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Kultur „Yesterday“: Eine Welt ohne Beatles
Nachrichten Kultur „Yesterday“: Eine Welt ohne Beatles
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14:29 09.07.2019
Vom Loser zum Star: Jack (Himesh Patel) kennt alle Beatles-Songs – und er ist der Einzige. Quelle: Universum
Hannover

Die menschliche Vorstellungskraft kennt Grenzen. Wer es nicht glaubt, möge jetzt mal für einen kurzen Augenblick eine Welt ohne Coca Cola imaginieren. Oder ohne „Game Of Thrones“. Oder ohne Alkohol. Gut, das ein oder andere mag man sich vielleicht wünschen, aber kann man es sich tatsächlich vorstellen?

Jetzt ist vielleicht etwas leichter nachzuvollziehen, was dem notorisch erfolglosen Singer-Songwriter Jack (Himesh Patel) passiert: Als eines Nachts für genau zwölf Sekunden rund um den Globus der Strom ausfällt, wird Jack von einem Bus angefahren. Als er wieder aufwacht, hat er nicht nur zwei Schneidezähne verloren, etwas viel Folgenreicheres ist geschehen: Kein Mensch auf diesem Planeten kann sich noch an die Beatles geschweige denn an deren Songs erinnern.

Wieso das so ist? Tja, schwer zu sagen.

Jack aber weiß noch die meisten Lieder mehr oder weniger auswendig. Die Beatles jedoch finden nicht einmal mehr im Internet statt. Jack stößt bei seiner Online-Recherche immer nur auf „Beetle“, also Käfer.

Und was ist mit den Rolling Stones?

Und was die Geschehnisse noch undurchsichtiger macht: Die Rolling Stones sind weiter in den Köpfen und auch im Netz präsent.

Erst schüttelt Jack ungläubig den Kopf, dann sieht er seine Chance gekommen: Er gibt all die unsterblichen Songs der Fab Four als die seinen aus – und steigt in kürzester Zeit vom lokalen Loser, der sich in einem heruntergekommenen englischen Seebad durchschlägt, zum globalen Star auf.

Okay, so ganz überzeugend klingt die Ausgangslage nicht. Aber das ist egal in Danny Boyles origineller Komödie „Yesterday“. Im Drogenklassiker „Trainspotting“ hat der Regisseur seine Helden ja auch schon mal in der dreckigsten Toilette Schottlands und damit seltsamerweise in einem azurblauem Ozean abtauchen lassen, ohne dass dies den Spaß gestört hätte.

Vergifteter Weg zum Ruhm

Hier hält sich der Brite nicht erst mit weiteren Erklärungen auf, die es wohl auch gar nicht geben könnte. Er lässt Jack seinen auf einer Lüge beruhenden und deshalb von Anfang an vergifteten Weg zum Ruhm beschreiten.

Nebenbei kriegt dabei das Showgeschäft einige Watschen ab. Eine knallharte Managerin in L. A. (Kate McKinnon, bekannt aus „Bad Spies“) nimmt Jack an die Kandare und zieht die Zügel immer straffer an. Das Jahrhundert-Talent ist ihr „Produkt“ und soll nach allen Regeln des Marketings passgenau zurechtgestutzt werden.

Ed Sheeran besitzt Selbstironie

Witzig ist das vor allem deshalb, weil auch ein echter Superstar hier mit von der Partie ist, der ja auch irgendwann mal ganz unten angefangen haben muss: Ed Sheeran spielt sich gewissermaßen selbst. Vermutlich ist das gar nicht so einfach, wenn man Ed Sheeran heißt.

Man muss Sheeran eine gehörige Portion Selbstironie zugestehen: Bei einem Sangesduell zwischen den beiden behauptet Jack, mal eben in Minutenschnelle den Klassiker „The Long And Winding Road“ zu kreieren. Da kann auch der große Sheeran nur mit viel Sportsgeist konstatieren, dass es noch Größere gibt als ihn selbst.

Der nur scheinbar unvergleichliche Jack aber begegnet zu seinem Schreck Ringo Starr und Paul McCartney, die in einer Talkshow plötzlich auf die Bühne gebeten werden – diese Szene entpuppt sich jedoch als Albtraum. Dafür trifft er einen anderen Unvergesslichen, der irgendwo in einem Strandhäuschen sein privates Glück gefunden hat. Der Name des Mannes soll hier nicht verraten werden.

„Yesterday“ – Manche Songs gehören der Menschheit

In einem der schönsten Filmmomente wird Jacks Gewissen entlastet: Erst schwenkt eine Frau in einer Pressekonferenz ein „Yellow Submarine“ im Modellformat in ihren Händen und gibt sich damit als weiterer wissender Beatles-Fan zu erkennen, dann steht sie vor ihm – und bedankt sich zu seiner Überraschung: Sie sei so froh, dass all die Stücke nun nicht in Vergessenheit geraten, an die sich kein anderer mehr erinnern kann. Merke: Es gibt Songs, die keiner Plattenfirma, sondern dem kulturellen Gedächtnis der Menschheit gehören.

Der neuseeländische Drehbuchautor Richard Curtis ist ein alter Hase, was Feel-Good-Movies mit britischem Touch betrifft. Er hat schon die Vorlagen zu „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und „Notting Hill“ geschrieben. Ein wenig kommt ihm seine Routine hier aber in die Quere. Irgendwann konzentriert sich die Geschichte auf nur noch eine Frage: Will Jack mit der Lüge leben und vor Fans singen, die leuchtende Handys in der Hand schwenken, oder will er mit Elly (Lily James) sein Leben verbringen, der Frau in den weiten Röcken, die er in dem britischen Seebad zurückgelassen hat?

All You Need Is Love

Musikalisch wird die Geschichte fachkundig unterfüttert vom Briten Daniel Pemberton. Seine Songauswahl sieht am Ende so aus: Erst singt der verzweifelte Jack auf einem Hoteldach „Help“ (und zitiert damit den letzten Live-Auftritt der Beatles auf dem Gebäude des Musiklabels Apple Records), dann stimmt er „All You Need Is Love“ an.

„Yesterday“ – Filminfo

Kinostart in Deutschland: 11. Juli 2019

Regie: Danny Boyle

Darsteller: Himesh Patel, Lily James, Ed Sheeran

Filmlänge: 116 Minuten

Altersfreigabe: ab 0 Jahren

Von Stefan Stosch

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