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Der Norden Spektakuläre Flucht nach Schüssen auf Exfreundin
Nachrichten Der Norden Spektakuläre Flucht nach Schüssen auf Exfreundin
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11:11 11.05.2012
Von Gabriele Schulte
Foto: Die Polizei bei der Spurensuche in Bad Zwischenahn. Der 26-jährige Täter hat seine Ex-Freundin niedergeschossen und ist bewaffnet auf der Flucht.
Die Polizei bei der Spurensuche in Bad Zwischenahn. Der 26-jährige Täter hat seine Ex-Freundin niedergeschossen und ist bewaffnet auf der Flucht. Quelle: dpa
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Bad Zwischenahn

Zahlreiche Schüler sind am Donnerstag Zeugen eines Beziehungsdramas geworden: Vor einer Bushaltestelle an der Hauptschule Bad Zwischenahn (Kreis Ammerland) schoss der 25 Jahre alte Kujtim Nuaj seine ein Jahr jüngere ehemalige Lebensgefährtin zweimal in die Brust. Nachdem er mit vorgehaltener Pistole ein Fluchtfahrzeug erbeutet hatte, konnte er verschwinden und wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Unterdessen verschanzten sich die 270 Mädchen und Jungen der Schule aus Angst vor einem Amoklauf im zweiten Stock des Gebäudes.

„Unser Amokplan hat funktioniert“, berichtete am Nachmittag Schulleiter Peter Röben. Da anfangs nicht klar gewesen sei, dass es keinen Zusammenhang zur Schule gab, habe man alles tun müssen, um die Sicherheit der Schüler zu gewährleisten. Kurz vor 8 Uhr, wenige Minuten vor Unterrichtsbeginn, habe eine Lehrerin, die als Frühaufsicht eingeteilt war, die Bluttat gemeldet; drei Lehrkräfte leisteten Erste Hilfe bei der Verletzten. Diese schwebte am Nachmittag nicht mehr in Lebensgefahr.

Von der 24-Jährigen hieß es zunächst, sie habe ein Kind zu der Schule gebracht. Der Schulleiter meinte jedoch, dem Kollegium sei die Frau nicht bekannt gewesen. Im Laufe des Tages stellte sich dann heraus: Der Serbe und sein Opfer, ebenfalls mit Migrationshintergrund, haben ein gemeinsames Kind im Kindergartenalter. „Es ist gerade fünf Jahre alt geworden,“ sagte ein Polizeisprecher. Die Familie, die Hartz-IV-Leistungen beziehe, sei der Polizei schon bekannt gewesen. „Es gab mehrere Fälle von häuslicher Gewalt, bei der wir einschreiten mussten.“

Als Motiv des Schützen nehmen die Ermittler an, dass Kujtim Nuaj (der sich manchmal auch als Spejtim Nuraj ausweist) die Trennung von der 24-Jährigen nicht hinnehmen wollte. Als Täter hatten ihn Polizisten schnell ausgemacht, weil er sein Auto nach einem Zusammenstoß mit einem Hindernis nahe der Bushaltestelle zurückließ. Eine Frau, die er mit vorgehaltener Pistole zur Herausgabe ihres braunen Passats zwang, konnte den Verdächtigen ebenso beschreiben wie einige unbeteiligte Beobachter. Wegen der Tatzeit kurz vor Schulanfang seien etliche Kinder Zeugen des Vorfalls geworden, sagte Schulleiter Röben. Wie viel sie außer den Schüssen mitbekommen haben, könne er noch nicht sagen.

Röben zeigte sich erleichtert, dass der – vom Kultusministerium vorgeschriebene – Amokplan hervorragend funktioniert habe, eingeschlossen die Zusammenarbeit mit Polizei, Pastoren, Landesschulbehörde und Nachbarschulen. Innerhalb von fünf Minuten seien die Außentüren verschlossen gewesen und die Kinder in das oberste Stockwerk geführt worden, ohne dass Panik ausbrach. „Ganz schnell waren Notfallseelsorger und Psychologen zur Stelle“, berichtete der Schulleiter. Diese sollen die Ereignisse am heutigen Freitag weiter mit den Schülern aufarbeiten.

Gegen halb elf seien die Kinder nach Hause geschickt worden. „An normalen Unterricht war natürlich nicht zu denken“, sagte Röben. Schon vorher hatten besorgte Eltern ihre Kinder abgeholt. Sehr viele hatten nach den ersten Radioberichten im Sekretariat angerufen und sich nach ihren Kindern erkundigt.

Während sich an der Schule Erleichterung breit machte, fahndete die Polizei in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen nach dem bewaffneten Flüchtigen. Die Ermittler vermuten, dass er sich vielleicht bei Verwandten versteckt hält.

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