Schnecken im Garten: So bekämpft man die Schneckenplage richtig
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Der Norden Die Schneckenplage im Garten – so bekämpft man sie richtig
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Schnecken im Garten: So bekämpft man die Schneckenplage richtig

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15:33 25.06.2020
Schneckeninvasion im Salatbeet. Doch wer verspeist hier das Grün? Die einheimische Rote Wegschnecke und die eingewanderte Spanische Wegschnecke lassen sich nur anatomisch anhand von bestimmten Merkmalen der Geschlechtsorgane unterscheiden. Die Rote Wegschnecke kam vor 1990 flächendeckend in Sachsen vor. Als die Spanische Wegschnecke eingeschleppt wurde, hat sie sich mit ihr hybridisiert.
Schneckeninvasion im Salatbeet. Doch wer verspeist hier das Grün? Die einheimische Rote Wegschnecke und die eingewanderte Spanische Wegschnecke lassen sich nur anatomisch anhand von bestimmten Merkmalen der Geschlechtsorgane unterscheiden. Die Rote Wegschnecke kam vor 1990 flächendeckend in Sachsen vor. Als die Spanische Wegschnecke eingeschleppt wurde, hat sie sich mit ihr hybridisiert. Quelle: Catrin Steinbach
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Schnecken können zur Verzweiflung treiben, wenn sie im Garten überhand nehmen. Denn einige fressen zwar (auch) Algen und abgestorbene Pflanzenteile, aber die meisten Gartenschnecken mögen eher frische grüne Blätter. Ein bisschen Verlust vor allem an jungen Pflanzen wird jeder tolerieren. Doch wenn Blumen gar nicht erst zur Blüte kommen, die zum dritten Mal gesteckten Bohnen – kaum dass die Keimlinge aus der Erde lugen – wieder abgefressen werden und auf dem Salat Schneckenparty ist, dann hört der Spaß auf.

Besonders die sogenannte Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris), eine 7 bis 15 cm lange rotbraune Nacktschnecke, ist berühmt-berüchtigt für ihr Massenauftreten, ihren unbändigen Appetit und ihren Ausbreitungsdrang. Sie ist inzwischen die häufigste Schneckenart in Deutschland, gilt als Plage und kann nicht nur im Garten, sondern auch in der Landwirtschaft und in der Natur großen Schaden anrichten.

Kommt die Spanische Wegschnecke wirklich aus Spanien?

Nein. Spanien war ursprünglich angenommen worden, weil auf der Iberischen Halbinsel Tiere mit ähnlichen Geschlechtsorganen gefunden wurden. Doch woher sie dann kommt, das sei entgegen anderslautenden Veröffentlichungen nach wie vor nicht eindeutig geklärt, sagt Dr. Heike Reise, Schneckenforscherin vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz in Sachsen. „Die jüngsten Auswertungen populationsgenetischer Daten deuten auf Westeuropa. Auch Gebiete Westdeutschlands werden für möglich gehalten.“

Die kleineren Jungschnecken der Spanischen Wegschnecke haben eine markante, starke Streifung. Im späten Frühjahr fangen sie an, umzufärben. Dann werden sie dunkler. Quelle: Heike Reise

Mit Sicherheit jedoch sei die Art „in unserem Teil von Mitteleuropa invasiv und kam erst in den 1990er Jahren auf dem Gebiet der ehemaligen DDR an“, sagt Heike Reise. Eine gründliche Literaturschau liefere zudem starke Indizien dafür, „dass sie auch in vielen anderen Teilen Mitteleuropas (inkl. Gebieten des in der Studie als solches deklarierten Areals) eine Neozoe ist.“

Wie kann sich diese Nacktschnecke so massiv ausbreiten?

„Viele Gärtner möchten gerne möglichst exotische Pflanzen in ihrem Garten kultivieren. Mit den Pflanzen selbst oder in der Blumenerde werden viele Tierarten nach Deutschland eingeschleppt. Außerdem können auch die Pflanzen selber außer Kontrolle geraten“, sagt Dr. Katrin Schniebs. Die Biologin hält die Plage der Spanischen Wegschnecke deshalb für menschengemacht.

Zudem würden die Schnecken mit Gemüse oder auch Abfällen verbreitet, ergänzt die Schneckenforscherin aus Görlitz. Heike Reise sieht es zum Beispiel als großes Problem an, wenn (Klein-)Gärtner ihren Müll am oder im Wald entsorgen, weil sie meinen, dass diese pflanzlichen Abfälle ja nicht schaden. So dringen speziell diese Schnecken, die sich eher in von Menschen veränderten Lebensräumen aufhalten, jetzt auch in natürliche Lebensräume vor.

Rote Wegschnecke (Arion rufus). Sie können ziegelrot, bräunlich oder schwarz gefärbt sein, die Färbung spielt keine Rolle.  Quelle: Dr. Katrin Schniebs

Hat die Spanische Wegschnecke natürliche Feinde?

Vögel, Igel und Kröten zum Beispiel. Auch Laufenten scheuen vor den Spanischen Wegschnecken und dem zähen Schleim, den sie absondern, nicht zurück. Allerdings werden eher junge und kleinere Tiere bevorzugt oder Eigelege.

