Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Der Norden Niedersachsen bewaffnen sich – mehr Waffenscheine und Besitzkarten
Nachrichten Der Norden Niedersachsen bewaffnen sich – mehr Waffenscheine und Besitzkarten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 18.08.2019
Schreckschusspistolen sehen scharfen Waffen oft zum Verwechseln ähnlich. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Hannover

Immer mehr Menschen in Niedersachsen sind im Besitz eines Kleinen Waffenscheins. Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Zahl der Berechtigungen für Schreckschusswaffen im Land fast verdreifacht. 2014 waren noch 24 178 Kleine Waffenscheine im nationalen Waffenregister gespeichert. Ende Juni dieses Jahres waren es bereits 64 265, wie das Innenministerium auf Anfrage mitteilte. Allein im ersten Halbjahr 2019 stieg die Zahl demnach um rund 6 Prozent. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt, dass auch Schreckschusswaffen keinesfalls harmlos seien.

Ministerium hält sich mit Deutung zurück

Als möglicher Grund für die Zunahme war in den vergangenen Jahren etwa die Verunsicherung durch Terroranschläge genannt worden. Das Innenministerium hält sich mit einer Deutung der Zahlen aber zurück. Was zu dem rasanten Anstieg führte, lasse sich nicht mit Sicherheit sagen, weil für den Kleinen Waffenschein kein Bedürfnis nachgewiesen werden müsse. Hinsichtlich der Entwicklung könnten folglich nur Vermutungen angestellt werden, teilte das Ministerium mit.

Auch der GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff will sich nicht auf einen Grund festlegen. „Es zeigt offenbar eine gewisse Verunsicherung in der Bevölkerung. Das subjektive Sicherheitsgefühl ist geringer geworden“, sagte er. „Bei anderen Leuten hingegen spielt nicht das Schutzbedürfnis die entscheidende Rolle, sondern Imponiergehabe.“

Umgekehrter Trend in Hannover

In Hannover ist der Trend zum Kleinen Waffenschein rückläufig. 2016 waren insgesamt 1437 Berechtigungen ausgestellt worden – nach 235 im Jahr zuvor. 2017 waren es 581 Bescheinigungen, wie die Stadt kürzlich mitgeteilt hatte, 2018 nur noch 406. In der ersten Jahreshälfte 2019 waren es 283 Berechtigungen.

Dass sich landesweit mehr Bürger einen Kleinen Waffenschein besorgen, sei „weiterhin kritisch zu sehen“, sagte Schilff. „Mit Waffen sollte grundsätzlich nur derjenige umgehen dürfen, der hierfür ein Bedürfnis hat – und dies mit strengen Auflagen, damit Missbrauch so weit wie möglich ausgeschlossen werden kann.“ Denn: „Viele Bürger machen sich offenbar keine Gedanken, welche Gefahren eine solche Waffe mit sich bringt.“

Der Kleine Waffenschein gilt für Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Für das Führen einer Schusswaffe reicht er nicht aus. Eine große Gefahr sei aber, dass Schreckschusswaffen scharfen Waffen oftmals täuschend ähnlich sähen, sagte Schilff. „Das erschwert der Polizei die Arbeit enorm.“ Zudem könnten auch Schreckschusswaffen zu Verletzungen führen, wenn sie aus nächster Nähe abgefeuert würden.

Auch Zahl der Waffenbesitzkarten steigt

Wer in Deutschland in der Öffentlichkeit eine Waffe führen will, benötigt außer einem Waffenschein eine Waffenbesitzkarte: Der Schein berechtigt zum Führen der Waffe, die Karte regelt Erwerb und Besitz.

Auch Waffenbesitzkarten werden in Niedersachsen gefragter, das Wachstum ist aber deutlich geringer als bei den Waffenscheinen. Ende Juni waren 247 690 Waffenbesitzkarten registriert – 9374 mehr als 2014, ein Anstieg von 3,8 Prozent.

Von Christina Sticht