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Der Norden So will Kay Macquarrie das Bahnfahren für Rollstuhlfahrer einfacher machen
Nachrichten Der Norden So will Kay Macquarrie das Bahnfahren für Rollstuhlfahrer einfacher machen
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10:26 18.11.2019
Hilfe für Rollstuhlfahrer: Kay Macquarrie. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Eine Bahnfahrt, die ist nicht immer lustig. Vor allem nicht, wenn man mit dem Rollstuhl unterwegs ist. Wenn Kay Macquarrie aus Altenholz (Kreis Rendsburg-Eckernförde) Zug fahren will, braucht es viel Planung und Vorlaufzeit, um bei der Bahn Einstiegshilfen zu organisieren und um zu klären, ob es an den Umsteigebahnhöfen auch funktionierende Aufzüge gibt. Der 44-Jährige, der selbst im Rollstuhl sitzt, hat nun zusammen mit einem Fachmann eine Eingabemaske entwickelt, die die Organisation der Reisen erheblich einfacher macht – indem sie das Ausfüllen der langen Bahn-Formulare für sogenannte Hilfeleistungen abkürzt.

Hilfe für Reisende mit Kinderwagen, Rollator oder Kinderwagen

Nicht nur für Menschen mit Behinderung, sondern auch für Eltern mit Kinderwagen, Reisende mit sperrigem Gepäck, schweren E-Bikes oder Rollator. An die 100 Menschen nutzen die Seite hilfeleistung-als-service.de – kurz HASE – bereits, einige Pendler sogar täglich. Der Deutschen Bahn hat er seine Internetanwendung bereits vorgestellt. Das Interesse ist groß.

„Nicht meckern, machen“: Kay Macquarrie ist Teil der Aktion von HAZ und NDR

Kay Macquarrie ist ein positiver und pragmatischer Mann. Wenn er Probleme sieht, packt er sie an und macht sich auf die Suche nach Lösungen. „Ich möchte Dinge und Barrieren sichtbar machen“, sagt der Projektmanager für neue Medien, der für einen großen internationalen Sender arbeitet. Ihm ist wichtig, dass Menschen mit Behinderung ganz selbstverständlich zum gesellschaftlichen Leben dazugehören, dass sie mittendrin sind. Oder besser: mittendrin sein könnten. Denn daran hapert es häufig noch.

Beim Fototermin auf dem Kieler Hauptbahnhof zeigt der HASE-Macher die Hindernisse, die Reisende ohne Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen oft übersehen: Mal liegen die Doppelstockwagen so tief, dass zum Einsteigen eine Rampe für Rollstuhlfahrer wie Kay Macquarrie nötig ist, mal liegen sie zu hoch. Der sportliche Mann, der seit 20 Jahren nach einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen ist, zuckt gelassen mit den Schultern. Er erzählt von unterschiedlich hohen Bahnsteigkanten, von defekten Fahrstühlen und gesperrten Zugtoiletten. Oder davon, dass seine vorab bei der Bahn bestellte Unterstützung in Form eines Bahnmitarbeiters aufgrund von Krankheit einfach ausfällt und er auf einem zugigen Bahngleis dumm aus der Wäsche guckt. Der ganz normale Alltag auf den Bahnhöfen Deutschlands. Von verspäteten Zügen und verpassten Anschlusszügen einmal abgesehen.

Engagement für Rolli im Flieger

Doch nörgeln kann jeder. Kay Macquarrie liefert stattdessen Lösungen – nicht nur fürs Bahnfahren. 2005 startete der gebürtige Niebüller (Kreis Nordfriesland) eine Initiative, um das Fliegen für Rollifahrer einfacher zu machen. „Die Herausforderung im Flieger ist, die Toiletten zu erreichen“, sagt er. Für den Journalisten, der weltweit unterwegs ist, war das ein großes Problem. Denn der eigene Rollstuhl reist im Frachtraum mit und ist während des Fluges nicht verfügbar. Sein Engagement zahlte sich aus. „Inzwischen haben alle Airlines einen kleinen Rollstuhl an Bord“, so der dreifache Familienvater.

Mehr als 91.000 Unterstützer

Kürzlich startete der Journalist auf change.org/bahnfueralle eine Onlinepetition für barrierefreies Zugfahren. „Mehr als 91.000 Menschen haben bisher unterschrieben“, erzählt er. Gerade hat er seine Einladung an Bahnchef Richard Lutz erneuert, doch einmal mit ihm Zug zu fahren. „Ich würde ihm gerne zeigen, wo die Probleme liegen“, sagt er. Für den Sozialverband Deutschland sitzt er seit Neuestem in einer Arbeitsgruppe der Bahn, um an Verbesserungen mitzuarbeiten.

