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Der Norden Droht Ostfriesland eine Umweltkatastrophe?
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18:07 18.11.2013
Foto: Ölklumpen im Gewässer Friedeburger Tief.
Ölklumpen im Gewässer Friedeburger Tief. Quelle: dpa (Archiv)
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Etzel

Nur durch Zufall ist ein Ölunfall an einem der größten europäischen Ölspeicher im ostfriesischen Etzel entdeckt worden. Dort war am Sonntag Öl in bisher unbekannter Menge durch eine offene Armatur ausgelaufen. Ein Radfahrer habe die Verschmutzungen zufällig entdeckt, räumte die Betreibergesellschaft IVG Caverns am Montag in Etzel im Kreis Wittmund ein. Warum das hauseigene Warnsystem versagt habe, soll jetzt untersucht werden.

Nach Angaben der Betreibergesellschaft sind maximal 40 Kubikmeter Öl ausgelaufen, durch das Leck sei höchstens 20 Stunden lang Flüssigkeit ausgetreten. Das Öl verteilte sich auf einer Länge von sechs Kilometern auf umliegende Gewässer. Eine Gefahr für das Trinkwasser bestehe nicht, sagte ein Landkreissprecher.

Anlieger kritisierten eine zögerliche Informationspolitik des Unternehmens und des Landkreises. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Aurich zu den Unfallursachen. Bisher gibt es nach Angaben der Betreiber keine Hinweise darauf, ob ein technischer Defekt, menschliches Versagen oder Fremdeinwirkung die Ursache für den Ölunfall war.

Nach einem Kontrollflug wurden am Montag erneut zahlreiche Helfer an verunreinigten Gewässern in Marsch gesetzt. Das Leck sei gestoppt worden, teilte das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie am in hannover mit. Das Ausmaß der Umweltschäden und die Auswirkungen auf das Grundwasser sind noch unklar. Die Untersuchungen könnten noch Tage und Wochen dauern, auch unabhängige Gutachter würden einbezogen, sagte der Erste Kreisrat Hans Hinrichs aus Wittmund.

260 Helfer entfernten ausgetretenes Rohöl aus Gewässern

Zu der Panne kam es auf einem Sammelplatz, der über Tiefbohrungen mit mehreren unterirdischen Speicherkavernen verbunden ist. Von dort gelangte das ausgelaufene Rohöl über das Entwässerungssystem des Betriebsplatzes in das angrenzende Vorflutersystem und von dort in die Gewässer. Noch am Sonnabendnachmittag hatte es bei Kontrollen keine Auffälligkeiten gegeben.

Nachdem die nur ein Zentimeter offene Leitung am Sonntagnachmittag entdeckt wurde, errichteten Einsatzkräfte umgehend Ölsperren. Bis zu 260 Helfer entfernten das ausgetretene Rohöl aus Gewässern und gruben verunreinigten Boden weg. Die Betreibergesellschaft IVG beauftragte in Absprache mit den betroffenen Landkreisen Wittmund und Friesland einen unabhängigen Gewässergutachter mit der Erstellung eines Sanierungskonzepts.

Anwohner fürchten Gebäudeschäden

Von einer "riesigen Umweltkatastrophe" sprachen Kritiker der Kavernenspeicher von der Bürgerinitiative Lebensqualität Horsten-Etzel-Marx. Sie kritisieren seit Jahren die gigantischen unterirdischen Speicheranlagen, deren Bau unkalkulierbare Folgen haben könne.

Anwohner fürchten Gebäudeschäden und warnen vor negativen Folgen wie Bodenabsenkungen oder Veränderungen beim Grundwasser. Die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen kündigten parlamentarische Anfragen zu Ursachen und Umfang des Unfalls an. "Die Havarie muss alle Beteiligten nachdenklich machen. Wir erwarten, dass die Ursachen aufgeklärt werden und das Risikomanagement des Unternehmens auf den Prüfstand kommt", meinte der Abgeordnete Volker Bajus (Grüne).

Der Naturschutzbund Niedersachsen forderte wegen der Nähe zum Nationalpark Wattenmeer ein Notfall- und Risikomanagementplan und eine Notfallleitstelle nach dem Vorbild des maritimen Havariekommandos. Defekte Kavernenanlagen könnten verheerende Folgen für Tiere und Pflanzen haben.

dpa

Speicher für Erdgas und Öl in Etzel

Die Speicher für Erdgas und Öl im ostfriesischen Etzel gehören zu den größten unterirdischen Speicheranlagen (Kavernen) Europas. Sie sind durch Erdgas- und Erdölpipelines an das europäische Energieversorgungsnetz angebunden. Kunden der Betreibergesellschaft IVG nutzen die Speicher, um mit den Vorräten Verbrauchsspitzen abzudecken oder Öl und Gas zwischenzulagern. Daneben sind in den Kavernen große Teile der deutschen strategischen Erdölreserve untergebracht.

Umweltschützer warnen seit Jahren vor nicht absehbaren Folgen, die durch das Ausspülen von riesigen unterirdischen Hohlräumen in den norddeutschen Salzstöcken entstehen können. Mögliche Gefahren seien Bodenabsenkungen, Schäden an Gebäuden und die Veränderung des Grundwasserspiegels.

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