Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Kultur „Das Schöne an Wacken ist, dass dort alle Leute zusammenkommen“
Nachrichten Kultur „Das Schöne an Wacken ist, dass dort alle Leute zusammenkommen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:50 31.07.2019
Wacken-Opa Günter Jacobs feierte schon beim ersten Festival mit. Quelle: privat
Wacken

Günter Jacobs ist ein Wacken-Urgestein. Der mittlerweile 70-Jährige hat schon beim ersten Open Air, das 1990 von Holger Hübner und Thomas Jensen ins Leben gerufen wurde, mitgefeiert. Inzwischen nutzt er seine Bekanntheit als Wacken-Opa für den guten Zweck und sammelt Spenden für die gemeinnützige Organisation „Lautstark gegen Krebs“.

Sie waren auf dem ersten Wacken Open Air 1990 mit dabei. Wie war das damals?

Wir waren 800 Leute in der sogenannten Kuhle. Das war auch wirklich nur eine Kuhle. Ich sage immer, das erste Wacken war eigentlich das schönste Wacken, weil es noch alles primitiv, einfach und simpel war. Es war alles irgendwie improvisiert und trotzdem schön. Es war einfach Wacken.

Inzwischen kommen 75.000 Gäste jedes Jahr. Hatten sie damals schon den Gedanken, dass das Festival mal so groß werden könnte?

Nein, das konnte damals mit Sicherheit niemand sagen. Man hat schon gemerkt, dass irgendwo das Interesse da ist. Das hat man ja schon daran gesehen, dass beim ersten Mal 800 Leute gekommen sind und das, obwohl damals noch nicht so die Werbetrommel gerührt wurde wie Jahre später und heute.

Wie haben Sie denn damals davon erfahren, dass das Festival stattfindet?

Das ist ganz einfach. Zu der Zeit habe ich in Elmshorn gewohnt und bin durch die Gegend gefahren und habe auf einem Plakat gelesen, dass dort ein Festival stattfindet. Und dann habe ich gedacht: „Da muss man mal hin und mal gucken, was die da für Musik machen.“

Sie waren auf jedem Wacken Open Air und viele kennen Sie als den „Wacken-Opa“. Wie finden Sie den Namen?

Das ist vor ungefähr zehn Jahren entstanden. Da war ich logischerweise auch auf Wacken und da waren rundherum nur junge Leute. Alles 18-, 19-, 20-Jährige und ich war ja da nun auch schon 60 Jahre alt. Dann haben wir abends zusammengesessen und unser Bierchen getrunken in der Runde. Und dann sagt der eine: „Opa, hör mal – das ist ja klasse, dass du hier so bei uns sitzt.“ Und dann rief einer: „Das ist unser Wacken-Opa.“ Und seitdem habe ich den Namen. Ich bin den Mädchen und Jungs mit Sicherheit nicht böse drum, dass ich jetzt der Wacken Opa bin. Das bin ich halt.

Mehr zum Thema:
Warmlaufen für Wacken

Was macht das Wacken Open Air Ihrer Meinung nach aus?

Ich habe da alle möglichen Leute kennengelernt. Zum Beispiel einen Aufsichtsratsvorsitzenden aus München, einen Unternehmer aus Hamburg, einen jungen Mann aus Kanada, der eine Fischfabrik managt. Ich habe Rechtsanwälte und Ärzte getroffen, aber auch Maurer, Kfz-Mechaniker, Mitarbeiter der Müllentsorgung oder Tiefbauer. Auf Wacken sind alle gleich. Alle. Das ist das Schöne an Wacken. Man kann auch nicht erkennen, ob jemand Aufsichtsratsvorsitzender oder Tiefbauer ist, weil wir alle die gleichen Klamotten tragen und wir haben alle die gleichen Musikinteressen.

Ist das auch der Grund, warum Sie jedes Jahr wieder dorthin fahren?

Das ist einer der Gründe, warum ich jedes Jahr wieder hinfahre. Wegen der Musik, wegen der Geselligkeit und der Partys, die man da machen kann und weil man einfach nur auf nette Leute trifft. Wie sagt man so schön: „Wir sind eine Familie auf Wacken.“ Toi, toi, toi! Bis heute hat man in keiner Form über Wacken irgendwas gehört wegen Brutalitäten oder Sonstigem. Sicherlich passiert mal hier und da ein Diebstahl oder eine Körperverletzung. Das kann wohl sein. Aber man muss sich auch vorstellen, dass der Ort Wacken während des Festivals zur viertgrößten Stadt Schleswig-Holsteins wird – zumindest was die Einwohnerzahl angeht. (Anmerkung der Redaktion: Die Teilnehmerzahl beim Wacken Open Air wird auf rund 85.000 geschätzt. Dazu gehören Besucher, Mitarbeiter und Bands. Die viertgrößte Stadt Schleswig-Holstein ist Neumünster mit 79.000 Einwohnern)

Manche werfen dem Wacken Open Air vor, dass es zu kommerziell geworden ist. Wie schätzen Sie das ein?

Sicherlich war das 1990 ein kleines, schnuckeliges Festival. Alles war improvisiert Holger und Thomas konnten kaum den Mund aufkriegen da oben vor dem Mikrofon, aber heute wird uns viel geboten. Es wird uns Musik geboten auf acht Bühnen, es werden uns Bands geboten, für die wir normalerweise für jede einzelne Band vierzig bis fünfzig Euro bezahlen müssten. Die Leute beschweren sich über die Preise? Warum? Wenn man heutzutage zu Metallica geht, dann zahlt man 90 Euro und mehr für eine Karte und hier zahlen die Leute 220 Euro und kriegen 190 Bands – Duschen, Toiletten und Camping sind frei. Normalerweise muss jeder, der meckert, vorab einmal hinfahren und gucken, dass das nur eine Wiese ist und wenn die Wiese dann gesehen hat – ganz persönlich nicht, im Fernsehen oder auf Fotos – sich darüber im Klaren werden, was da alles passiert. Was das für eine Organisation ist, um alles herzurichten. Der Holger Hübner hat jetzt den Kopf bis unters Dach voll.

