer falschen Diagnose kommen konnte", sagte der Verdener Staatsanwalt Lutz Gaebel am Mittwoch.

Ein zehnjähriger Junge hatte den geheimnisvollen Fund auf dem Dachboden der Großeltern gemacht. Anfangs dachten die Ermittler, es könne sich um eine bis zu 2000 Jahre alte Mumie handeln. Der Großvater des Jungen war in den 50er Jahren in Nordafrika und hatte einige Andenken von seinen Reisen mitgebracht. Eine erste Computertomographie (CT) hatte den Eindruck einer echten Mumie zunächst gestützt. Dabei fiel auch ein kleiner Pfeil in der Augenhöhle des Schädels auf, was den Verdacht eines Verbrechens nährte.

Anzeige

Doch nach der ersten Diagnose der Hamburger Rechtsmedizin kamen Zweifel auf. So fanden Experten des Archäologischen Instituts Berlin heraus, dass die Bandagen, mit der die angebliche Mumie eingewickelt war, aus dem 20. Jahrhundert stammten. Als Gerichtsmediziner in Hamburg den Fund auswickelten, entdeckten die Plastikknochen und Füllmaterial wie Papier-Küchentücher. Diese Mischung war den Angaben zufolge mit einer unbekannten Substanz besprüht, was zu einer falschen CT-Analyse geführt hatte. Auch der Pfeil wurde neueren Ursprungs datiert.

Der Vater des Jungen, Lutz Wolfgang Kettler, zeigte sich am Mittwoch von der erneuten Wendung in dem Fall überrascht: "Erst sollte es ein historisches Fundstück sein, dann kam der Verdacht eines Verbrechens auf. Und jetzt soll es eine billige Fälschung mit einem Karnevalsskelett und einem Kinderpfeil sein - mir fällt da eigentlich nichts mehr zu ein", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

dpa

Mehr zum Thema

Der rätselhafte Mumienfund in Diepholz ist aus Sicht einer Ägyptologin ein Beleg für die frühere Begeisterung für das Land. Das Verkaufen auch verfälschter Mumien an Reisende sei gängig gewesen. Der Verbleib der Mumie ist derweil noch ungewiss.

07.09.2013
Der Norden Rätselhafter Dachbodenfund - Tatsächlich, eine uralte Mumie

Das Rätsel um die Diepholzer Mumie scheint sich zu klären: "Nach ersten Untersuchungen gibt es Hinweise, dass die Mumie 2000 Jahre alt ist", sagte Staatsanwalt Lutz Gaebel am Dienstag. Um ganz sicher zu sein, werde aber weiter untersucht. Der Sarkophag war Anfang August eher zufällig entdeckt worden.

Karl Doeleke 04.09.2013
Der Norden Jetzt ist die Staatsanwaltschaft dran - Das Geheimnis der Mumie aus Diepholz

Ein zehn Jahre alter Junge findet Anfang August eine Mumie im Haus seiner Großeltern in Diepholz. Jetzt haben Röntgenuntersuchungen ergeben: Sie enthält tatsächlich einen menschlichen Schädel. Die Polizei prüft, ob es sich um eine echte Mumie handelt – oder jemand ein Verbrechen vertuschen wollte.

Karl Doeleke 06.09.2013
Der Norden Einstündiger Zwischenstopp in Göttingen - Gestank stoppt ICE
25.09.2013
24.09.2013
Der Norden Verdacht auf Urkundenfälschung - Geheimdienst wird Fall für Staatsanwalt
Michael B. Berger 27.09.2013