Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Der Norden Sohn tötet seine Mutter im Pflegeheim
Nachrichten Der Norden Sohn tötet seine Mutter im Pflegeheim
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:11 03.05.2012
Von Karl Doeleke
 Ein 26-Jähriger muss sich wegen aktiver Sterbehilfe vor Gericht verantworten.
 Ein 26-Jähriger muss sich wegen aktiver Sterbehilfe vor Gericht verantworten. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Hannover

Hannover. Weil er seine pflegebedürftige Mutter im Heim getötet hat, muss sich demnächst ein 26 Jahre alter Mann aus Hildesheim vor dem Landgericht Braunschweig verantworten. Der Sohn ist wegen Totschlags angeklagt, wie ein Sprecher des Landgerichts sagte.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der 26-Jährige seine Mutter am 3. Januar in ihrem Bett im Pflegeheim in Wendhausen bei Braunschweig erstickt hat. Die 47-Jährige hatte bei einem Reitunfall vor acht Jahren schwere Hirnverletzungen erlitten und konnte sich seitdem nicht mehr bewegen und war auch nicht mehr ansprechbar. Sie war daher in dem Pflege- und Therapiezentrum in Wendhausen untergebracht. Bevor der Sohn seine Mutter tötete, hatte der 26-Jährige die Leitung des Pflegeheims im April vergangenen Jahres um aktive Sterbehilfe gebeten - was die Heimleitung mit Hinweis auf die geltenden Gesetze ablehnte. Laut der Anklage soll der Sohn dann beschlossen haben, seine Mutter selbst zu töten.

Bis sich der 26-Jährige dazu durchringen konnte, verging noch beinahe ein Jahr. Laut der Anklage hat der Hildesheimer seine Mutter am 3. Januar nachmittags in dem Pflegeheim im Kreis Helmstedt aufgesucht und zunächst den Beatmungsschlauch aus ihrer Luftröhre gezogen. Dann soll der Sohn den Luftröhrenschnitt mit der Hand zugehalten haben, während er gleichzeitig das Gesicht der Mutter mit einem Handtuch abdeckte und Nase und Mund minutenlang geschlossen hielt. Die Mutter ist laut Staatsanwaltschaft erstickt. Am folgenden Tag stellt sich der Sohn bei der Polizei in Hildesheim, wie Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe bestätigte. Als Motiv für die Tat habe er angegeben, dass er sich mit dem Zustand der Mutter nicht mehr abfinden konnte.

Eine Sprecherin der Betreibergesellschaft des Heims wollte sich zu dem Vorfall nicht äußern. Sie bezeichnete die Tat des 26-Jährigen als „tragischen Einzelfall“. Auch der Verteidiger des Angeklagten lehnte es vor Verhandlungsbeginn ab, über die Motive seines Mandanten zu sprechen.

Daten über Fälle von aktiver Sterbehilfe in Niedersachsen hat das Land nicht - wohl aber eine klare Position des Gesundheitsministeriums dazu: „Pflegebedürftige sollen an der Hand anderer sterben, nicht durch die Hand anderer.“

Das Verfahren vor dem Landgericht Braunschweig beginnt am 30. Mai. Dem Angeklagten drohen bei einer Verurteilung wegen Totschlags fünf Jahre Gefängnis - sollte das Gericht die Tat als „minder schweren“ Fall einstufen, mindestens ein Jahr Haft. Die Staatsanwaltschaft hat den 26-Jährigen begutachten lassen. „Er ist demnach voll schuldfähig“, sagte Oberstaatsanwalt Ziehe.

Klaus Wallbaum 04.05.2012
03.05.2012
Panorama Beschwerden gegen Schulleiter - Homosexueller Lehrer gibt auf
Saskia Döhner 02.05.2012