Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Kultur überregional Bis auf die Knochen
Nachrichten Kultur Kultur überregional Bis auf die Knochen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:03 04.11.2014
Von Ronald Meyer-Arlt
Foto: Bestsellerautor Simon Beckett hat in der hannoverschen Apostelkirche gelesen.
Bestsellerautor Simon Beckett hat in der hannoverschen Apostelkirche gelesen. Quelle: Hagemann
Anzeige
Hannover

Au, das tut weh: Der junge Sean ist in ein Fangeisen getreten. Die Eisenzähne der Falle haben sich tief in sein Fleisch gegraben, so tief, dass der Icherzähler spürt, wie „die Spitzen eisig den Knochen berühren“. So etwas lässt die Zuhörer in der gut besuchten Apostelkirche schaudern. Und solche Beschreibungen sind die Spezialität von Simon Beckett. Der britische Thriller-Autor ist mit seinen David-Hunter-Büchern weltberühmt geworden. Jetzt war er auf Einladung der hannoverschen Buchhandlung Leuenhagen & Paris (deren Räume für den Beckett-Andrang viel zu klein gewesen wären) in der Kirche zu Gast.

Vor dem Altar sind weiße Bistrotischchen aufgestellt. Simon Beckett, schmächtig, dunkelgrauer Anzug, weißes Hemd, keine Krawatte, sitzt in der Mitte, von links stellt die quirlige Moderatorin Margarete von Schwarzkopf einige Fragen, rechts sitzt Johannes Gräler, der die deutsche Übersetzung (von Juliane Pahnke) liest.

„Der Hof“ passt nicht in Becketts Erfolgsreihe. Nach der vierten Folge seiner erfolgreichen „David Hunter“-Serie hat sich der Autor für sein nächstes Buch vom forensischen Anthropologen verabschiedet und einen ganz anderen Helden gewählt: Sean, der in Südfrankreich gestrandet ist, ein dunkles Geheimnis mit sich trägt und nun mit einem Bein in der Falle steckt. Natürlich wird er befreit. Er landet auf dem Dachboden des Bauernhofes, der dem verschlossenen Arnaud gehört. Hier wird er gesundgepflegt, aber auch gefangen gehalten.

Der Roman greift ein bisschen das Thema von Stephen Kings „Misery“ auf, ist aber kein reines Kammerspiel. Beckett arbeitet mit Rückblenden, in denen er noch eine andere Geschichte erzählt, die nichts mit dem Hof zu tun hat. Beckett liebt das Spiel mit Brutalität und Ekel (nicht umsonst tragen seine Hunter-Romane Titel wie „Die Chemie des Todes“ und „Verwesung“), das zeigt sich auch in der detailreichen Schilderung einer Schweineschlachtung auf dem Hof.

Leider ist Johannes Gräler, der den deutschen Part las, kein guter Sprecher. Er verhaspelt sich oft und klingt wie ein erkälteter Westfale. Schade. In der Hörbuchfassung (erschienen bei Audiobook) zeigt Johannes Steck, wie es auch gehen kann: Er liest so trocken, dass man die Hitze des Sommers Südfrankreichs spürt.

Am Mittwoch, 12. November, gibt es gleich zwei Lesungen bei Leuenhagen & Paris: Um 16.30 Uhr liest Rainer Strecker ein „Best of“ aller „Skulduggery Pleasant“-Bände von Derek Landy. Um 19.30 Uhr stellt Christoph Keese sein „Silicon Valley“ in der Buchhandlung vor.

Kultur überregional Neues Album der Foo Fighters - Ein Liebesbrief an die US-Musik
04.11.2014
04.11.2014
03.11.2014