Kay Macquarrie am Bahnsteig: Mal ist der Einstieg zu tief, mal zu hoch. Quelle: Uwe Paesler

Formular für Rollstuhlfahrer umfasst bislang mehr als 70 Felder

Bislang, so Macquarries Kritik, ist es zu kompliziert, Hilfeleistungen für eine Bahnfahrt zu beantragen. Damit Menschen mit Behinderung, sperrigem Gepäck oder Kinderwagen ohne Probleme in die Züge herein- und wieder herauskommen, kann man Unterstützung von Bahnmitarbeitern anfordern. „Das erfolgt per Formular im Voraus“, sagt Macquarrie. Doch dieses Formular hat es in sich. „Allein für eine Reise von Kiel über Hamburg nach Berlin sind über 70 Felder auszufüllen“, sagt er.

Nutzer können Code des Tickets eingeben

Das kann ich besser, dachte sich der Journalist. Zusammen mit dem Entwickler Philipp Maier aus Karlsruhe, den er über seine Petition kennengelernt hatte, machte er sich ans Werk. Herausgekommen ist eine Internetanwendung, die Bahnfahren künftig viel einfacher machen wird. „Das Tool funktioniert dank einer offenen Bahn-Schnittstelle schon jetzt“, so der Journalist. Anwender benötigen nur ihren Bahnticket-Code. „Das Ziel ist, Ideen aus dem Tool in die offizielle Bahn-App zu integrieren“, sagt er. Zudem sei es möglich, in Echtzeit benachrichtigt zu werden, wenn beispielsweise ein Aufzug ausfällt oder Züge sich verspäten.

Bahn zeigt sich interessiert

Die Bahn, der Kay Macquarrie seine Entwicklung vorgestellt hat, zeigt sich interessiert. Eine Bahnsprecherin gibt an, dass an den Themen „nutzerfreundlicheres Anmeldeformular“ und „Barrierefreiheit“ gearbeitet werde. „Im Jahr 2018 haben unsere Service-Mitarbeiter Reisende mit Mobilitätseinschränkungen mit rund 850.000 Hilfeleistungen unterstützt. Diese Zahl ist in den zurückliegenden vier Jahren um rund 50 Prozent gestiegen“, erklärt sie. Macquarrie kann da nur nicken. „Wir befinden uns gerade an einem Wendepunkt – gesellschaftlich, politisch und ökologisch. Wir werden älter und wollen weiter mobil bleiben. Barrierefreiheit spielt da eine immer größere Rolle.“

Sechs bemerkenswerte Geschichten

Deutsche sind ordentlich. Sie bauen super Autos. Und sie können herrlich nörgeln. Heißt es ja vielfach. Aber unter all den Unzufriedenen gibt es eben auch eine Reihe von Bürgern, die nicht nur meckern, sondern auch anpacken, weil sie etwas verändern wollen. Diesen Menschen wollen wir in dieser Woche eine Bühne geben.

Gemeinsam mit den „Kieler Nachrichten“, der „Ostsee-Zeitung“ in Rostock, dem „Hamburger Abendblatt“ und NDR Info hatten wir unsere Leser gebeten, uns von solchen Geschichten zu erzählen. Die Resonanz war beeindruckend – wie auch die Bandbreite der Geschichten, die uns erreicht haben.

Da ist der junge Mann aus Gronau, der einen Verein gegründet hat, um Kinder, Eltern und Lehrer über Mobbing aufzuklären. Da ist der Verein aus der Wedemark, der pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen eine Auszeit vom Alltag im Grünen ermöglicht. Da ist die Initiative in Bad Münder, die einen Bürgerbus mit ehrenamtlichen Fahrern ins Leben gerufen hat, um den außerhalb liegenden Bahnhof besser an die Stadt anzubinden.

Jede Geschichte hätte es verdient, einem größeren Publikum erzählt zu werden. Für sechs hat sich die Jury nun entschieden, die wir täglich bis zum Sonnabend vorstellen wollen. NDR Info sendet die Geschichten morgens um 7.48 Uhr und eine Wiederholung im Laufe des Vormittags.

 

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