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19:55 13.02.2012
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Stadthagen (dis)

Der Romantiker in Lifits kam bei Franz Schuberts selten gebrachter „Sonate G-Dur“, op. 78, zu seinem Recht. Ein sensibel austarierter lyrischer 1. Satz und der melodische Habitus des Andante gelangen exzellent. Das pointierte Menuetto, ein changierendes Allegro moderato und die melodienreichen Episoden des teils auch mächtig zur Sache gehenden Allegretto-Finales mit seinem verzierten Schluss sind zwei Jahre vor Schuberts Tod entstanden. Technische Kniffligkeiten ordneten sich ganz den künstlerischen Überlegungen unter.

 Bewegender Zugriff kennzeichnete auch den nach der Pause folgenden Liszt-Teil. Dieser wurde mit vier Transkriptionen von Schubertliedern geradezu atemberaubend eröffnet. Der Solist näherte sich den Themen von der musikalischen Seite, versuchte mit einer kaum glaublichen Palette an Farbwerten, die Ausdrucksdimensionen aufzufächern, um erst von dort aus den Klangrausch zu erzeugen, der diesem heikel zu realisierenden Werk innewohnt. Lifits verabreichte diesen Liszt leidenschaftlich, wild, dann wieder ganz poetisch zart.

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 Auch Liszts von Stolpersteinen nur so gespicktes „Ricordanza“ aus „Etudes d´execution transcendante“ war dazu angetan, allerhöchste Erwartungen glatt zu übertreffen. Die Tour de force mündete im Abenteuer „Mephisto-Walzer“. Letzteren überbrachte das junge Genie so mühelos, dass seine Virtuosität transzendentale Ahnungen aufkommen ließ. Und der Meister besaß selbst nach dem Bravourstück immer noch Reserven, denn als Zugabe führte er zur Beruhigung der Gemüter eine ganz zarte Bach-Bearbeitung vor.