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Kultur überregional „Auch die Scorpions machen Schlager“
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22:47 18.06.2013
Von Uwe Janssen
„Ich habe noch so experimentelle Todeslieder“: Dagobert. Quelle: Frost
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Hannover

Sie kommen nun nach Hannover. Da kommen die Scorpions her. Sie haben mal gesagt, Sie fänden die Scorpions „scheiße“, hätten Ihnen aber ihre Karriere zu verdanken.
Die Scorpions sind meine absolute Lieblingsband, ich höre die immer noch jeden Tag. Ich habe durch sie den Einstieg in die Musik gefunden, vor über 20 Jahren. Zwischendurch hatte ich mal eine Krise mit ihnen. In meiner Pubertät und danach habe ich gesagt, dass die scheiße sind. Aber ich mag die schon sehr gern.

Im Lied „Ich bin zu jung“ pfeifen Sie auch. Wie Klaus Meine. Eine Reminiszenz?
Nö, das liegt daran, dass ich kein Instrument spielen kann und nicht dauernd singen will.

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Ist pfeifen sinnlich?
Auf eine Art ja. Man kann ja nicht so viele Geräusche von sich geben ohne Hilfsmittel. Ich pfeife ständig vor mich hin.

Oft kommt ja nur Luft, wenn man pfeift. Üben Sie das?
Bei mir kommt auch viel Luft. Der Trick ist, dass man nicht direkt ins Mikrofon pfeift, sondern leicht oben drüber.

Ihre Biografie ist ein Hin und Her. Sie waren nach Berlin gezogen, sind fünf Jahre in die Isolation der Schweizer Berge zurückgegangen, um Songs zu schreiben.Nun leben Sie wieder in Berlin. Was liegt Ihnen denn mehr – Dorf oder Großstadt?
Da möchte ich mich nicht festlegen. Ich bin aber nicht der Typ, der ewig an einem Ort bleibt. Ich hab da nicht wirklich einen Plan. Aber es gibt so viele Möglichkeiten. Das finde ich gut. Ich werde sicherlich nicht ewig in Berlin bleiben.

Sind Sie ein Nomade?
Es gibt ja verschiedene Arten der Nomadenhaftigkeit. Bei dem, was ich machen möchte, bin ich nicht hin- und hergerissen. Geografisch bin ich eher Nomade. 

Dagobert...

...ist als Dagobert Jäger 1982 im Schweizer Kanton Aargau geboren und hat im April sein Debütalbum veröffentlicht. Am kommenden Montag um 21.30 Uhr tritt er im Theaterformen-Festivalzentrum im Innenhof des Schauspiels auf. Der Eintritt ist frei, wie auch bei den anderen Konzerten der Musikreihe. Am Mittwoch um 22 Uhr geht’s mit Kat Frankie los, am Donnerstag  um 22 Uhr spielt die Heiterkeit, am Freitag ist das Festivalzentrum von 15 bis 23 Uhr Teil der Fête de la Musique. In der kommenden Woche spielen neben Dagobert noch Bernadette La Hengst, Fredda, Ja, Panik, Naked Lunch und Gustav. Genauere Informationen unter www.theaterformen.de.

Wo und wie wohnen Sie denn gerade?
In Berlin habe ich erst anderthalb Jahre in einem Café gewohnt, und danach bei verschiedenen Freunden.

Ihre Lieder handeln von Liebe. Sie sagen, Sie sind ein „Schnulzensänger“. Wann nach den Scorpions ist der Siebziger-Jahre-Schlager zu Ihnen gedrungen?
Gar nicht. Ich habe niemals deutschsprachige Musik gehört. Vor zwei Jahren habe ich die Flippers entdeckt, aber da hatte ich schon 120 Songs geschrieben.

Aber Sie singen jetzt auf Deutsch.
Ja, weil es die einzige Sprache ist, die ich beherrsche. Meine Songs sind sehr einfach, aber ich bin auch ein einfacher Mensch. Das wird dann zwangsläufig etwas schlagerhaft. Vielleicht ist das auch der Einfluss der Scorpions, die, wenn man mal von den harten Gitarren absieht, ja auch Schlager machen.

120 Songs, das ist ja wirklich produktiv. Arbeiten Sie die jetzt nach und nach ab? 
Das nächste Album wird auch noch in den Bergen komponiert sein. Aber dann reicht’s auch. Ich habe noch so experimentelle Todeslieder aus der Zeit, die ich aber nicht für veröffentlichungswürdig halte. Obwohl sie eigentlich interessant sind. Aber zu negativ. Na ja. Seit ich in Berlin bin, habe ich auch schon wieder ein Album zusammen.

Wie treten Sie in Hannover auf?
Ich habe einen Pianisten dabei, der auch ein bisschen Gitarre spielt. Aber die meiste Musik kommt vom Band.

Warum?
Wenn ich auf ein Konzert gehe, interessiert mich eigentlich immer nur, was der Sänger macht. Und das bin ja in meinem Falle ich. Außerdem waren die Konzerte bislang zwar gut besucht, aber eine Band kann ich mir trotzdem noch nicht leisten.

Was ist, wenn Klaus Meine am Montag zuschaut?
Ich glaube nicht, dass er kommt.

Und wenn doch? Würden Sie ihn zum Duett bitten?
Ein Treffen ist sowieso unvermeidlich. Ich bin immer darauf vorbereitet. Ich hab da auch schon ein paar Ideen.

Verraten Sie eine?
Ja, ich habe ein Weihnachtslied geschrieben, das würde ich am liebsten mit ihm singen.

Gibt’s schon einen Titel?
Ja: „Weihnachten zu zweit“.

Interview: Uwe Janssen

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