Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Kultur Ein Album geht auf die Reise – Interview mit Frans Zimmer alias Alle Farben
Nachrichten Kultur Ein Album geht auf die Reise – Interview mit Frans Zimmer alias Alle Farben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:29 14.06.2019
Mit den richtigen Leuten den richtigen Ton treffen: Auf dem „Suitcase“-Album von Frans Zimmer alias Alle Farben singt auch James Blunt. Quelle: Uli Deck/dpa
Hannover

Er ist der House-Musiker, auf den sich auch Indiepop-Freunde einigen können: Frans Zimmer (33) alias Alle Farben nennt seine Musik selber mitunter „Singer-Songwriter-Folk-Elektro“ – nachzuhören auf seinem neuen Album „Sticker on my Suitcase“. Ein Gespräch über musikalische und andere Reisen.

Ich erwische Sie unterwegs, Herr Zimmer. Das passt: Sie haben ein Album über das Reisen gemacht ...

Ja, wir sind auf dem Weg nach Weeze. Dort gibt es das Parookaville-Festival, und dort sind wir von dem einen Mitveranstalter zum Spanferkelessen eingeladen.

Sie sind also kein Vegetarier.

Nein. Ich esse wenig Fleisch, ich esse auch bewusst. Aber bei so einem Event bin ich gerne dabei.

Es heißt, Sie kochen gerne, unter anderem, weil es etwas ist, was Sie nur für sich machen.

Was heißt „nur für mich machen“? (lacht). Ich muss nicht davon leben. Ich muss nicht meine Miete davon bezahlen. Ich habe es noch als Hobby, und ich möchte nicht mein nächstes Hobby zum Beruf machen. as reicht schon mit der Musik.

Es wird also in absehbarer Zeit kein Alle-Farben-Restaurant geben?

Auf jeden Fall würde ich nicht selber kochen.

Was würde auf der Karte stehen?

Vielleicht hätte ich Lust, selber Rezepte beizusteuern. Es ginge auf jeden Fall nicht in eine Richtung, vielleicht asiatisch-deutsch oder asiatische Tapas, irgendetwas Exotisches.

Also genauso eklektisch, wie Sie auch Musik machen?

Genau.

Kochen und Reisen sind Metaphern, die Musiker oft verwenden, wenn es darum geht, zu beschreiben, was Sie tun. Ist das bei Ihnen ähnlich?

Es ist definitiv eine musikalische Reise. Ich arbeite ja auch mit Synonymen fürs Reisen. Kein Lied heißt direkt „Reisen“, aber viele Lieder haben damit zu tun, „Arrival“, „Departure“, „Sticker on my Suitcase“ ...

Der Koffer, den man auf dem Cover sieht: Ist das Ihrer?

Das ist mein alter. Leider ist der so kaputt, dass ich ihn nicht mehr benutzen oder reparieren lassen konnte. Er ist jetzt ein Andenken. Und auf den neuen Koffer sollen neue Sticker drauf, so viele wie möglich, von allen Leuten, die mich in den kommenden Monaten begleiten und mir begegnen, und nach der Tour soll der Koffer versteigert werden.

Was macht beim Reisen mehr Spaß: der Aufbruch oder die Ankunft?

Ich würde sagen, das Losfahren. Das heißt immer: Es geht los. Ich komme auf die Bühnen. Ich erlebe etwas. Ich lerne Neues kennen.

Und bei der Reise, die die Produktion eines Albums bedeutet?

Da ist es ein bisschen anders, weil es mich freut, wenn ich fertig bin. Wobei das bei mir ein stetiger Prozess ist: Das Album ist nur ein Punkt, den ich und das Label setzen. Ich habe auch schon wieder die nächsten Sachen fertig.

Laut Wikipedia sind Sie leichter Synästhetiker. Stimmt das?

Jein. Ich habe mich, weil ich Kunst studieren wollte, intensiv mit Farben auseinandergesetzt: Farben in der Medizin, Farben in der Kunst, Farben in der Physik. Dadurch habe ich ein weites Wissen darüber aufgebaut, so dass ich heute sehr gut Farben der Musik zuordnen kann und umgekehrt.

