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Der Norden Was uns verbindet
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00:19 15.05.2014
Von Reinhard Urschel
Freiwillig am Start: Helfer der Feuerwehr beim Elbhochwasser in Niedersachsen. Quelle: dpa
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Der Niedersachse an sich ist bekanntlich kein Rheinländer, also macht er sich auch nicht jeden Tag Gedanken darüber, wie er es denn mit seinen Mitmenschen so hält. Im tiefen Westen der Republik singt man auch außerhalb des Karnevals „Echte Fründe ston zesamme“, weshalb der Gemeinsinn dort besonders stark sein sollte. Das ist aber gar nicht so, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung jetzt ans Tageslicht förderte. Vielmehr ist das Vertrauen der Rheinländer in ihre Mitmenschen eher so lala, in Niedersachsen ziemlich mau, und – große Überraschung – im Osten trübselig.

Die Stiftung kümmert sich schon seit Langem um die sozialen Netzwerke in Deutschland, weshalb sie alle paar Jahre Wissenschaftler untersuchen lässt, wie es mit dem Zusammenhalt bestellt ist. Obwohl der römische Geschichtsschreiber Tacitus schon vor Jahrhunderten voll Bewunderung geschildert hat, dass die Germanen als solche vor allem ihre Sittsamkeit und ihr Gemeinsinn auszeichne, gibt es bei den Nachfahren der Stämme erstaunliche Unterschiede.

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In Hamburg, Bremen und dem Saarland ist das Netz der sozialen Beziehungen besonders eng geknüpft, wohingegen die Menschen im Osten der Republik wenig Vertrauen in ihre Mitmenschen hegen. Die Forscher geben ein wenig halbherzig die Erklärung vor, das sei halt so bei Menschen aus ehemaligen sozialistischen Ländern, weil das gesellschaftliche Klima da in grauen Zeiten von Misstrauen geprägt gewesen sei. Bei genauem Hinsehen fällt aber auf, dass die Familienbande in den neuen Bundesländern immer noch eng sind, der eher fernere Mitmensch aber mit umso mehr Argwohn betrachtet wird.

In Niedersachsen ist das Bild, man kann es nicht beschönigen, diffus. In keinem westdeutschen Bundesland ist das Vertrauen in den Mitmenschen aktuell so gering wie hier. Dafür hegen die niedersächsischen Landeskinder ein tiefes Vertrauen in die gesellschaftlichen und staatlichen Institutionen, sie zeigen also eine hohe Verbundenheit mit dem Gemeinwesen. Im Osten ist dieser innere Abstand zwischen Gemeinwesen und Individuum 25 Jahre nach dem Fall der Mauer so groß wie nie, im Rest der Republik wird es allerdings immer besser.

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