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Kultur Janis, Jimi und die Stones im Rock-Wunderland
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06:00 13.11.2018
1968 lieferten sie herausragende Alben: Janis Joplin (v. l.), Mick Jagger von den Rolling Stones, Jimi Hendrix. Von ihren Rock-Meisterwerken gibt es nun Jubiläumsversionen. Quelle: Collage: Schinck
New York/London

Jimi Hendrix nahm kein Blatt vor den Mund. „Das war richtig Mist“, sagte er im April 1969 in Philadelphia. Die Briten hatten seinem Doppelalbum „Electric Ladyland“ ein Cover mit 19 nackten Frauen verpasst. Die dritte Platte des US-Gitarristen, die am 16. Oktober 1968 als letzte zu seinen Lebzeiten erschien, war das Ergebnis eines quälerischen Prozesses voller Selbstzweifel gewesen. Ein harter, gewundener Weg zu einem Meisterwerk groovenden Rocks, das in Europa nun plump mit Sex konnotiert wurde.

Der 5.1-Mix ist wie eine Reise in den Kopf von Jimi Hendrix

Hendrix’ amerikanische Plattenfirma verwendete auch nur ein beliebiges, farblich verfremdetes Konzertfoto. Der Gitarrist selbst hatte ein Bild von Linda Eastman, der späteren Ehefrau Paul McCartneys, favorisiert, das ihn, Bassist Noel Redding und Schlagzeuger Mitch Mitchell an der Statue von Alice im Wunderland im New Yorker Central Park zeigte. Denn Hendrix’ „Ladyland“ bot Wundermusik, einen psychedelischen Soundtrack nie gehörter Klänge, der perfekt zu Lewis Carrolls Fantasien gepasst hätte.

Eine Neuausgabe dieser andersweltigen Sounds wird am 9. November veröffentlicht. Auf drei CDs gibt es eine von Toningenieur Bernie Grundman anhand der originalen Analogbänder remasterte Version des Albums und eine CD mit frühen Songversionen, alternativen Varianten und Fans bereits von anderen Veröffentlichungen her bekannten Outtakes wie „Angel“ und „My Friend“, die es nicht aufs Album schafften.

Dazu findet sich auf einer Blu-Ray-Disc ein von Hendrix’ Soundzauberer Eddie Kramer verantworteter 5.1-Surround-Mix. Songs wie „Burning of the Midnight Lamp“, Dylans „All Along the Watchtower“ oder das 15-minütige „Voodoo Chile“ sind so raumdurchwandernd plastisch wie nie zuvor. Es ist, als höre man diese Lieder erstmals so, wie sie sich der am 18. September 1970 verstorbene Gitarrist vorgestellt hatte. Eine Reise in den Kopf von Jimi Hendrix und in das Herz des Jahres 1968.

Die Rolling Stones vollzogen 1968 ihre Kehrtwende zu Blues und Rock

Mit „Beggars Banquet“ vollzog sich am Nikolaustag 1968 die Kehrtwende der Rolling Stones zu Rock und Blues. Vor allem das psychedelische Album „Their Satanic Majesties Request“ mit dem „Sgt. Pepper“-artigen 3-D-Cover hatte sie im Jahr davor zu sehr ins Beatles-Fahrwasser gebracht. Das peitschende „Street Fighting Man“ und das perkussiv groovende „Sympathy for the Devil“ vollendeten nun, was sich im Mai schon mit der Rocksingle „Jumpin’ Jack Flash“ angekündigt hatte.

Die Stones klangen rauer, wilder, kantiger denn je, lieferten ein musikalisches Vorwärts zum Ende des Revolutionsjahrs 1968. Von Gitarrist Brian Jones sind dabei nur noch Spurenelemente zu finden, Keith Richards’ Gitarrenarbeit dominiert. Das „Bettlerbankett“ war Auftakt zu den glorreichen vier Stones-Platten – „Let It Bleed“, „Sticky Fingers“ und „Exile on Main Street“ folgten bis 1972.

