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Der Norden Nach Wien-Attentat: Razzien bei Islamisten in Niedersachsen
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Wien-Attentat: Wohnungen von Islamisten in Niedersachsen durchsucht

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18:47 06.11.2020
Polizisten stehen im Rahmen einer Durchsuchung vor einem Wohnhaus. Quelle: Festim Beqiri/dpa
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Osnabrück/Bremen/Karlsruhe

Nach dem islamistischen Terroranschlag von Wien haben Ermittler die Wohnungen von vier jungen Männern in Deutschland durchsucht. Dazu zählten auch zwei Männer in Osnabrück. Sie gelten nicht als tatverdächtig, sollen aber direkt oder indirekt Verbindungen zu dem österreichischen Attentäter gehabt haben.

Zwei der vier Männer sollen ihn im Sommer sogar in Wien getroffen haben, wie Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt (BKA) mitteilten. Festnahmen habe es nicht gegeben. Ein Durchsuchung bei einem mutmaßlichen Salafisten am Freitag in Bremen gehört ebenfalls zu diesen Ermittlungen.

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Anhänger des IS hatte in Wien vier Menschen getötet

Ein Anhänger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hatte am Montagabend in der österreichischen Hauptstadt vier Menschen getötet und mehr als 20 Menschen zum Teil schwer verletzt, bevor er selbst durch Polizeischüsse starb. Der 20-jährige Attentäter war nach Überzeugung der Ermittler Teil eines radikal-islamistischen Netzwerks, das über Österreich hinausreicht.

Auch die vier Männer aus Deutschland, die zwischen 19 und 25 Jahre alt sind, werden von Ermittlern zur Islamistenszene gerechnet, wie die Deutsche Presse-Agentur in Karlsruhe erfuhr. In Osnabrück durchsuchte ein Großaufgebot der Polizei zwei Mehrfamilienhäuser, die etwa einen Kilometer voneinander entfernt liegen.

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Augenzeugen sahen gegen Mittag, wie die morgens aufgebrochenen Türen ersetzt wurden. Die Polizisten hielten noch mehrere Stunden an den Häusern Wache. Angaben zu den Zielpersonen wurden nicht gemacht. Neben Osnabrück fanden Durchsuchungen in Kassel sowie im Kreis Pinneberg (Schleswig-Holstein) statt.

Männer aus Kassel und Osnabrück sollen sich mit Attentäter getroffen haben

Der Mann aus Kassel und einer der Osnabrücker waren vom 16. bis 20 Juli in Wien. Dort hätten sie sich mehrmals mit dem späteren Attentäter getroffen. Einer der beiden sei sogar bei ihm untergebracht gewesen, hieß es aus Sicherheitskreisen. Außerdem habe es Kontakt über einen Messenger-Dienst gegeben.

Auch der dritte Mann soll laut Bundesanwaltschaft und BKA über das Internet Kontakt zu dem Attentäter gehabt haben. Der Vierte hatte demnach keine direkte Verbindung, soll aber mit Kontaktpersonen des Mannes ebenfalls übers Internet kommuniziert haben.

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In Bremen wurden in der Wohnung eines 18-Jährigen Datenträger sichergestellt, wie die Polizei mitteilte. Der Mann habe in Kontakt gestanden zu den vier anderen Männern in Deutschland. Er habe aber keine direkte Verbindung zu dem Wiener Attentäter gehabt.

Zwei Männer schon länger im Blick der Polizei

Die Bremer Polizei sprach von intensiven Kontakten des jungen Mannes in die islamistisch-salafistische Szene. „Die Bedrohung durch islamistisch motivierte Terroristen oder Einzeltäter hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland weiter erhöht. Es besteht eine anhaltend hohe Gefahr, dass es zu islamistisch motivierten Gewalttaten kommt“, so Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD).

Mindestens zwei der Männer hatten die deutschen Sicherheitsbehörden dem Vernehmen nach schon länger auf dem Schirm. Bei den Durchsuchungen ging es laut Bundesanwaltschaft und BKA um die Sicherstellung möglicher Beweismittel.

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Derzeit werden die vier Männer bislang als Zeugen geführt. Es seien hauptsächlich Kommunikationsmittel beschlagnahmt worden, die nun ausgewertet werden müssten. Der Generalbundesanwalt führt der Mitteilung zufolge im Zusammenhang mit dem Wiener Anschlag vom 2. November ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt.

Von RND/lni