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Der Norden Hochwohlgeboren trifft VW-Azubis
Nachrichten Der Norden Hochwohlgeboren trifft VW-Azubis
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00:15 06.06.2014
Von Simon Benne
Lässt sich das Lenkrad eines Bentleys erklären: Prinz Adrew (Mitte) im Wolfsburger VW-Werk. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Herumreisen, interessiert wirken, dekorativ aussehen – man hat so sein Tun als Mitglied des britischen Königshauses. Das gilt auch für Prinz Andrew: Als der Herzog von York durch die Ausbildungshalle des Wolfsburger VW-Werkes schlendert, zieht er alle Blicke auf sich. Dutzende von Azubis hören kurz auf zu feilen und zu sägen, als der 54-Jährige mit seiner Entourage aus Sekretärinnen und Bodyguards vorübergeht. Die lichtdurchfluteten Werkshallen hier sind so sauber wie in manch gutem Restaurant die Küche. Mit grimmig-würdevollem Blick lässt sich die Nummer fünf der britischen Thronfolge hier von Managern und Azubis zeigen, wie Lenkräder oder Wurzelholzverkleidungen heute aussehen können. „Er wollte viele Details wirklich wissen – und er macht einen netten Eindruck“, wird der junge Lackierer Timo Riegenring später sagen.

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Alles zum 300. Jubiläum der Personalunion

Prinz Andrew, seines Zeichens zweitältester Sohn der Queen, ist für zwei Tage zu Besuch in Niedersachsen: Gestern Nachmittag stand noch ein Besuch der Uni Göttingen an, ehe es nach Hannover weiterging. Am heutigen Mittwoch wird Andrew vormittags im Landesmuseum die Ausstellung „Als die Royals aus Hannover kamen“ zur Epoche der hannoversch-britischen Personalunion besuchen, am Nachmittag ist der frühere Ehemann von Sarah Ferguson im Herrenhäuser Schloss zu Gast. Zuerst aber lässt er sich in seinem silbergrauen Bentley durchs Wolfsburger VW-Werk chauffieren.

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„Ich bin gekommen, um zuzuhören und um etwas zu lernen“, sagt er. Im Zuge der familiären Arbeitsteilung ist Andrew bei den Royals ein wenig fürs Thema Bildung zuständig, und da ist VW eine gute Adresse. „In Deutschland haben wir mit dem Dualen Ausbildungssystem großen Erfolg – es ist ein richtiger Exportschlager“, sagt Olaf Katzer. Der Mann, der bei VW zuständig für die Berufsausbildung ist, präsentiert Prinz Andrew in Wolfsburg Schraubenzuführer und Kugelvereinzeler – Werkstücke der Auszubildenden. Und immer wieder fragt „His Royal Highness“ nach, wie das deutsche Ausbildungssystem mit seiner Mischung aus Berufsschule und Arbeit im Betrieb funktioniert. Das zum VW-Konzern zählende Bentley-Werk im britischen Crewe kopiert das System inzwischen – und Bentley, seit 1998 ein Teil von Volkswagen, ist immerhin Hoflieferant.

Für die Auszubildenden ist der royale Besuch eine willkommene Abwechslung. „Er sieht grauer aus, als ich dachte“, murmelt einer der jungen Männer in Latzhose und pantoneblauem T-Shirt, „aber er lacht sehr herzlich.“ Eine historische Note hat der Besuch außerdem: Nach dem Krieg war es der britische Offizier Ivan Hirst, der das Werk als Industriestandort reanimierte.

Am Ende bekommt Prinz Andrew noch ein paar Autos vorgeführt, vom Bugatti bis zum Golf GTE. Er öffnet hier eine Heckklappe, blickt dort interessiert durch eine Beifahrertür. Als Gastgeschenk bekommt er das Modell eines VW Käfers. Dann fährt er winkend in seinem Bentley davon – der im Grunde ja auch ein Volkswagen ist.

Die Stationen in Hannover

In Hannover wird Prinz Andrew am Dienstag gegen 20 Uhr erwartet. Vor dem Neuen Rathaus nimmt ihn Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok in Empfang, neben dem obligatorischen Händeschütteln für die Fotografen und Fernsehkameras wird der Herzog von York vielleicht auch ein paar nette Worte an die wartenden Hannoveraner richten. Die eigentliche Visite in Hannover beginnt dann am Mittwochmorgen. Gegen 9.45 Uhr besucht er das Landesmuseum an der Willy-Brandt-Allee. Dort will er sich die Ausstellung "Als die Royals aus Hannover kamen" anschauen, die das 300. Jubiläum der Personalunion beleuchtet. Um 15.50 Uhr trifft der zweitälteste Sohn der britischen Queen dann am Schloss Herrenhausen ein. Höhepunkt des Tages ist am Abend die Queen's Birthday Party: Um 19.30 Uhr folgt der Zapfenstreich zu Ehren der britischen Königin in den Herrenhäuser Gärten. frs

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