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Kultur Eine Raupe, kein Rollstuhl und ein Shitstorm - So war „Rock im Park“
Nachrichten Kultur Eine Raupe, kein Rollstuhl und ein Shitstorm - So war „Rock im Park“
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20:18 10.06.2019
Bei dem Festival „Rock im Park“ standen vom 7. bis 9. Juni insgesamt rund 75 Musik-Acts auf dem Programm, rund 70 000 Gäste wurden erwartet. Quelle: Rachel Boßmeyer/dpa
Nürnberg

Das Festival „Rock im Park“ in Nürnberg war in diesem Jahr über weite Strecken ein Rockspektakel wie aus dem Bilderbuch. „Für ein Festival dieser Größe war es relativ ruhig“, sagte ein Polizeisprecher am Sonntagnachmittag. Überschattet wurde die Bilanz aber von zwei Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes, die die Beamten nach einem gewalttätigen Zwischenfall festnahmen. Im Schnitt waren nach Veranstalterangaben pro Tag 72 500 Besucher da. Das Spektakel ging in der Nacht zum Montag nach drei Tagen zu Ende.

Die Zahl der Einsätze habe bisher sogar deutlich unter der in den Vorjahren gelegen - was auch daran gelegen habe, dass die Besucher nicht so unmäßig Alkohol getrunken hätten, wie es in der vergangenen Jahren schon der Fall war, sagte der Sprecher. Vor allem die Zahl der Diebstähle ging nach Polizeiangaben zurück. Eine Schlussbilanz der Einsätze wollten die Beamten am Dienstag ziehen.

Polizeieinsatz gegen Security und ein geklauter Rollstuhl

Wegen eines gewalttätigen Zwischenfalls nahm die Polizei am Samstagabend ausgerechnet zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes fest. Sie stehen im Verdacht, zwei junge Männer angegriffen und gewürgt haben. Nach Angaben der Polizei hätten die beiden 26 und 29 Jahre alten Securitys die beiden am Samstagabend ohne erkennbaren Grund so verletzt, dass ein 18-Jähriger in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Ein 22-Jähriger erlitt leichte Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft stellte gegen den 26-Jährigen Haftantrag.

Einen außergewöhnlichen Einsatz gab es für die Helfer auch: Denn einem Rollstuhlfahrer wurde nach Angaben des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) zum Festivalstart am Freitag der Rollstuhl geklaut. Das BRK stellte ihm nach Angaben eines Sprechers daraufhin einen Leih-Rollstuhl zur Verfügung - „damit er weiterfeiern kann. Das ist natürlich erstmal das Wichtigste.“ Am Samstag tauchte der Rollstuhl allerdings wieder auf.

Allergische Reaktionen wegen einer Raupe

Das BRK zählte bis zum Ende des Festivals rund 3520 Sanitäter-Einsätze, was einem leichten Rückgang im Vergleich zum vergangenen Jahr bedeutet. Mehr als 770 Anrufe unter der Erste-Hilfe-Nummer zählten die Helfer, 189 Transporte in Krankenhäuser. 1780 Einsatzkräfte waren zwischen Donnerstag und Pfingstmontag im Einsatz.

Zu schaffen machte den Helfern allerdings eine kleine Raupe: Der giftige, Allergien auslösende Eichenprozessionsspinner war der Grund für 200 Einsätze. Die Fälle waren nach BRK-Angaben aber allesamt weniger schwerwiegend und konnten vor Ort behandelt werden. Die Rockfans wurden trotzdem dazu aufgerufen, befallene Campingplätze zu meiden und auf andere auszuweichen.

Musikalisch betrachtet wurde es oft politisch in diesem Jahr - vor allem, wenn deutsche Bands auf der Bühne standen. Die linken Punks von Feine Sahne Fischfilet kritisierten unter Jubel die Migrationspolitik der EU und AfD-Wähler. Beim gefeierten Auftritt von Adam Angst brüllte das Publikum im Chor „Nazis raus“. Und die Ärzte sagten bei ihrem Headliner-Aufritt am Freitagabend, sie hätten sich gewünscht, ihre Anti-Nazi-Hymne „Schrei nach Liebe“ nie wieder spielen zu müssen - und spielten sie.

Großer Kritikpunkt: Zu wenig Toiletten auf dem Festivalgelände

Ein Zeichen gegen Hass setzten am Samstag auch das Deutschrap-Duo Marteria und Caspar. Es sei schön, dass so viele unterschiedliche Menschen zum Konzert gekommen seien, um gemeinsam friedlich zu feiern. Und später: „alle Mittelfinger hoch gegen Rassismus und Faschismus!“

Eine Sache aber stank den „Rock im Park“-Besuchern in diesem Jahr gewaltig: Sie schimpften über zu wenig Toiletten auf dem Festivalgelände. Weil zahlreiche Klos und Duschen ausfielen, mussten die Veranstalter kurzfristig Chemie-Toiletten nachbestellen. 250 wurden „aus ganz Deutschland“ geliefert.

In sozialen Netzwerken machten die Rockfans ihrem Ärger Luft, bezeichneten die Situation und die langen Schlangen vor den Klos als Unverschämtheit und posteten sehr unschöne Bilder völlig verstopfter Schüsseln.

Ein verärgerter Besucher startete sogar eine Online-Petition, in der er eine „Rückerstattung eines erheblichen Teils der Ticketpreise für Rock im Park 2019“ forderte. Bis zum Montagnachmittag hatten mehr als 500 Leute unterschrieben.

Trotz „Shitstorm“: Festivalbesucher behalten ihren Humor

„Wir bedauern die aufgetretene Situation sehr und bedanken uns bei allen Besuchern für das aufgebrachte Verständnis“, hieß es vom Veranstalter. Ursache des Problems: Ausgerechnet die Vakuum- und Wasser-Toiletten, die eigentlich ein wenig mehr Komfort bieten sollen als die schlichten, blauen Chemie-Klos, fielen größtenteils aus.

Die Festival-Veranstalter wehrten sich gegen Vorwürfe, aus Kostengründen an den Toiletten gespart zu haben. Mit Ausnahme des vergangenen Jahres hätten sie schon jahrelang mit dem Anbieter zusammengearbeitet. Das Unternehmen war am Wochenende zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bei aller Wut der betroffenen Rockfans behielten einige trotzdem ihren Humor: „Die Veranstaltung wird von Jahr zu Jahr beschissener“ und „Das nenn ich mal einen echten Shitstorm“, wurde gescherzt. „Oder wie man in Franken sagt: Klos mit Soß’“

Von RND/dpa

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