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Kultur überregional Der schöne Schein der toten Dinge
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19:54 22.11.2014
Von Daniel Alexander Schacht
Sun Rae Kims Arbeiten zeugen denn auch davon, dass regionale Kunst keineswegs provinziell sein muss.
Sun Rae Kims Arbeiten zeugen denn auch davon, dass regionale Kunst keineswegs provinziell sein muss.
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Hannover

Dass sie dennoch ein Eigenleben entfalten zu können scheinen, demonstriert Sun Rae Kim mit ihren Kunstwerken: Da sind Fingerlinge wie zu einem sprießenden Pilzbeet gruppiert. Da fügen sich transparente Schläuche zu Wasserpflanzen oder gigantisch vergrößerten Mikroben zusammen, deren Tentakel eben noch im Strom von Wasser oder Wind geschwankt zu haben scheinen. Oder da wuchern in üppigen Rosetten farbig schillernde Seerosen aus lauter eng gebundenen Trinkhalmen.

„Metamorphosen“ heißt die Ausstellung, mit der der längst auch international agierende Robert Drees im Jubiläumsjahr in seiner Galerie nach Franziska Stünkel gleich einer weiteren hannoverschen Künstlerin seine Reverenz erweist. Denn Sun Rae Kim stammt zwar aus Korea, lebt aber schon seit bald zwei Jahrzehnten in der niedersächsischen Landeshauptstadt. „Sie wollte außer der asiatischen auch die europäische Kunsttradition kennenlernen und hat deshalb nach dem Kunststudium in Seoul noch in Braunschweig Kunst studiert“, sagt Drees, der damals als erster Galerist auf die Kunststudentin aus dem Fernen Osten aufmerksam geworden ist.

Sun Rae Kims Arbeiten zeugen denn auch davon, dass regionale Kunst keineswegs provinziell sein muss. Als Hommage an Claude Monet, der gleichfalls Seerosen gemalt hat, versteht sie ihre Seerosenskulpturen. So ausgreifend sind die kulturellen Brückenschläge der Künstlerin aus dem Fernen Osten. Und so reizvoll kann der fremde Blick auf und das Spiel mit europäischen Traditionen sein. Wird hier der Welt der Objekte eine Seele eingehaucht, wie es der Surrealist André Breton einst zur künstlerischen Aufgabe erklärt hat? Wohl kaum: Das Seelenleben bleibt auch hier nur das des Betrachters. Dem aber wird hier immerhin vor Augen geführt, wie künstlich seine Projektionen echten Lebens auf die künstlerischen Arrangements sind.

Ebenso bekannt wie Sun Rae Kims Seerosen sind die ebenfalls aus Trinkhalmen sowie aus Maulbeerbaumpapier gefertigten Figuren aus der Serie „Tscho Young Nina’s Friends“, die Sun Rae Kim vor der Geburt ihrer Tochter Tscho Young Nina begonnen hat. Zwei davon, eine schwarz, eine weiß, stehen wie kleine Wächter auch in der Galerie, die in Objektkästen und auf Tafelbildern auch weniger bekannte Techniken Sun Rae Kims zeigt. Außer organischen Pflanzenformen sind da Miniaturkleider mit menschlichen Körperkonturen zu sehen. Etwa ein weiblicher Torso mit gebauschtem Rock aus Metallkugeln und Perlen und einem Jackett aus Pappmaschee. Und die kleinen, in Gruppen von sechs oder acht Einzelbildern gebündelten Holztafelwerke glänzen auf den ersten Blick wie Emailleschilder. Dabei schließt die dicke Lackierung nur mehrschichtige Collagen aus Zeichnungen, Fotos und Objekten ab, die die Motive von Sun Rae Kims anderen Arbeiten aufnehmen - und so wiederum ein Eigenleben der Objekte simulieren.

Von ganz anderer Lebendigkeit sind die raumgreifenden Zeichnungen, die Petra Fiebig im kleinen Outlook-Raum der Galerie zeigt. Da lässt Wandmalerei Blüten wuchern, da stehen ein Glas, eine Flasche, ein Radio auf einer Kommode - und all das ist nur mit dem Bleistift auf die Wand oder auf weißes Papier schraffiert und gezeichnet. Petra Fiebig zeichnet minutiös menschliche Lebenswelten, Sun Rae Kim spielt sublim mit menschlichen Lebenserwartungen - ein beziehungsreiches Künstlerdoppel in der Galerie Robert Drees.

■ „Sun Rae Kim: Metamorphosen“. Bis 17. Januar, Galerie Robert Drees, Weidendamm 15, www.galerie-robert-drees.de

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