Das heißt, Sie malen mit Tönen?

Das klingt sehr schön, stimmt aber nicht, während ich arbeite. Aber danach kann ich es mir sehr gut vorstellen.

Sie haben wieder eine sehr bunte Truppe an Gästen auf dem Album. Wie sammeln Sie die auf?

Meist schreibe ich Songs mit Leuten zusammen; meist ist ein Sänger dabei, und das ist dann der Featuregast. Das ist mir der liebste Weg: Wir fangen an, die Gitarre kommt heraus, es wird gejammt, und es nimmt Gestalt an. Manchmal läuft es auch anders wie bei „Walk away“. Das war eine Demo, die ich von James Blunt bekommen habe, aus der ich etwas gemacht habe.

Es gibt wohl kaum jemanden, der so cool mit einem behaupteten Mangel an Coolness umgeht wie James Blunt. Wie ist es, mit ihm zusammenzuarbeiten?

Es war gut. Wenn ich im Studio bin, arbeite ich sehr zielorientiert, und er ist nicht anders. Er drängt das Ganze zum Abschluss. Das hat mir gut gefallen.

Welche Instrumente spielen Sie selber?

Ich bin selber ganz schlecht. Ich habe mal mit Geige angefangen, aber nichts richtig. Darum hole ich mir andere Leute.

Wie würden Sie Ihre eigene Qualität beschreiben? Dass Sie all das zusammenbringen?

Ja. Und mit den richtigen Leuten in einem Raum zu sitzen und genau den richtigen Ton zu treffen. Kreativität dort anzubringen, wo es geht.

Wie sind Sie eigentlich zur elektronischen Musik gekommen? So, wie Sie sie machen, hätten Sie sich auch für andere Genres entscheiden können.

Ich bediene mich ja auch bei vielen Genres, von Country bis Indiepop; es gibt aber auch Technoeinflüsse. All das bringe ich irgendwie auf einen Nenner. Ich war vergangenes Jahr zum Beispiel in Nashville, um Songs zu schreiben, mit Menschen, die sonst Country machen. Die haben einfach ein tolles Storytelling. Die ganze Stadt hat ein tolles Storytelling: Man kommt am Flughafen an, und schon am Gate steht eine Bühne, und das geht so weiter. Und rund um das Laufband, an dem die Koffer ankommen, sind Gitarren ausgestellt - eine tolle Erfahrung.

Was darf auf keiner Reise fehlen?

Ich habe immer zwei Paar Kopfhörer dabei, eines zum Reisen und eines zum Auflegen.

neues Album: Alle Farben – „Sticker on My Suitcase“ (81 Recordings/Sony)

Von Stefan Gohlisch/RND

So viel wurde über die große Pop-Diva Madonna zuletzt gelästert – da können Verrisse ihres neuen Albums eigentlich nur noch langweilen. So schlimm wie nach dem ESC befürchtet ist „Madame X“ (erschienen am 14. Juni) denn auch nicht geworden. Aber hat Madonnas Musik heute noch irgendeine Pop-Relevanz?

14.06.2019

Eigentlich ist John Rambo des Kämpfens müde, als aber die Tochter seiner Haushälterin entführt wird, greift er für einen letzten Kampf zu Gewehr, Bogen, Messer und wird wieder zum versierten Fallensteller. Der erste deutsche Teaser-Trailer zu „Rambo 5“ verspricht jede Menge Action und lockt junge Zuschauer mit dem Nummer-Eins-Hit „Old Town Road“.

13.06.2019

Die grau melierten Seebären der norddeutschen Kultband Santiano haben das deutsche Seemanns-Liedgut aus der Versenkung geholt – und fahren sehr erfolgreich damit. Im Interview sprechen die fünf Küstenjungs über ihren Auftritt in Lübeck – und Lampenfieber.

13.06.2019