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Kultur überregional Vertrackte Familienbande
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09:00 27.04.2015
Voller Hoffnung aufs familiäre Miteinander: Benni (Gabriel Schlager).
Voller Hoffnung aufs familiäre Miteinander: Benni (Gabriel Schlager). Quelle: Katrin Ribbe
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Dein Vater schläft mit Männern, dein Bruder wollte sich umbringen, deine Mutter raucht manchmal Gras. Das ist eben so“, sagt die zwischen Heiterkeit und Wahnsinn oszillierende Ellen (Susana Fernandes Genebra) zu ihrer Tochter Isabella (leidenschaftlich gespielt von Rachel Behringer). Mit diesem Satz ist der Inhalt des Stückes „Deals“, das am Sonnabend im Ballhof Zwei uraufgeführt wurde, im Grunde gesagt. Und dennoch sind da Verstrickungen, Befindlichkeiten, die in ihrer ganzen Dimension erst allmählich aufgedeckt werden und das Stück des gerade einmal 23-jährigen Jungautors Jan Friedrich bis zuletzt kurzweilig halten. Initialereignis ist der Suizidversuch des zwölfjährigen Benni, der die Inhalte seines Chemiebaukastens vertilgt hat. Doch seine Schwester Isabella will das nicht glauben: „Als ob man in dem Alter irgendwelche Gründe hätte, sich umzubringen“, sagt sie. Zwölf Jahre mag in der Tat ein sehr junges Alter sein – doch als später ihr Freund Gregor (Jakob Benkhofer) gesteht, dass auch er sich in dem Alter umbringen wollte, wird der Hinweis auf das Problem Jugendsuizid affirmativ.

„Alle glücklichen Familien gleichen einander; jede unglückliche jedoch ist auf ihre besondere Weise unglücklich.“ Dieser Satz Leo Tolstois kommt hier umso mehr zum Tragen, als sich offenbart, dass auch Gregors reiche Familie nur scheinbar glücklicher ist. Nun will er finanziell unabhängig von seinen Eltern werden – mit dubiosen Mitteln: Er dealt mit diversen Substanzen und ist sich schließlich nicht zu schade, auch seinen Körper zu verkaufen. Zu Beginn scheint er noch Isabella vor dem Familienchaos zu schützen, doch bald stellt sich heraus, dass Gregor Kern des Problems ist. Hier greift dann doch die Familienbande, egal wie verkorkst sie sein mag. Letztendlich ist der Zusammenhalt in schwierigen Situationen entscheidend. So hofft Vater Simon an anderer Stelle: „Wir können Benni, wenn er aus dem Krankenhaus entlassen wird, als eine Familie empfangen, die vielleicht nicht perfekt ist, aber als eine Familie, auf die er sich verlassen kann.“ Und auch Gregor sucht einen versöhnlichen Schluss, indem er mit dem letzten großen Deal Bennis innigsten Wunsch erfüllt.

Regisseurin Hanna Müller öffnet in ihrer Inszenierung die Grenzen der Bühne: So bewegen sich die Schauspieler im gesamten Raum des Studios, auch zwischen den Sitzreihen, greifen sich mal ein Handy, mal einen Schuh von Zuschauern. Das Publikum wird körperlich miteinbezogen in die Familienzwiste, es erhält einen Blick in die Untiefen des familiären Zusammenseins, das sich sonst im nicht öffentlichen Raum abspielt, und zollt dafür dem Ensemble gebührend Applaus.

Nächste Aufführung

Donnerstag, 30. April. Eintrittskarten sind für 16,50 Euro erhältlich unter Telefon (05 11) 99 99 11 11.

Von Katharina Derlin

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