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Kultur Creedence Clearwater Revival in Woodstock – Nach 50 Jahren erscheint das legendäre Konzert
Nachrichten Kultur Creedence Clearwater Revival in Woodstock – Nach 50 Jahren erscheint das legendäre Konzert
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10:20 19.08.2019
“Don’t go around tonight, for it’s bound to take your life“: Creedence Clearwater Revival (v. l. Tom Fogerty, Stu Cook, Doug Clifford, Tom Fogerty) auf dem Plattencover von „Live at Woodstock“. Quelle: Craft Recordings
New York

Woodstock, Zauberwort, Zauberort. Das Konzert der Konzerte, Tage voller Frieden und Musik. Vom 15. bis 18. August 1969 war das Festival der Ritterschlag für viele der teilnehmenden Künstler, erst danach wurden sie zu Stars und Superstars. Für das kalifornische Quartett Creedence Clearwater Revival lag die Sache indes anders (ähnlich wie für die britische Band The Who, die hier ihre Rockoper „Tommy“ aufführte).

CCR, wie sie abgekürzt wurden, waren eine Band mit Hits: „Proud Mary“, von Bob Dylan als „bester Song des Jahres“ bezeichnet, war der Ohrwurm des Frühlings 1969 gewesen. Und als im Sommer Woodstock stieg, pfiff die ganze Welt gerade „Bad Moon Rising“, den Rock’n’Roll-Song vom Werwolfsmond, auf dem ja knapp einen Monat zuvor die Astronauten von Apollo 11 gelandet waren. Creedence waren entsprechend die Headliner des Woodstock-Samstagabends. So die Planung.

Großer Woodstock-Auftritt – der auf dem Album und im Film fehlte

Auf dem 1970 veröffentlichten „Woodstock“-Album wurden CCR dann aber ebenso vermisst wie im Film. Es schien, als wäre die Band nie in Bethel gewesen. Erstmals tauchten vier Creedence-Stücke auf der 1994 erschienenen erweiterten „Woodstock“-Box zum 25. Jahrestag des Festivals auf. Es habe Ärger hinter den Kulissen gegeben, hieß es.

Verzögerungen im Auf- und Abbau hatten den Auftritt von John Fogerty und seiner Truppe über alle Toleranzzeiten hinausgezögert. Und dann waren da noch direkt vorm CCR-Gig The Grateful Dead mit ihren „üblichen Spielereien“ (Fogerty) gewesen, die ihren Auftritt enorm überdehnt hatten. Also gingen CCR nach Mitternacht auf die Bühne, als sich viele Fans schon aufs Lager geworfen hatten und die noch Anwesenden an den Schlafsack dachten. Auch der Ansager, der anfangs um ein „Willkommen“ der Fans für die Band bat, klang schon ziemlich geschlaucht.

Erst 50 Jahre später erscheint der komplette Woodstock-Gig von CCR

Der Ärger war indes nicht künstlerischer Natur. Die Plattenfirma habe gegen eine Veröffentlichung gestimmt – womöglich, weil Fantasy-Records, die mit CCR einen legendär üblen Knebelvertrag geschlossen hatten, ihre Goldgans nicht auf dem Konkurrenzlabel Atlantic Records untergebracht wissen wollten.

50 Jahre später ist nun Creedence‘ ganze Woodstock-Stunde auf CD und Doppelvinyl erschienen, und man hört eine Band, die sich kein bisschen darum schert, wie spät es ist und wer etwa schon im Schlafsack schlummert. Die Brüder John und Tom Fogerty (Gitarren), Stu Cook (Bass) und Doug Clifford (Schlagzeug) rocken, als ginge es um alles.

CCR in Woodstock – Der Geist des Rock’n’Roll ist allzeit spürbar

Mit dem taumelnden „Born on the Bayou“, dem Titelsong ihres im Januar 1969 veröffentlichten zweiten Albums „Bayou Country“, legen sie los. Fogerty schreit heiser über die Mysterien des Südens. Es folgt „Green River“, das Leitstück ihres gerade erst erschienenen dritten Albums, dann kommt Wilson Picketts „Ninety-Nine and a Half (Won’t Do)“. Mit „Bootleg“ und „Commotion“ geht es weiter, bevor – mitten im Konzert und nicht etwa zum Abschluss – die Singlehits „Bad Moon Rising“ (gut zwei Minuten) und „Proud Mary“ (vier Minuten) gereicht werden.

Blues-Coverversionen von Screaming Jay Hawkins‘ Gruselstück „I Put A Spell On You“, und Bluespianist Roosevelt Sykes‘ die späte Stunde als beste aller Stundes beschwörendes „Night Time ist the Right Time“ schließen sich an, dann schließt das Album mit über zehnminütigen, ekstatischen Versionen von „Keep on Chooglin‘“ (rasant) und „Suzie Q“ (groovend) ab.

Elf Kracher von straffen Miniaturen bis zu solistischen Eskapaden – man spürt, wie die müden Geister im Publikum immer beseelter werden, wie CCR die Nacht zum Tage machen. Der Sound der Aufnahmen ist gut, wenn auch nicht grandios, der Geist des Rock’n’Roll ist allzeit spürbar.

John Fogerty: „Wir waren das nächstgrößte Ding unter den Beatles

„Als wir nach Woodstock kamen, hielten wir uns für die rangerste Band“, erinnerte sich Fogerty im Magazin „Classic Rock“ an den Auftritt in Bethel. „In der Annahme, dass die Beatles Gott waren, dachte ich, dass wir das nächstgrößte Ding unter ihnen wären!“

Beim Jubiläumsfestival vom 16. bis 18. August 2019 wollte Fogerty das Set von 1969 noch einmal aufführen. Dann aber fiel das von organisatorischen Debakeln begleitete „Woodstock 50“ in letzter Sekunde ins Wasser. Entstand damals aus dem Chaos heraus ein mythischer Moment der Popkultur, lässt das perfektionierte Konzertgeschäft 2019 kein solches Durcheinander mehr zu.

Creedence Clearwater Revival: „Live in Woodstock“ (Craft Recordings) erscheint am 2. August

Von Matthias Halbig/RND

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