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Kultur Gaga weint, „Green Book“ räumt ab: So liefen die Oscars
Nachrichten Kultur Gaga weint, „Green Book“ räumt ab: So liefen die Oscars
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08:12 25.02.2019
Konnte ihr Glück kaum fassen: Lady Gaga. Quelle: Chris Pizzello/Invision/AP
Hollywood

Am Ende ist es doch nicht die historische Oscar-Nacht geworden, die von vielen prophezeit – und von manchen auch befürchtet – worden war: Der Netflix-Film „Roma“ ist knapp am Oscar für den besten Film vorbeigeschrammt. Kurz vor knapp schreckte die Hollywood-Akademie vor dieser Zäsur zurück. Sie vergab die wichtigste Trophäe des Abends an „Green Book“, eine herzerwärmende, aber brave Geschichte über Rassismus in den US-Südstaaten, die in den USA aber nicht unumstritten ist.

„Green Book“ hatte aber ein entscheidendes Qualitätsmerkmal zu bieten: Der Film von Peter Farrelly über die Freundschaft zwischen einem schwarzen Pianisten (Mahershala Ali, gekürt als bester Nebendarsteller) und seinem weißen Chauffeur (Viggo Mortensen) ist für die große Leinwand gemacht.

In Hollywood sind in der Nacht zum Montag die Oscars vergeben worden. Die Gewinner in den 24 Kategorien:

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Der Film „Roma“ über eine indigene Hausangestellte in Mexiko-City dagegen lief nur alibimäßig im Kino, gerade in dem Maße, in dem es für die Oscar-Qualifikation nötig war. Das Zielpublikum aber sind diejenigen, die zu Hause auf dem Sofa sitzen und den das in Schwarzweiß gedrehte Werk streamen. Die Oscar-Akademie votierte gegen den Feind im eigenen Bett, nicht gegen einen grandiosen Film.

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Dabei sah lange alles nach einem Gesamtsieg für den mexikanischen Regisseur Alfonso Cuarón aus, für den Netflix eine viele Millionen Dollar teure Oscar-Kampagne gestartet hatte. Cuarón hatte die Auszeichnungen für Regie und Kamera abgeräumt und auch den Auslands-Oscar – was zugleich bedeutete, dass die deutsche Hoffnung Florian Henckel von Donnersmarck mit seinem Künstlerdrama „Werk ohne Autor“ leer ausging. So bleib Donnersmarck der zweite Oscar nach „Das Leben der Anderen“ vor elf Jahren verwehrt.

Nicht mehr die Show der alten weißen Männer

Eine Überraschung gab es bei der besten Hauptdarstellerin: Die hinreißende Engländerin Olivia Colman, die Queen Anne in „The Favourite“, machte das Rennen vor der nun zum siebten Mal leer ausgegangenen Glenn Close („Die Frau des Nobelpreisträgers“). Damit blieb der zuvor mit gleich zehn Nominierungen hoch gehandelten Historienfarce „The Favourite“ wenigstens ein wichtiger Preis.

Bei den Männern gewann erwartungsgemäß Rami Malek für seine Rolle als Freddie Mercury in dem mit insgesamt vier Oscars dekorierten Musikfilm „Bohemian Rhapsody“. Malek hat ägyptische Eltern und bezeugte damit, was diesen Abend auszeichnete: So viele Einwanderer betraten die Bühne, so viele „People of Color“, auch so viele Frauen. Das war nicht mehr die Show der alten weißen Männer. Die Anstrengungen der Oscar-Akademie, sich in den vergangenen Jahren ein bunteres Gesicht zu geben, trugen Früchte.

Viel Zeit für politische Spitzen blieben bei dem im Eiltempo durchgezogenen Programm nicht. In drei Stunden sollte die Show über die Bühne gehen, am Ende waren es dann doch knapp dreieinhalb. Es fehlte der Moderator, der sich in Lust und Rage hätte reden können. Hier wurden Stars von Melissa McCarthy bis zu Julia Roberts im Sekundentakt durchgewunken und betonten die Verpflichtung, in schwierigen Zeiten zusammenzurücken.

Sonntagnacht fanden die 91. Oscars in Los Angeles statt. Hier gibt es die besten Bilder vom Roten Teppich im legendären Dolby Theatre.

Immerhin: Barbra Streisand erinnerte daran, dass „die Wahrheit in unseren Tagen besonders wertvoll ist“. Der sichtlich gerührte afro-amerikanische US-Kongressabgeordnete John Lewis, eine Ikone der Bürgerrechtsbewegung, hatte die rassistischen Gesetze noch am eigenen Leib erlitten, von denen „Green Book“ erzählt. Und der hyperaktive Spike Lee nutzte seine Oscar-Dankesrede (für das adaptierte Drehbuch zur Politsatire „BlacKkKlansman“), um die Leistung seiner Vorfahren zu würdigen, die als Sklaven Amerika mit aufgebaut hätten. Lee erinnerte vorsorglich schon mal an die Präsidentschaftswahlen von 2020: „Lasst uns aktiv werden und auf der richtigen Seite der Geschichte stehen“, sagte er. Eine „moralische Wahl zwischen Liebe und Hass“ stehe bevor.

Gefühlvolles Duett von Lady Gaga und Bradley Cooper

Echte Oscar-Augenblicke waren rar: Queen schmetterte zur Einstimmung ein paar Töne von „We are the Champions“ (mit Adam Lambert als Sänger, nicht mit Schauspieler Malek). Genießen konnte man zumindest einen Auftritt: Lady Gaga und Bradley Cooper sangen im Duett gefühlvoll „Shallow“, also jenen Song aus ihrem Film „A Star is Born“, der dann auch gewann.

Und, ach ja, Regisseurin Rayka Zehtabchi, Oscar-Siegerin mit ihrem Kurzfilm „Period. End of Sentence” über das Stigma Monatsblutungen in Indien, bekannte auf der Bühne, dass sie selbst gerade ihre Tage habe. Mag jede(r) selbst entscheiden, ob auch das ein historischer Moment war.

Von Stefan Stosch/RND