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Der Norden Stress im Job kann herzkrank machen
Nachrichten Der Norden Stress im Job kann herzkrank machen
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20:49 17.05.2012
Von Saskia Döhner
Wenn die Arbeit zur Abwärtsspirale wird: Die Zahl der psychisch Kranken steigt. dpa
Wenn die Arbeit zur Abwärtsspirale wird: Die Zahl der psychisch Kranken steigt. dpa Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Fast jeder zehnte Beschäftigte in Niedersachsen hat nach einer Studie der Deutschen Angestellten-Kasse (DAK) Stress im Job. Und Arbeitsstress macht krank, auch herzkrank. Nicht nur die klassischen Faktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht und Rauchen steigerten das Herzinfarktrisiko, warnt DAK-Landeschefin Regina Schulz, sondern auch die zunehmende psychischen Belastung.

Auf die Psyche schlagen nach dem am Mittwoch in Hannover vorgestellten DAK-Gesundheitsreport fehlendes Lob, widersprüchliche Anweisungen der Vorgesetzten, ein stetig wachsendes Arbeitsvolumen, Zeitdruck, schlechte Bezahlung, aber auch häufige Unterbrechungen etwa durch neue E-Mails oder Telefonanrufe. Wer gestresst ist, schläft schlecht und leidet häufig unter Kopfschmerzen.

Für viele Arbeitnehmer ist das Verhältnis von beruflichem Engagement und Belohnung nicht mehr ausgewogen. Betroffen sind besonders Facharbeiter, seltener Selbstständige oder Beamte im höheren Dienst.

Auch die Zahl der psychischen Erkrankungen wie Depression, Angststörung oder Burnoutsyndrom steigt. Im vergangenen Jahr gab es 21 Prozent mehr Fehltage als 2010. Als Ursache für die Krankschreibungen sind psychische Krankheiten nach Muskel-Skelett- und Atemwegserkrankungen jetzt schon an dritter Stelle. Seelische Krankheiten sind langwierig. Im Schnitt fehlt ein Arbeitnehmer damit rund 30 Tage. Ein gutes Betriebsklima, Vertrauen zu den Kollegen, eine gute Führungskultur und familienfreundliche Arbeitsplätze schützten vor Stress, sagt DAK-Chefin Schulz.

Hausärzte würden psychische Erkrankungen mittlerweile eher erkennen als früher, sagt DAK-Vertragschef Hans-Joachim Mahlke. Die Erkenntnis, dass durch psychischen Stress das Herzinfarktrisiko um die Hälfte steige, rüttele viele Patienten wach, sagt Uwe Taber, Allgemeinmediziner aus Wolfenbüttel. „Oft ändern sie danach radikal ihr Leben.“

Insgesamt war der Krankenstand in Niedersachsen 2011 so hoch wie seit 15 Jahren nicht. Er liegt laut DAK-Report, für den mehr als 300 Beschäftigte befragt wurden, bei 3,6 Prozent und entspricht damit dem Bundesschnitt. Ein krankgeschriebener Arbeitnehmer fehlte in der Regel 13 Tage. Im Vergleich zu 2006 ist ein Beschäftigter mittlerweile ein bis zwei Tage länger krank. Nicht nur Grippe- und Noro-Virus-Wellen oder kalte, nasse Winter lassen die Krankenzahlen in die Höhe schnellen. Ebenso wichtig ist laut DAK-Studie die Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Durch neue Techniken wie Smartphones seien immer mehr Erwerbstätige ständig erreichbar, sagt Schulz. Wie Fernsehgeräte seien auch Arbeitnehmer heute immer häufiger auf „standby“ geschaltet. Der demografische Wandel ist mittlerweile auch in den Betrieben angekommen. Die Belegschaften sind deutlich älter als vor zehn Jahren, und mit dem Alter nimmt auch das Erkrankungsrisiko zu. Schulz spricht von einer doppelten Herausforderung: Unternehmen müssten Ältere länger gesund im Job halten und gleichzeitig junge Fachkräfte an sich binden.

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