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Der Norden Feiertag seit zwei Jahren: Darum haben die Niedersachsen am 31. Oktober frei
Nachrichten Der Norden Feiertag seit zwei Jahren: Darum haben die Niedersachsen am 31. Oktober frei
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11:06 31.10.2019
Der Reformator Martin Luther: Niedersachsen feiert am 31. Oktober Reformationstag. Quelle: epd
Hannover

Noch ist der Feiertag an diesem Donnerstag vergleichsweise neu: Erst zum dritten Mal machen die Niedersachsen am 31. Oktober frei. 2017 war in Erinnerung an die Reformation der Kirche durch Martin Luther einmalig bundesweit ein gesetzlicher Feiertag, Niedersachsen und Bremen führten den Tag danach dauerhaft als Feiertag ein. Die Kirche findet das gut – die Wirtschaft nicht, sie klagt über Produktionsausfälle. Viele Kinder und Jugendliche feiern an dem Tag allerdings lieber Halloween als das christliche Reformationsfest. Freitag müssen sie wieder zur Schule – denn anders als an anderen Brückentagen ist nicht unterrichtsfrei.

Was wird am Reformationstag eigentlich gefeiert?

Die evangelische Kirche erinnert am Reformationstag an ihre Anfänge vor gut 500 Jahren. Ein gesetzlicher Feiertag ist der 31. Oktober in Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Die von Martin Luther (1483-1546) um den 31. Oktober 1517 von Wittenberg aus verbreiteten 95 Thesen gegen kirchliche Missstände wurden zum Ausgang einer christlichen Erneuerungsbewegung.

Gab es im vergangenen Jahr Pannen beim Reformationstag?

Unter anderem wurde vergessen, die Nummer 116 117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst an dem Feiertag einzuschalten – bis Mittag lief in vielen Teilen Niedersachsens nur der Hinweis, es werde außerhalb der Einsatzzeiten angerufen. „Ja – wir haben gelernt“, sagt dazu der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Detlef Haffke. Der im vergangenen Jahr in Niedersachsen neu eingeführte Feiertag sei jetzt regulär als Feiertag der zentralen Rufnummerumleitung gemeldet worden.

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Was sagt die Wirtschaft?

Die Industrie- und Handelskammer Niedersachsen ist mit dem zusätzlichen gesetzlichen Feiertag nach wie vor nicht glücklich. Sie verweist auf Untersuchungen, beispielsweise von der Deutschen Bundesbank. Demzufolge führt jeder zusätzliche Feiertag zu einem durchschnittlichen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von bis zu 0,25 Prozent pro Jahr, sagt Felix Jahn, Experte bei der IHK Niedersachsen für Verkehr, Schifffahrt und Häfen. „Bezogen auf das Land Niedersachsen liegt der Produktionsausfall damit zwischen 264 und 660 Millionen Euro“, rechnet er vor. Umgerechnet auf einen Arbeitsplatz seien das Zusatzbelastungen zwischen 91 und 228 Euro pro Jahr, was die Wettbewerbsfähigkeit belaste.

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Gibt es ein Feiertagsfahrverbot für Lastwagen?

Nein, in diesem Jahr noch nicht, da der Reformationstag in Niedersachsen noch nicht in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen wurde. Allerdings gelten die Feiertagsbestimmungen des Arbeitszeitgesetz. Künftig werde der Reformationstag niedersächsische Unternehmen aber vor große Herausforderungen stellen, sagt IHK-Experte Jahn. Die Industrie- und Handelskammern treten daher für eine generelle Abschaffung des Fahrverbots für Lastwagen an nicht bundeseinheitlichen Feiertagen ein.

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Wie sieht die Bilanz der evangelischen Kirche nach dem Reformationstag im vergangenen Jahr aus?

Im vergangenen Jahr gab es in Niedersachsen über 1000 Gottesdienste und Veranstaltung am Reformationstag. Das reichte von klassischen Gottesdiensten über Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte bis zu ökumenischen und interreligiösen Begegnungen. „Von daher ist es gelungen, den Reformationstag religionsübergreifend, ökumenisch und weltoffen zu begehen und über das gesellschaftliche Miteinander weit über kirchliche Kreise hinaus ins Gespräch zu kommen“, sagt der Sprecher der Landeskirche in Hannover.

Aber ist es denn tatsächlich ein religiöser Feiertag – oder für die meisten eben nur ein freier Tag?

Die Gottesdienste und Veranstaltungen seien am Reformationstag des vergangenen Jahres sehr gut besucht gewesen, darunter auch von vielen Menschen, die sonst nur wenig oder gar keine Berührungspunkte mit den großen Kirchen haben, sagt die Landeskirche. Sie will die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Reformationstags herausstellen. In diesem Jahr lautet das Thema Wahrheit – gefragt werden soll unter anderem danach, worauf Verlass in den Medien ist oder wie Medien im öffentlichen Meinungsstreit Orientierung bieten können.

Was gibt es an Kuriositäten rund um den Reformationstag?

Feiertage in einzelnen Bundesländern sind oft an den Grenzen besonders spürbar. So zieht sich die Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mitten durch den Kreisverkehr in der Ortsmitte von Bruchmühlen – der nördliche Teil gehört zu Rödinghausen (Kreis Herford/NRW), der südliche zu Melle (Kreis Osnabrück). Im niedersächsischen Bruchmühlen sind am Donnerstag alle Geschäfte geschlossen, im NRW-Schwesterteil am Freitag – dann ist mit Allerheiligen dort ein gesetzlicher Feiertag.

Und was ist mit Halloween?

Seit einigen Jahren erfreut sich das aus den USA stammende Halloween-Fest am 31. Oktober immer größerer Bedeutung. Neben privaten Feiern bieten auch Zoos wie die in Hannover oder Osnabrück spezielle Halloween-Grusel-Führungen.

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Warum ist in diesem Jahr am Brückentag 1. November nicht schulfrei?

Der Reformationstag wurde erst im letzten Jahr als gesetzlicher Feiertag eingeführt. Da es bereits zu diesem Zeitpunkt abgeschlossene Planungen in Betrieben und Behörden, etwa Urlaubsplanungen oder Festlegungen von Prüfungsterminen oder Planungen in Abläufen der Wirtschaft gab, sei nach Abstimmung mit Bremen von einer kurzfristigen Änderung der Ferienordnung für das Schuljahr 2019/2020 abgesehen worden, sodass am 1. November 2019 regulärer Unterricht stattzufinden hat, sagt dazu der Sprecher des Kultusministeriums.

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Von RND/dpa

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