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Der Norden Niedersachsen will die Windindustrie retten – so diskutieren HAZ-Leser das Thema
Nachrichten Der Norden Niedersachsen will die Windindustrie retten – so diskutieren HAZ-Leser das Thema
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09:22 15.11.2019
Symbolbild Quelle: dpa

Das Land Niedersachsen will der schwächelnden Windkraftbranche zur Hilfe kommen und hat zu einem Krisengipfel in der Staatskanzlei eingeladen. Bei Enercon sind 3000 Jobs in Gefahr, und der Streit um Abstandsregeln für Windräder spitzt sich zu. Umweltminister Olaf Lies fordert, dass an Land jährlich Windräder mit einer Gesamtleistung von fünf Gigawatt gebaut werden. Zudem sollen Mindestabstände zu Wohnhäusern und zu Anlagen für die Flugsicherheit reduziert werden. Zahlreiche HAZ-Leser haben uns zu diesem Thema ihre Meinung geschrieben – hier eine Auswahl:

Ja, aber nicht vor meiner Haustür

Es ist in Deutschland viel einfacher etwas zu verhindern, als etwas Neues zu erschaffen. Sobald Windräder in einer Region geplant werden, wird eine Bürgerinitiative dagegen gegründet. Für die Baugenehmigung werden diverse Gutachten gefordert. Plötzlich gibt es seltene Vögel, die alle Jubeljahre diese Strecke kreuzen. Und wenn alles nicht hilft, wird der Lurch gefunden. Windenergie ja und überall, aber nicht bei uns vor der Haustür. (Ralph Criée, Hannover)

Ein schlüssiges Konzept fehlt

Selbstverständlich trägt die Regierung Mitschuld an der aktuellen Situation der Onshore- Windmühlenindustrie, schuldig an dieser Situation ist in hohem Maße aber auch die Industrie selbst, damit auch Enercon. Das Ergebnis heute: Für windschwache Tage werden alte konventionelle Kraftwerke vorgehalten, an windreichen Tagen wird der überschüssige Strom an Nachbarländer verkauft. Die jetzt gefährdeten Arbeitsplätze kann man retten mit einem vorausschauenden, schlüssigen Gesamtkonzept für die Gewinnung und Verteilung erneuerbarer Energie. Das Kernproblem ist die bisher fehlende Speichermöglichkeit von Strom in windstarken Zeiten. Eine Lösung hierfür bietet die Wasserstofftechnologie. Der überschüssige Strom kann problemlos in Wasserstoff verwandelt und auch wieder zu elektrischem Strom zurückverwandelt werden. Dass diese Technologie bisher nur in Sonntagsreden propagiert wird, muss sich mindestens teilweise auch Enercon ankreiden lassen. Kommen wird diese Technologie in jedem Fall. Ein Grund für das bisherige Festhalten an Onshorewindmühlen mag sein, dass man in der Vergangenheit mit diesen kleineren Windmühlen sein Geld leichter und bequemer verdienen konnte. Das Fehlen von in sich schlüssigen Konzepten können wir auch anderswo beobachten. In den 70er-Jahren wurde die Endlagerung von Kernbrennstoffen auf die Zukunft verschoben, die Konsequenz kennen wir. Ein weiteres aktuelles Beispiel ist VW mit seiner Elektromobilität allein auf Basis von Batterietechnik – es gibt weltweit nicht genügend Rohstoffe, um die benötigten Batterien zu produzieren. Für die jetzt betroffenen Enercon-Mitarbeiter ist das alles sicherlich nur ein bitterer Trost. (Reinhard Lühmann, Gehrden)

Klimapolitik ist Bankrotterklärung

Nach Biogas, Biokraftstoff und Fotovoltaik erwischt es jetzt auch die deutsche Windkraftbranche mit voller Wucht. Das kommt einer Bankrotterklärung der Klimapolitik unserer Bundesregierung gleich. Die Investitionen in die Energiewende liegen weit hinter den Ausbauzielen zurück. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Man kann zur Klimapolitik stehen, wie man will, aber es ist doch kein Wunder, wenn unsere Kinder mit den Fridays-for-Future-Demos ihren Unmut zum Ausdruck bringen. Schließlich werden die im Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 vereinbarten Ziele nicht erreicht. Wenn der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies von einer bevorstehenden leichten Delle beim Windkraftausbau spricht, hat er die Dimension nicht begriffen. Noch schlimmer aber ist, dass mit dem schleppenden Ausbau der Stromnetze bereits heute schon das nächste Fiasko absehbar ist. Die Fertigstellung beispielsweise der Südlink-Leitung, die den an Norddeutschlands Küsten erzeugten Windstrom in den Süden der Republik transportieren soll, ist für 2025 vorgesehen. Aber bereits 2022 sollen in Deutschland auch die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Hier tut sich insofern eine gewaltige Regelungslücke auf. Bei dem Tempo heutiger Genehmigungsverfahren und unkalkulierbarer Bauverzögerungen wäre es nicht verwunderlich, wenn es noch länger dauert. Das dürfte insbesondere auch deshalb der Fall sein, weil bei der vorgesehenen Erdverkabelung die fairen Vergütungsregelungen gegenüber den davon betroffenen Grundbesitzern noch völlig in der Luft hängen, wie es bereits in mehreren Demonstrationen zu diesem Thema zum Ausdruck kam. (Eckhard Martens, Wedemark)

Mehr Windräder helfen nicht

Mittlerweile glaube ich, dass es eine grundsätzlich unterschiedliche Wahrnehmung bei der Windenergie zwischen der Land- und der Stadtbevölkerung gibt. Für die Städter stellt es das Allheilmittel für den drohenden Klimakollaps dar, was allein schon total überzogen ist, aber von den Medien ständig angeheizt wird. Wir Menschen auf dem Land aber leben in der Nähe dieser Windindustrieanlagen erstens mit den Nachteilen, zweitens sehen wir auch, wie oft die Dinger einfach stehen und keinen Strom produzieren. Da hilft auch kein zusätzliches Windrad. Wenn eines steht, weil kein Wind da ist, stehen auch alle anderen. Schon jetzt ist der Strom, wenn der Wind stark weht, nicht im Netz unterzubringen. Solange keine bezahlbaren Energiegroßspeicher zur Verfügung stehen, bringt der weitere Ausbau der Windenergiewandlung gar nichts. Den Politikern ist das anscheinend noch nicht erklärt worden. (Karl Heinz Iwannek, Pattensen)

Hinweis: Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Damit möglichst viele Leser zu Wort kommen, müssen wir Leserbriefe gelegentlich kürzen.

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Von red

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