Es sei angeblich beobachtet worden, dass die Weinbergschnecke die Eier der Spanischen Wegschnecke frisst. Seitdem werde die Weinbergschnecke als „nützlich“ bei der Bekämpfung dargestellt. „Schnecken-Eier sind nicht das ,Grundnahrungsmittel’ der Weinbergschnecke“, so die Wissenschaftlerin. „Wahrscheinlich ging es bei der Beobachtung darum, dass die Weinbergschnecke „Kalkhunger“ hatte und zufällig auf die Eier mit kalkiger Schale gestoßen war. Denn alle Gehäuseschnecken müssen Kalk aufnehmen, um ihr Gehäuse ausbilden zu können.

Wie bekämpft man die Schnecken im Garten richtig?

Zunächst sollte man gute Lebensbedingungen für natürliche Gegenspieler wie Vögel und Igel schaffen. Also den Garten nicht komplett aufräumen, Versteckmöglichkeiten bieten. Wenn zusätzlich chemische Hilfsmittel zur Schneckenbekämpfung zum Einsatz kommen, dürfen diese den Helfern nicht gefährlich werden.

Die Nacktschnecken absammeln. Spanische Wegschnecken leben nur ein Jahr, sterben mit den ersten kalten Tagen ab. Zuvor jedoch legen sie im Herbst an verschiedenen Stellen jeweils 80 bis 100 Eier ab, insgesamt zwischen 400 und 500. Noch im Herbst schlüpfen kleine gelbliche Schnecken, die sich im Winter in tiefere Bodenschichten verziehen. Sobald es die Witterung erlaubt, kommen sie im Frühling nach oben, um zu fressen und zu wachsen. Im zeitigen Frühjahr sind die Jungtiere noch hell cremefarben bis hellbraun und markant gestreift, somit also gut zu erkennen. Man kann den Schnecken auch Verstecke anbieten, also große Steine und Bretter im Beet auslegen, unter denen sie sich gerne sammeln. Oder man geht mit dem Eimer, wenn es geregnet hat und alles feucht ist, durch den Garten und sammelt die Schnecken ab. Diese mit kochendem Wasser zu übergießen sei die schnellste Art, sie zu töten, sagt Heike Reise.

Bierfallenfunktionieren, locken aber nicht nur Schnecken aus einem weiten Umkreis an, sondern auch Nützlinge wie Bienen und Käfer. Auch diverse Schutzmaßnahmen wie filzige Wolle um Pflanzen auslegen, einen dicken Wall an Sägespänen oder Kalk ausstreuen funktionieren nur punktuell und nach ausgiebigem Regen wieder nicht.

Schneckenzäune aus Metallblech oder auch Drahtgewebe, die an der Oberkante halbrund oder winklig nach außen umgebogen sind, können bei Gemüsebeeten eine Hilfe zur Abwehr sein. Allerdings dürfen sie keine Lücke haben, müssen tief genug (etwa 15 cm) eingegraben sein. Zudem sollte man darauf achten, dass durch überhängende Blätter keine Brücken entstehen.

Schneckenkorn sollte das letzte Mittel der Wahl sein. Denn an dem gehen nicht nur die Spanischen Wegschnecken, sondern alle Schnecken zugrunde. Mittel, die Eisen-III-Phosphat enthalten, sind regenfest und bewirken schnell einen Fraßstopp bei den Schnecken. Diese ziehen sich in Ihre Verstecke zurück und verenden. Bei metaldehydhaltigen Schneckenkörnern verenden die Schnecken vor Ort und Schleimen aus. Durch unsachgemäße Anwendung kann das u.a. auch Igeln gefährlich werden.

Das Umweltbundesamt empfiehlt Parasitäre Nematoden. Diese winzigen Fadenwürmer seien „für Menschen und Haustiere vollkommen ungefährlich. Sie werden mit Wasser auf den Boden ausgebracht und jagen als Larven im Boden aktiv nach Schnecken, um sich in ihrem Inneren zu vermehren. Das Bakterium, das sie dabei abgeben, tötet die Schnecke. Kaufen kann man sie in Gartencentern, im Baumarkt oder im Internet.

Schneckenarten im Garten

Es gibt mehr als 170 verschiedene Schneckenarten. Die meisten sind für den Garten harmlos oder sogar nützlich.

Die häufigsten Schneckenarten, die man im Garten antreffen kann, sind die

Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis)

Weinbergschnecke (Helix pomatia)

Gemeine Schließmundschnecke (Alinda biplicata)

Gefleckte Schüsselschnecke (Discus rotundatus)

Gemeine Glattschnecke (Cochlicopa lubrica

Gemeine Wegschnecke (Arion distinctus)

Gelbstreifige Wegschnecke (Arion fasciatus)

Graue Wegschnecke (Arion circumscriptus)

Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris)

Tigerschnegel (Limax maximus)

Mittelmeer-Ackerschnecke (Deroceras invadens)

Genetzte Ackerschnecke (Deroceras reticulatum)

Gemeine Haarschnecke (Trochulus hispidus)

Keller-Glanzschnecke (Oxychilus cellarius)

Große Glanzschnecke (Oxychilus draparnaudi).

Quelle: Senckenberg

Von Catrin Steinbach