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Der Norden Darum radelt ein Stader Bischof von Schottland nach Israel
Nachrichten Der Norden Darum radelt ein Stader Bischof von Schottland nach Israel
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18:46 18.08.2019
20 Kilogramm Gepäck, ein Fahrrad mit guter Schaltung und Ritzel für Berganstiege: Landessuperintendent Christian Brandy während seiner Pilgerreise auf einer Flussfähre. Quelle: Christian Brandy
Hannover

Er kennt jetzt sehr genau die Asphaltqualitäten Irlands, Englands, Frankreichs, der Schweiz, Italiens und die Griechenlands. Denn er fährt und fährt und fährt. Im Durchschnitt mehr als 14 Kilometer die Stunde. Und immer wieder bergauf. Hans Christian Brandy, Regionalbischof in Stade, hat sich ein sehr schweißtreibendes „Sabbatical“ gegönnt. Der 60-Jährige radelt quer durch Europa bis nach Jerusalem – vom schottischen Iona nach Israel. 5000 Kilometer hat er bereits zurückgelegt. „Diese ganze Tour ist ein Gottesgeschenk“, sagt er.

Startpunkt der Pilgerreise nach Jerusalem: Das Kloster auf der schottischen Insel Iona. Quelle: Christian Brandy

Fast drei Jahre sei er mit der Idee schwanger gegangen, per Rad geistliche Orte anzusteuern, Klöster und Kirchen zu besuchen, die ihn faszinieren, sagt der Theologe. Eine Ruhepause hatte er sich vorher in seinem 35-jährigen Berufsleben noch nicht gegönnt. Doch viele Kollegen, auch Landesbischof Ralf Meister, hätten ihn ermutigt, für elf Wochen aus- und aufs Rad zu steigen. Schließlich hat die Landeskirche das Jahr 2019 zum „Jahr der Freiräume“ erklärt.

Auf dem Fahrrad ist der Bischof den Elementen ausgesetzt

Dazu ermöglicht die Landeskirche ihren Pastoren, Diakonen und Kirchenmusikern alle sieben Jahre, für einige Wochen eine Studienzeit zu nehmen, um neue Kraft und Ideen zu bekommen. Viele Pastoren nutzen ein solches „Sabbatical“, das stets mit einem Projekt verbunden sein muss, um ihren Studienkenntnisse aufzufrischen, etwa an der Universität Göttingen. Brandy schwang sich aufs Fahrrad. „Ich möchte Erfahrungen mit Leib, Seele und Geist machen, mit der Natur, mit mir selbst, mit anderen Menschen und mit Gott“, notierte er.

Erfahrungen hat er vor allem mit den Elementen gemacht, denen er meist ungeschützt ausgesetzt ist. In einem Blog schreibt er abends seine Erlebnisse auf, wenn er nicht gerade gegen mit Regen vermischten Wind von vorne ankämpft (Irland) oder die brütende Hitze erleidet (Italien) oder Steigungen, die überall in Europa zu finden sind. Und doch, es macht riesengroßen Spaß. „Unglaublich! Ich kann es kaum fassen und fühle mich jetzt wirklich im Flow“, schreibt er in seinem Blog.

Die Fahrradtour beginnt mit einer Schreckminute

Angekommen in Glasgow. Quelle: Christian Brandy

Am 17. Juni hat Brandy seine Tour in Schottland gestartet – und gleich ein paar Schreckensminuten erlebt. Denn auf der Zugfahrt von Glasgow Richtung Iona bewegten sich der Regionalbischof und sein sorgsam verpacktes Fahrrad plötzlich in verschiedene Richtungen, da der Zug auf der Strecke geteilt worden war und Brandy in der falschen Abteilung saß.

Eine Radtour ohne Rad – ein denkbar schlechter Auftakt einer Pilgerreise. Doch Brandy erlebte auch die unheimlich große Hilfsbereitschaft der schottischen Mitreisenden, die mit ihm beratschlagten, wie die Panne repariert werden könnte. Schließlich reiste er mit einem Taxi zu dem Ort, an dem sein Fahrrad am Bahnhof ausgeladen worden war.

20 Kilogramm Gepäck hat der Bischof dabei

Brandy reist übrigens mit einem älteren Stevens-Rad, so viel sei allen Fahrradfreunden mitgeteilt, „mit einer guten Shimano-XT-Schaltung“ mit neuer Kette, neuen Reifen und einem etwas größeren Ritzel, das sich besonders an den vielen Steigungen ausgezahlt hat. In zwei Satteltaschen verstaute er 20 Kilo Gepäck: Wenig Kleidung, Campingutensilien, ein Handy als Universalhelfer, ein Ipad zum Bloggen, sowie Fahrradreparaturwerkzeug.

Am Canal de Bourgogne, an dem der Theologe etwa 200 Kilometer entlang radelte, schaltete sich plötzlich das Handy ab. Kurze Panik, denn das Gerät sei eminent wichtig, notierte Brandy in seinem Blog: „Streckenfindung, Zimmer- und Campingplatzsuche, Wettervorhersage, Infos über die Orte, an denen ich bin, Kamera, Bibel, jede Form von Problemlösung.“

Auf seiner Route steuert der Bischof viele Kirchen an

Darf auf einer Pilgerreise nicht fehlen: Der Petersdom in Rom. Quelle: Christian Brandy

Wichtiger waren natürlich die heiligen Orte, die der evangelische Geistliche ansteuerte. In Iona besuchte er die ökumenische Kommunität, die dort lebt, in zahlreichen englischen Kathedralen nahm er an wunderschönen Evensongs teil, das sind besondere Abendgebete mit Psalmengesängen, die dort gepflegt werden. An der Notre-Dame in Paris stand er vor einer geschlossenen Ruine, in der Klostergemeinschaft Taizé betete und feierte er Gottesdienste mit Jugendlichen.

Auch in den Klöstern Cluny und Citeaux, das als Mutterkloster aller Zisterzienser gilt (die auch in Loccum siedelten) war er zu Gast. Und wenn er konnte, radelte er auch hin und wieder in die Oper, in London, in Paris und in Rom. Natürlich fehlte auch hier nicht der Petersdom, obwohl er auf den Petersplatz wegen des mit Gepäck bestückten Fahrrades nicht konnte.

„Manchmal waren Engel an der Straße“: Gemeint sind Menschen wie diese griechische Wirtin. Quelle: Christian Brandy

Nun sitzt er in Griechenland und will Ende der Woche nach Israel fliegen, wo er auch seine Frau treffen wolle. Er hätte gerne eine Fähre genommen, doch die fahre leider nicht mehr. Das Rad muss er vor dem Flug auseinander nehmen und zu einem Paket schnüren.

Die Menschen unterwegs sind wie „Engel an der Straße“

Und was hat er gelernt auf seiner riesigen Tour? „Manchmal hatte ich das Gefühl, es waren Engel an der Straße“, sagt Brandy. Und erzählt von der überaus gastfreundlichen griechischen Wirtin, die ihm umsonst einen Salat kredenzte, hilfsbereiten Menschen, die ihm immer wieder den Weg wiesen, Menschen, die ihn ermunterten – und auch Gottesbegegnungen an den spirituellen Orten. Eine „uneingeschränkt glückliche Zeit“, notierte der radelnde Bischof vor wenigen Tagen, „geht langsam zu Ende“.

Die Stader warten. „Die Zahl der dienstlichen Mails nimmt zu“, notiert er knapp.

Von Michael B. Berger

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