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Der Norden Die Opfer des Terrors von Bergen-Belsen
Nachrichten Der Norden Die Opfer des Terrors von Bergen-Belsen
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15:20 16.04.2019
Wenige Tage nach der Befreiung: Das Lager Bergen-Belsen nördlich von Celle am 28. April 1945. Quelle: NARA, RG153, Entry 143, Box 271/Sergeant Gwin
Hannover

Die Bilder, die Mitte April vor 74 Jahren weltweit veröffentlicht wurden, haben ihren Schrecken nie verloren: Bulldozer, die Tausende von Leichen in Massengräber schoben, englische Soldaten, die auf Berge von Toten blickten, die zu Skeletten abgemagert waren. Bergen-Belsen, jenes Lager in der Heide, das zunächst Kriegsgefangenenlager war und dann in den letzten Kriegsjahren zum KZ wurde, bleibt ein Sinnbild des Naziterrors.

120.000 Kinder, Frauen und Männer lebten und litten hier. 52.000 von ihnen starben. Noch nicht einmal die Hälfte der Opfer ist namentlich bekannt, trotz jahrzehntelanger Forschung. Ein neues Buch arbeitet jetzt einige Biografien von Überlebenden auf.

Zynischer Menschenhandel

Bergen-Belsen wird nach wie vor als jüdisches Lager gesehen, dabei waren zuletzt mehr als die Hälfte der Insassen politische Häftlinge“, sagt Jens-Christian Wagner, einer der beiden Herausgeber des neuen Buches. Das hänge damit zusammen, dass Bergen-Belsen zunächst ein „Austauschlager“ gewesen war, in das die Nationalsozialisten jüdische Menschen verbracht hatten, die sie gegen deutsche Kriegsgefangene austauschen wollten – ein zynischer Menschenhandel. Deshalb sei das Lager in den Akten gar nicht als Konzentrationslager geführt worden, ergänzt Mitherausgeber Thomas Rahe.

Jens-Christian Wagner und Thomas Rahe präsentieren ihr Buch über „Menschen in Bergen-Belsen“. Quelle: Tim Schaarschmidt

Doch der zeitweilig von der SS verwendete Begriff „Zivil-Internistenlager“ sei auch schnell fallengelassen worden, weil man Kontrollen des Internationalen Roten Kreuzes befürchtete. Und die wären auf Zustände gestoßen, die erbärmlich waren – obwohl die Inhaftierten schon „besser“ behandelt worden seien als in anderen KZs. Im Unterschied zu anderen Lagern sei Bergen-Belsen auch ein „Familienlager“ gewesen, in dem es etwa 3500 Kinder unter den Gefangenen gegeben habe. „Auch sie mussten an den stundenlangen Stehappellen teilnehmen, obwohl viele entkräftet waren“, berichtet Rahe.

Eines der Kinder war die Österreicherin Ceija Stojka, fünftes von sechs Kindern einer Roma-Familie, die im Sommer mit ihrem Vater im Pferdewagen übers Land fuhr und den Winter im Hotel verbrachte, wie Rahe in einer der Kurzbiografien schreibt. Stojka wurde als „Zigeunerin“ bezeichnet und zunächst nach Auschwitz-Birkenau verbracht, dann nach Ravensbrück und zuletzt nach Bergen-Belsen, wie Tausende anderer Leidensgenossen, die die Todesmärsche von aufgelösten Lagern nach Norddeutschland überlebt hatten.

Bergen-Belsen am 28. April 1945. Quelle: NARA, RG153, Entry 143, Box 271/Sergeant Gwin

85.000 Frauen und Männer werden auf diesen Märschen quer durch Deutschland nach Bergen-Belsen verlegt, als die Alliierten immer näher rücken. Von den 200 Mitgliedern der Großfamilie Stojka haben nur wenige überlebt. Ceija Stojka wird ihre schrecklichen Kindheitserlebnisse Ende der Achtzigerjahre in einem Buch verarbeiten sowie in Tuschezeichnungen und Gemälden, von denen einige die Gedenkstätte gekauft hat.

Häftlingsnummer als „Ehrenzeichen“

Die Österreicherin ist eine von vier Frauen, die in dem Buch porträtiert werden. „Vier Frauen gegenüber 14 Männern, das ist zweifellos ein Ungleichgewicht, das aber der Quellenlage geschuldet ist“, sagt der Historiker Jens-Christian Wagner. Unter den Porträtierten findet sich auch die spätere Präsidentin des Europaparlamentes Simone Veil, die zunächst auch nach Auschwitz-Birkenau verbracht wurde aber Ende Januar 1945 nach Bergen-Belsen gelangt, wo bereits infernalische Zustände herrschen, wie Monika Göddecke in ihrer Kurzbiografie schreibt.

Veil, die als Simone Jacob ins Lager kam, wird später in Frankreich einen Verband der KZ-Überlebenden gründen. Als sie zum Ende ihres bewegten Lebens in die Academie Française aufgenommen wird, bekommt Simone Veil der Tradition gemäß einen eigenen Degen – und lässt ihre Häftlingsnummer in den Degen eingravieren.

Noch nach der Befreiung durch die Engländer am 15. April 1945 sterben gut 13.000 Menschen an den Folgen von Hunger, Entkräftung und der Epidemien, die Bergen-Belsen zum Sterbelager machten.

Thomas Rahe, Jens-Christian Wagner: „Menschen in Bergen-Belsen“, Wallstein-Verlag, 22 Euro

Von Michael B. Berger

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