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Der Norden Straßennamen auf dem Prüfstand
Nachrichten Der Norden Straßennamen auf dem Prüfstand
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14:23 23.04.2012
Umstritten: Das Straßenschild der August-Hinrichs-Straße in Oldenburg.
Umstritten: Das Straßenschild der August-Hinrichs-Straße in Oldenburg. Quelle: dpa
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Oldenburg

In zahlreichen Kommunen sind Straßen beispielsweise nach dem Sportfunktionär Carl Diem oder der Frauenrechtlerin Hedwig Heyl benannt. Doch wegen ihrer zweifelhaften Rollen in der Nazizeit sorgt das immer wieder für heftige Diskussionen. In einigen Orten sind deshalb Straßen umbenannt worden. Oldenburg und Osnabrück gehen einen anderen Weg. Dort wollen die historischen Hintergründe zunächst systematisch untersucht werden.

In Oldenburg sollen Geschichtswissenschaftler die Namenspatronen und ihren historischen Hintergrund bewerten. „Es gibt einige Namen, wo sofort klar ist, dass diese strittig sind“, sagt Stadtsprecher Andreas van Hooven. Dazu gehört neben Hedwig Heyl auch August Hinrichs, der Leiter der Reichsschrifttumskammer im Gebiet Weser-Ems war. Doch es gebe auch Namensgeber, deren Rolle im Dritten Reich nicht so eindeutig gewesen sei, sagte van Hooven. Die Studie soll eine Grundlage schaffen, um über die Umbenennung von Straßen zu diskutieren. Die Uni wird voraussichtlich im Sommer damit starten.

Ähnliches ist auch in Osnabrück geplant. Nach Willen von SPD und Grünen soll die Stadt alle Straßen- und Platznamen, die geschichtlich belastet sind, im Internet auflisten. „Wir wollen, dass eine öffentliche Diskussion darüber entsteht“, sagte der Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Heiko Schulze. Eine mit Fachleuten und Bürgern besetzte Kommission könnte dann Empfehlungen ausarbeiten, ob Straßen umbenannt oder das Straßenschild um biografische Details ergänzt wird. Am Dienstag soll der Stadtrat über den Antrag entscheiden, der bereits mit den anderen Fraktionen abgestimmt ist.

Auch in Bremen sind Hedwig Heyl, August Hinrichs und anderen umstrittenen Persönlichkeiten Straßen gewidmet. Die Landesregierung hat aber nicht vor, diese umfassend zu überprüfen. Über Umbenennungen müssten die einzelnen Stadtteile selbst entscheiden, sagte die Sprecherin des Bau- und Verkehrsressorts, Brigitte Köhnlein.

Erst kürzlich erregte die Statue des ehemaligen Bürgermeisters Johann Smidt im Rathaus die Gemüter. Denn dieser war nicht nur ein bedeutender Staatsmann, sondern auch Antisemit. Die Landesregierung ließ deshalb ein Schild an dem Standbild anbringen, das auf Smidts Judenhass hinweist. Die nach ihm benannte Straße und die Brücke dürfen jedoch weiter so stehen bleiben. Eine Ergänzung der Schilder oder eine Umbenennung sind nach Angaben von Köhnlein bislang nicht vorgesehen.

dpa/kas

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