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Kultur überregional Das Konzept der Freiheit
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00:00 30.01.2015
„Törleß“-Darsteller schaffen dichte, beklemmende Atmosphäre. Quelle: Karl-Bernd Karwasz
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Hannover

Fast 150 Jahre trennen Rossinis populäre Ouvertüre zur Oper „Wilhelm Tell“ von der 15. Sinfonie am Lebensende Dmitri Schostakowitschs. Dazwischen liegt die Orchestersuite aus Janáceks Oper „Das schlaue Füchslein“ – Opernmusik und Sinfonisches aus Italien, Mähren und Russland auf einem Konzertprogramm. Wie passt das zusammen? „Das Programm des Konzerts bietet starke stilistische Kontraste – Kontraste der Epochen, Nationalitäten und Formen“, erklärt Darlington. „Trotzdem entdecke ich ein verbindendes Element zwischen allen drei Werken: das Konzept der Freiheit.“

Unter diesen Vorzeichen ist die Wahl der Rossini-Ouvertüre unmittelbar einleuchtend: Die Geschichte um den Schweizer Volkshelden und seinen Freiheitskampf gegen Fremdherrschaft und Tyrannei ist bekannt. „Rossinis Ouvertüre spiegelt metaphorisch Tells Reise von der Unterdrückung zu Befreiung und Freiheit“, erläutert der Dirigent. „Rossini eröffnet mit einer einsamen Stimme des Widerstands, voller Melancholie und Romantik, taucht ein in das Drama des Sturms, stellt Frieden und Schönheit der schweizerischen Landschaft dar und kulminiert in dem beschwingten, triumphalen Marsch der Schweizer Soldaten.“

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Dieser berühmte Marsch diente als Titelmelodie für Fernsehserien und Untermalung unzähliger Reitszenen der Filmgeschichte. So ist es kein Zufall, dass Dmitri Schostakowitsch in seiner letzten Sinfonie gerade diesen Marsch aus Rossinis Ouvertüre zitiert, allerdings – so Darlington – „in einer so bitteren und boshaften Weise, wie es nur Schostakowitsch möglich war“. So wird der Sieg der Freiheit über die Unterdrückung in das genaue Gegenteil verkehrt: „Der Ritt triumphaler Befreiung wird eine tragische, blutleere, spöttische Parodie seiner selbst.“ Auch ein Leitmotiv Richard Wagners erklingt mehrfach: das Schicksalsmotiv aus dem „Ring des Nibelungen“.

Doch die Anklänge der Vergangenheit werden eingebunden in Schostakowitschs späte Klangsprache, gekennzeichnet von zwölftönigen Themen und der Auflösung harmonischer Zusammenhänge. „Der zweite Satz ist eine der dunkelsten und trostlosesten Kompositionen, die ich kenne“, meint Jonathan Darlington. Zwischen Krankenhaus und zweitem Herzinfarkt ist die Sinfonie 1971 entstanden. Nicht nur die Grenze der Tonalität, auch die Grenze des Lebens ist in greifbare Nähe gerückt: „Der unausweichliche Ausgang der Sinfonie sind Tod und Vernichtung.“

Lebensbejahend erscheint dagegen Leoš Janáceks Blick auf das Leben in seiner Tierparabel „Das schlaue Füchslein“: „Obwohl die Oper auch tragische Elemente enthält, ist sie eine seiner optimistischsten, wenn nicht die optimistischste Komposition Janá?eks – und Optimismus ist etwas, für das Janá?ek gemeinhin nicht bekannt war.“ Am Ende der Oper, nach dem Tod des Füchsleins, wird sein Nachwuchs beim Spielen im Wald gezeigt. „Hier bringt die Befreiung vom Leben durch den Tod neues Leben hervor, und zusammen mit diesem neuen Leben Hoffnung und Freiheit“, verbindet Darlington auch Janá?eks Musik mit dem Gedanken der Freiheit in seinem Konzert. Jonathan Darlington wird seine Gedanken zum Programm auch in Kurzeinführungen vor den Konzerten erläutern: 45 Minuten vorher im Gespräch im Laves-Foyer. Swantje Köhnecke

4. Sinfoniekonzert: So., 1. Februar, 17 Uhr; Mo., 2. Februar, 19. 30 Uhr.

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