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Kultur überregional Beethoven hoch zwei
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18:46 04.01.2015
Seine Sinfonien wurden von dem Bohuslav Martinu Philharmonic Orchestra gespielt: Ludwig van Beethoven.
Seine Sinfonien wurden von dem Bohuslav Martinu Philharmonic Orchestra gespielt: Ludwig van Beethoven. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Die Gegensätze könnten kaum größer sein. Nach einem walzerseeligen Operettenpotpourri am Neujahrsabend entschied sich das Bohuslav Martinu Philharmonic Orchestra im zweiten Teil seines Gastspiels für eine Beethoven Gala. Nach der leichten Muse nun also große Ernsthaftigkeit. Zwei Beethoven-Sinfonien an einem Abend aufzuführen, ist nichts Ungewöhnliches. Der monumentalen neunten mit ihrem ausladenden, friedens- und freudentaumelnden Schlusssatz allerdings noch ein anderes Werk an die Seite zu stellen, damit sind viele Veranstalter vorsichtig. Eine geballte Ladung Beethoven bedeutet es, wenn der neunten die ebenfalls schwergewichtige fünfte vorangeht. Das ist für die Zuhörer, und für das Orchester eine große Herausforderung.

Das Orchester verfügt über zuverlässiges handwerkliches Können und einen runden, stimmigen Gesamtklang. Immer wieder fielen auch bei Beethoven die feinsilbrigen Geigen, die in leuchtenden Farben klingenden Holzbläser oder die präsenten Hörner angenehm auf. Dirigent Lukas Beikircher lag offenbar sehr viel daran, die Sinfonien klar voneinander abzugrenzen. So dirigierte er die fünfte sicher und präzise, vor allem der zweite Satz gelang sehr pointiert. Im markanten ersten Satz etwa oder auch in den ineinander übergehenden letzten beiden wäre an einigen Stellen jedoch etwas mehr Mut wünschenswert gewesen, das Stück insgesamt etwas epischer anzulegen. Natürlich ist Beethoven in vielerlei Hinsicht ein typischer Komponist der Wiener Klassik. Gerade die fünfte Sinfonie jedoch weist durchaus nach vorn als ein modernes Werk, das die Sinfonik auf neue Wege bringt.

Kraftvolleren Zugriff ließ Beikircher dann in der neunten erkennen. Mit üppigerem, massiverem Klang ließ er das Orchester intonieren, gestaltete differenzierte dynamische Abstufungen. Im zweiten und dritten Satz arbeitete er die konträren Effekte und die vielfachen instrumentalen Farben gut heraus. Eindrucksvoll düster erklangen die Celli zum Auftakt des vierten Satzes. Für den vokalen Part war der Mendelssohn Chor aus Hamburg, einstudiert von Almut Stümke, zuständig und sang ohne zu viel Pathos mit ausgewogenem Klang. Gary Martin eröffnete den Solistenreigen mit eher baritonal gefärbter, gut fokussierter Stimme. Er und seine Kollegen Diana Tomsche, Ann-Katrin Naidu und Tilmann Unger waren ein homogenes Quartett.

Eine insgesamt überzeugende Aufführung, für die das Publikum im so gut wie ausverkauften Großen Sendesaal begeistert applaudierte.

Christian Schütte

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