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Der Norden „Die Berufsschulen brauchen sofort 500 Lehrerstellen“
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20:15 09.04.2019
„Der Mangel ist eklatant“: Joachim Maiß, Leiter der Multi-Media-BBS in Hannover und stellvertretender Bundesvorsitzender des Berufsschullehrerverbandes, fordert 500 Lehrer für die Berufsschulen als Soforthilfe vom Land. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Die 134 Berufsbildenden Schulen in Niedersachsen schlagen Alarm. „Der Lehrermangel ist eklatant“, mahnt Joachim Maiß, Landesvorsitzender des Berufsschullehrerverbandes und Vizechef auf Bundesebene. Seit Jahren liege die Unterrichtsversorgung unter 90 Prozent. In den nächsten Jahren werden 60.000 Berufsschullehrer in den Ruhestand gehen, ausgebildet werden bundesweit aber nur 2000 Nachwuchskräfte pro Jahr.

Lehrerverband fordert 50 Millionen Euro vom Land

Um den Unterrichtsanspruch für Jugendliche in der beruflichen Bildung zu gewährleisten, müsste das Land sofort 1000 Berufsschullehrer einstellen, sagt Maiß, selbst Leiter der Multi-Media-BBS an der Expo-Plaza in Hannover. Da es so viele Pädagogen auf dem Markt gar nicht gebe, müsste Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) wenigstens 500 neue Berufsschullehrer so schnell wie möglich einstellen. Um die dauerhaft zu finanzieren, seien pro Jahr 50 Millionen Euro zusätzlich nötig.

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„Das System BBS ist ausgehöhlt“

Die Berufsschulen sehen sich chronisch benachteiligt: An den allgemeinbildenden Schulen gebe es immer mehr Stellen, an den Berufsschulen seien dagegen seit 2012 knapp 400 Stellen gestrichen worden. Für die Umsetzung der Inklusion hätten die Berufsschulen – anders als die allgemeinbildenden Schulen – keinerlei Extrastellen bekommen.

Auch der großen Koalition sei es bislang nicht gelungen, mehr Stellen zu schaffen, sondern gerade einmal weitere Stellenstreichungen zu verhindern. Dann seien auch noch die Haushaltsüberschüsse der Schulen aus den Vorjahren gekürzt worden. „Die geforderten 500 Stellen bilden die Grundlagen, um die berufliche Bildung nicht vollends abzuhängen“, sagt Maiß.

Das Kultusministerium weist darauf hin, dass die Schulbudgets jetzt doch noch um zehn Millionen Euro aufgestockt werden. Zudem habe sich die Unterrichtsversorgung zum zweiten Mal in Folge leicht verbessert, sie sei um 1,3 Prozentpunkte auf 90,7 Prozent gestiegen. Das sei sehr positiv, wenn auch nicht zufriedenstellend, sagt Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Zuletzt seien 546 neue Lehrer eingestellt worden.

Entscheidend sei auch nicht so sehr der statistische Wert der Unterrichtsversorgung, da die berufsbildenden Schulen je nach Größe ein Budget an Lehrersollstunden erhielten, über das sie frei und flexibel verfügen könnten. Ziel sei die wohnortnahe Beschulung der Azubis. Kleine Klassen in bestimmten Ausbildungsberufen würden bewusst in Kauf genommen, auch wenn dies rein rechnerisch den Wert der Unterrichtsversorgung senke.

Maiß kann wenig Positives erkennen. Das System BBS sei mittlerweile so ausgehöhlt, dass neue Herausforderungen wie Digitalisierung kaum umgesetzt werden könnten. Wenn die Auszubildenden nicht mehr ordentlich unterrichtet werden könnten, spürten das auch die Unternehmen.

Sprintklassen gibt es jetzt dauerhaft

Da helfe es auch wenig, dass die Sprint- und Sprint-dual-Klassen, in denen Flüchtlinge Deutsch lernen, ab Sommer Regelangebote der Berufsschulen werden, betont der Schulleiter. Bislang waren es zeitlich befristete Modellprojekte. 2016 hatten rund 4000 Jugendliche in Niedersachsen Sprintklassen genutzt, zuletzt waren es nur noch 1400.

Von Saskia Döhner

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