Die Jubiläumsausgabe des Albums, mit dem die Stones den Titel der „größten Rock-’n’-Roll-Band der Welt“ erhielten, wurde von Toningenieur Bob Ludwig neu remastert. Die am 16. November erscheinende Jubiläumsedition auf Vinyl ist relativ schmal gehalten. Eine Maxisingle von „Street Fighting Man“ gibt es als Dreingabe, dazu eine Schallfolie, auf der ein Telefoninterview mit Mick Jagger für den damaligen japanischen Markt zu hören ist.

„Beggar’s Banquet“ war mehr als das „Beigefarbene Album“

Im Paket enthalten sind auch beide Covervarianten von „Beggar’s Banquet“ – selbst die großen Rolling Stones hatten damals Gestaltungskonflikte mit der Plattenfirma. Die von der Band bevorzugte Hülle mit einem Graffiti-verschmierten Kneipenklo wurde jedenfalls abgelehnt – bitte kein Igittzeug im Vorweihnachtsgeschäft, Mr. Jagger!

Plan B war genau das Gegenteil – eine cremefarbene, festliche Speisekarte mit geschwungenem Schriftzug des Bandnamens und des Albumtitels. Zwei Wochen nach dem „Weißen Album“ der Beatles kam nun also das „Beigefarbene Album“ der Stones. Alle Häme für die ewigen Zweiten im Britpop-Zirkus der Sixties endete indes mit dem ersten Hören der elektrisierenden Blues- und Rocksongs.

Janis Joplins „Sex, Dope & Cheap Thrills“ wirkt authentischer

Am 30. November wird dann auch noch eine Neuausgabe zum 50. Geburtstag von Janis Joplins Bluesrock-Klassiker „Cheap Thrills“ veröffentlicht. Die Jubiläumsversion auf zwei CDs trägt den ursprünglichen Titel „Sex, Dope & Cheap Thrills“, gegen den sich die Plattenfirma ebenso verwahrt hatte wie gegen Joplins Ansinnen, sich und ihre Band auf dem Cover nackt abzubilden (was exakt drei Monate später John Lennon und Yoko Ono auf ihrem gemeinsamen Album „Two Virgins“ schafften). Sieben Songs enthielt „Cheap Thrills“, das im August 1968 erschien und Platz eins der „Billboard“-Charts erreichte.

Die „billigen Nervenkitzel“ waren inbrünstigster Bluesrock. Wenn Joplin ihr „Come on!“ in „Piece of My Heart“ schreit, stehen noch heute Zuhörers Nackenhärchen lotrecht. Ein edler Thriller, „cheap“ war auf dem zweiten Album Joplins mit ihrer Band Big Brother and the Holding Company nur, dass man Livegeräusche zu den Studioaufnahmen zumischte, um den Eindruck eines Konzertalbums vorzutäuschen.

Tatsächlich war aber nur der letzte Song, „Ball and Chain“, einem wirklichen Auftritt entnommen. Auf derlei Blendereien wurde bei der Neuauflage verzichtet, für Joplin und ihre Band war in gewisser Weise auch das Studio eine Bühne. Die ekstatischere „Ball and Chain“-Version des Jubiläumspakets stammt von einem Gig im Winterland Ballroom in San Francisco 12. April 1968.

Am Ende hat Jimi Hendrix doch noch sein Wunderlandcover bekommen

Das Nacktfoto wurde damals gar nicht erst angefertigt. Und um die deutlich erweiterte Version vom Original zu unterscheiden – 25 der 30 enthaltenen Aufnahmen wurden nie zuvor veröffentlicht –, hat man auch auf das kultige Comiccover von „Fritz the Cat“-Erfinder Robert Crumb verzichtet und stattdessen ein (allerdings wenig ausdrucksstarkes) Bandfoto von Joplin mit ihren Jungs von Big Brother and the Holding Company gewählt.

Jimi Hendrix dagegen hat sein Cover 50 Jahre später endlich bekommen. Die Band sitzt jetzt im Park, geschart um Alice, bereit für die Reise ins Wunderland der Rockmusik.

Jimi Hendrix: „Electric Ladyland – 50th Anniversary Deluxe Edition“ (Legacy) ab 9. November The Rolling Stones: „Beggars Banquet – Limited 50th Anniversary Edition“ (Decca) ab 16. November Big Brother and the Holding Company (Janis Joplin): „Sex, Dope & Cheap Thrills“ (Legacy) ab 30. November

Von Matthias Halbig / RND

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