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Der Norden Aus meinem Klingelbeutel
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09:40 01.06.2015
Foto: Pastor Jens-Arne Edelmann hält einen kanadischen Geldschein und einen Klingelbeutel in den Händen.
Pastor Jens-Arne Edelmann hält einen kanadischen Geldschein und einen Klingelbeutel in den Händen. Quelle: dpa
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Gieboldehausen

Schon unter den ersten Christen wurde Geld für Arme oder andere Gemeinden gesammelt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. "Im Gottesdienst wird deshalb ein Klingelbeutel herumgereicht, in den die Teilnehmer eine Geldspende werfen können", heißt es im Glaubens-ABC der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter dem Stichwort "Klingelbeutel". Doch nicht alle Gottesdienstbesucher halten sich daran, ist die Erfahrung von Jens-Arne Edelmann.

Der evangelische Pastor aus Gieboldehausen bei Göttingen sammelt seit dem Jahr 2000 Kuriositäten, die im Klingelbeutel seiner Kirche gelandet sind. Das Sammelsurium steckt in einer Dose, die der Pastor in seinem Amtszimmer verwahrt. "Spielgeld, eine Eichel, Bonbons", Edelmann kramt und wundert sich selbst, auf was er stößt. "Büroklammern, Knöpfe, Tabletten". Aus einer Laune heraus habe er begonnen, die Fundstücke aus dem Klingelbeutel zu sammeln, sagt der Geistliche.

Im Laufe von 15 Jahren ist dabei eine stattliche Sammlung mit vielen Dutzend Einzelteilen entstanden. Darunter befinden sich auch Getreide-Ähren. "Die könnten von Landwirten stammen", vermutet Edelmann. Ein Gottesdienstbesucher hat sogar zu Hundetrockenfutter gegriffen, als der Klingelbeutel herumging.

In Pastor Edelmanns Klingelbeutel herrscht ein buntes Treiben.

Böse Absichten, so glaubt der Pastor, hätten die Geber wohl nicht, wenn sie statt Geld Kuriositäten in den Beutel stecken. Deshalb hat der geistliche Hirte auch keine bestimmten Schäfchen im Verdacht. "Die Menschen handeln rituell. Sie nehmen etwas und stecken es in den Klingelbeutel. Und wenn es kein Geld ist, dann etwas anderes", sagt Edelmann. Besonders häufig landen auf diese Weise Chips für Einkaufswagen in der Kollekte. Das berichtet auch Volker Bauerfeld von der Bischöflichen Pressestelle in Hildesheim.

Die Küster des Hildesheimer Domes zum Beispiel entdeckten immer wieder derartige Stücke. Nach der sommerlichen Urlaubszeit finden sich im Klingelbeutel in Gieboldehausen vermehrt auch fremdländische Münzen, sagt Pastor Edelmann. "Dann weiß man, wo die Leute gewesen sind." Bisweilen landen in der Kollekte aber auch Teilchen, die auf den ersten Blick wie Papiermüll aussehen, sagt der Sprecher der Bischöflichen Pressestelle in Hildesheim. Dabei handele es sich allerdings nicht um Abfall, sondern um extrem zusammengefaltete Euroscheine. "Manche Leute machen das, weil sie nicht wollen, dass der Nachbar auf der Kirchenbank nicht sieht, was sie in den Klingelbeutel stecken."

dpa

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