Mehr zum Thema:
Rockende Rentner: Altenheim-Bewohner besuchen das Wacken-Festival

Einige Wackenfans sagen, dass Ihnen das Festival inzwischen zu groß geworden ist.

Man kann natürlich auch ein kleines Festival machen mit 4000 oder 5000 Leuten. Das ist wohl wunderschön. Aber dann muss man auch die Abstriche machen. Man lässt Bands weg, man lässt den Mittelaltermarkt weg, man lässt den Metalmarkt weg, man lässt einen Teil der Organisationen so wie DKMS oder die Krebshilfe Schleswig-Holstein weg. Dann kann man ein kleines Festival machen und jeder zahlt 600 Euro. Und dann möchte ich die Leute jammern hören. Wenn man mal bedenkt, was Holger Hübner und Thomas Jensen da jedes Jahr auf die Beine stellen. Jedes Jahr stehen sie vor der großen Frage stehen, ob das Festival auch ausverkauft ist oder nur 60 Prozent der Tickets verkauft wurden. Das war ja schon mal. Wenn die beiden seinerzeit nicht Hilfe gehabt hätten, dann wären sie pleite gewesen.

Gab es auch mal einen Moment, an dem sie keine Lust mehr hatten, auf das Wacken zu fahren?

Nein! Nein, das hat es nie gegeben. Im Gegenteil – Ich habe meine Frau vor sieben Jahren kennengelernt und habe zu ihr gesagt, wenn wir zusammenbleiben möchten, dann hast du nur eine Möglichkeit. Diese eine Woche Wacken ist meine Woche - ganz gleich, was du vorhast. Gut, dann ist sie mitgekommen und hat gesagt: „Jawoll, einmal Wacken immer Wacken.“

Welche Konzerte sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Da schießen mir gleich die Tränen in die Augen. Das ist Lemmy. Motörhead wird es in der Form einfach nie wieder geben. Leider Gottes. Und deswegen haben wir auch von „Lautstark gegen Krebs“ auf unseren T-Shirts Lemmy hinten als Aufnäher mit drauf.

Mehr zum Thema:
Wacken Open Air vorübergehend geräumt: Unwetter unterbricht Festival

Wann haben Sie die „Lautstark gegen Krebs“-Aktion begonnen?

Das ging im vergangenen Jahr los. Wir haben Freunde in Kiel, mit denen wir 2017 über Weihnachten in Ägypten waren. Wir kamen am 27. Dezember wieder, am 5. Januar ist der Mann ins Krankenhaus gekommen und bei ihm wurde Lungenkrebs im Endstadium diagnostiziert. Und am 27. Januar ist der dann leider verstorben. Das war für mich der ausschlaggebende Punkt zu sagen, irgendwo und irgendwie müsste man da doch helfen können. Die Anregung kam dann von Jens Rusch, dem Maler aus Brunsbüttel, der mit der Wattolümpiade „Laut gegen Krebs“ organisiert hat und nach wie vor macht. Und durch Holger Hübner, Thomas Jensen und Jens Rusch sind wir dann auf die Idee gekommen „Lautstark gegen Krebs zu machen“, denn Wacken ist laut und Wacken ist stark. Ich habe dann im letzten Jahr auf dem Wacken den Außendienst gemacht und bin über das Infield (Anm. d. Red.: Gelände um die Bühnen) gefahren, beim Biergarten und entlang der Hauptstraße, um unsere Armbänder für eine Spende von fünf Euro zu verschenken. Dabei habe ich 4000 Euro eingenommen. Jetzt hat sich das Ganze weiterentwickelt. Wir sind in diesem Jahr noch auf vielen Festivals und ich fahre mit meinem Rollstuhl zum Wacken Open Air.

Inwiefern hilft Ihnen die Bekanntheit als Wacken-Opa bei der Aktion?

Ich will es mal so formulieren. Sicherlich ist der Wacken-Opa wichtig, sicherlich steht der irgendwo vorne an, nur wir sind acht Leute in der Crew und alle acht Leute machen das Gleiche. Der zweite Punkt ist, dass ganz egal auf welchem Festival ich bin oder welche Tour ich mache: Im Vordergrund steht „Lautstark gegen Krebs“ und nicht Wacken-Opa Günter.

Zum Abschluss: Was würden Sie jemandem raten, der dieses Jahr zum ersten Mal zum Wacken fährt?

„Nimm Gummistiefel mit!“

Von RND/Kerstin Tietgen

Er war einer der großen Stars der Musical-Szene und wurde mit so vielen US-Theaterpreisen ausgezeichnet wie kein anderer: Der Theaterregisseur und -produzent Harold Prince ist im Alter von 91 Jahren verstorben.

31.07.2019

Das Musikfest „Wacken Open Air“ wurde am Mittwoch kurzzeitig geräumt: Ein Unwetter sorgte dafür, dass die Besucher Teile des Geländes verlassen mussten. Die Show der örtlichen Feuerwehrkapelle musste abgebrochen werden.

31.07.2019

Der ostfriesische Pianomann Enno Bunger singt auf seinem neuen Album „Was berührt, das bleibt“ über Krankheit und Tod und findet Worte der Zuversicht.

31.07.2019